Konzerne streichen rigoros Stellen
Bundesanstalt: Arbeitsmarktziel der Regierung ist gefährdet

Das Arbeitsmarktziel der Bundesregierung von 3,5 Mill. Erwerbslosen im kommenden Jahr wird immer stärker angezweifelt.

dpa/vwd BERLIN. Angesichts geplanter Stellenstreichungen bei international tätigen Großkonzernen sowie der schwachen Konjunktur befürchtet die Bundesanstalt für Arbeit, dass der Abbau der Arbeitslosigkeit dieses Jahr nicht wie geplant vorankommt. "Das Arbeitsmarktziel ist in Gefahr", sagte Behördensprecher Eberhard Mann der "Berliner Zeitung" (Donnerstag).

Bisher geht die Bundesanstalt offiziell davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen 2001 auf durchschnittlich 3,7 Mill. sinken wird. Bei der Präsentation der jüngsten Arbeitsmarktzahlen Anfang Juli hatte der Chef der Nürnberger Behörde, Bernhard Jagoda, ausdrücklich an diesem Ziel festgehalten. Für 2002, das Jahr der Bundestagswahl, peilt die Regierung eine Arbeitslosenzahl von 3,5 Mill. an.

In den vergangenen Tagen hatten sich die Nachrichten über massiven Personalabbau und Massenentlassungen bei international tätigen Unternehmen bedrohlich gehäuft. So will der Münchner Chiphersteller Infineon nach dem Sturz in die Verlustzone 5.000 Stellen streichen. Der niederländische Chemiekonzern Akzo Nobel will überdies weltweit 2.000 Jobs streichen. Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass der Schweizerische Industrie-Riese ABB 12.000 Stellen abbauen will, davon nur ein Drittel durch Fluktuation.

Der Abbau soll weltweit erfolgen, auch in Deutschland. Der US-Telekommunikationsausrüster Lucent Technologies wiederum hatte mitgeteilt, weltweit bis zu 20.000 Mitarbeiter zu entlassen. Welche Standorte betroffen sein werden, ist bisher nicht bekannt. Betriebsräte fürchten aber, dass die Einschnitte an Deutschland nicht vorbeigehen werden. Allein in Nürnberg arbeiten den Angaben zufolge 3.000 Beschäftigte für Lucent.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Klaus Zimmermann, rechnet 2002 mit durchschnittlich 3,8 Mill. Arbeitslosen. Das von der Regierung angestrebte Ziel werde damit weit verfehlt, sagte Zimmermann der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstag). "Wenn es gut läuft, das heißt bei einem unterstellten Wachstum von 2,3 %, werden wir im Durchschnitt des nächsten Jahres 3,8 Mill. Arbeitslose haben."

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