Konzerne prognostizieren Gewinnzuwachs von 12 bis 14 Prozent
Pharmabranche ist bei bester Gesundheit

Der Umsatz der Pharmaindustrie verliert in diesem Jahr zwar etwas an Schwung, doch die Gewinnzuwächse werden davon kaum gebremst. Denn die Konzerne reagieren nicht nur mit drastischer Kostensenkung. Sie trennen sich auch von Randgebieten wie Nahrungsmitteln und von wachstumsschwächeren Medikamenten.

FRANKFURT/M. Die Pharmaindustrie erfreut sich weiterhin bester Gesundheit. Trotz wachsender Konkurrenz durch Nachahmerprodukte und einer Flaute bei Neuzulassungen werden die Gewinne der Branche in diesem Jahr um durchschnittlich 12 bis 14 % zulegen - und damit kaum schwächer als im Vorjahr. Darauf deuten die Prognosen der führenden 20 börsennotierten Pharmakonzerne sowie die Gewinnschätzungen der Analysten hin.

Die Pharmabranche gehört damit weiterhin zu den wenigen Sektoren, die ohne größere Schwierigkeiten durch die Konjunkturflaute steuern. Allerdings ist die Lage bei den einzelnen Unternehmen höchst unterschiedlich. Immerhin zeichnen sich bei rund einem Drittel der großen Konzerne stagnierende oder leicht rückläufige Gewinne im Jahr 2002 ab.

Betroffen sind vor allem Hersteller, bei denen wichtige Patente auslaufen oder bereits ausgelaufen sind, darunter vor allem Eli Lilly, Merck, Astra-Zeneca und Bristol-Myers Squibb. Die Leverkusener Bayer AG dürfte auch in diesem Jahr wegen der Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay gebremst werden. Bei der Schweizer Roche Holding AG dämpfen rückläufige Finanzerträge die Gewinnerwartungen.

Diesen Konzernen steht eine fast ebenso starke Gruppe von Unternehmen gegenüber, die Gewinnsteigerungen von 20 % oder mehr prognostizieren. Ein weiteres Drittel der Branche stellt Zuwächse von gut einem Zehntel in Aussicht. Allerdings bleibt es schwierig zu erkennen, wie stark die Pharmagewinne tatsächlich vom organischen Wachstum beflügelt werden. Einen mindestens ebenso wichtigen Beitrag leistet der Abbau von Kosten.

Denn trotz teilweise bereits sehr hoher Renditen verfügen viele etablierte Pharmahersteller nach wie vor über Effizienzreserven, vor allem in Verwaltung und Produktion. Diese werden derzeit nicht nur von den Teilnehmern an Fusionen erschlossen. Auch Unternehmen wie Bayer oder Roche haben ambitionierte Kostensenkungsprogramme gestartet.

Zur Stärkung der Gewinne greifen die Konzerne zudem verstärkt auf die Trennung von Randgeschäften zurück. Aventis dürfte Sondergewinne aus dem Verkauf der Agro-Aktivitäten an Bayer beziehen. Novartis kündigte den Verkauf von Teilen seines Nahrungsmittelgeschäfts an. Roche will sich von seiner Vitaminsparte trennen. Auch britische und amerikanische Firmen wie Pfizer, Johnson & Johnson verfügen über Konsumgütersparten, die früher oder später auf den Prüfstand geraten.

Mit Blick aufs eigentliche operative Geschäft kommt der Pharmabranche die weit verbreitete Praxis der Pro-forma-Rechnungslegung zugute. Fusionskosten werden in aller Regel als einmaliger Sonderaufwand verbucht. Das bietet zumindest theoretisch die Möglichkeit, stille Reserven für die Folgejahre zu legen. Spielraum dürfte ferner der inzwischen recht schwungvolle Handel mit Vertriebsrechten und ganzen Produktlinien eröffnen. Diese, zum Teil durch Kartellauflagen bedingten Transaktionen, bescheren dem Verkäufer in aller Regel hohe Sondererträge, während der Käufer seine operative Performance verbessern kann.

Novartis etwa bezahlte vor eineinhalb Jahren rund 1,6 Mrd. $ für ein Herpesmedikament, das im vergangenen Jahr gut 300 Mill. sfr Umsatz zum Pharmageschäft beisteuerte. Roche verkaufte Ende 2000 die US-Rechte für sein Herzmittel Coreg an Glaxo Smithkline und erwarb im Gegenzug das Krebsmedikament Kytril mit gut 400 Mill. sfr Umsatz. Der US-Konzern Pharmacia dürfte im ersten Quartal mehrere Hundert Mill. $ Sonderertrag aus dem Verkauf der US-Rechte am Schlafmittel Ambien verbuchen, dessen Umsatz künftig die Ertragsrechnung von Sanofi-Synthelabo beflügelt.

Andere Pharmakonzerne trennen sich zusätzlich von alten und wachstumsschwachen Produkten, wie es zum Beispiel Aventis mit dem Verkauf des patentfreien Allergiemittels Cardizem getan hat. Diese Bereinigung der Produktportfolios stärkt die Kassen der Firmen und lässt gleichzeitig die Wachstumsraten in einem besseren Licht erscheinen.

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