Konzernergebnisse und die Börse
Auch Musterschüler stehen vor schweren Zeiten

Die aktuellen Halbjahresergebnisse von Adidas, BMW und Eon können sich durchaus sehen lassen. An der Börse wird das den Vorzeigeunternehmen im Dax aber nicht gedankt. Zurzeit dominiert der allgemeine Abwärtstrend an den internationalen Märkten - fundamentale Daten bewirken da nur eine kurzfristige Reaktion.

HB FRANKFURT/MAIN. Einer der Musterschüler im Dax sind die Bayerischen Motoren Werke. Im ersten Halbjahr 2002 konnte das Unternehmen seinen Gewinn um fast 8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöhen. Doch die Aktie am Automobilbauer, die noch Mitte Mai bei fast 50 Euro notierte, kostet heute nur noch knapp 35 Euro. Anderen Qualitätswerten wie Eon, Henkel und Schering, die ebenfalls gute Halbjahresergebnisse vorlegten, geht da es nicht besser.

"Insgesamt konnten mehr Unternehmen im Dax durch positive Zahlen überraschen als durch schlechte", beobachtet Wilhelm Heinrichs, Fondsmanager bei DIT. Dennoch gab der Deutsche Aktienindex in den Monaten nach der Halbjahresberichts-Saison fast 35 % ab. "Das dritte Quartal diesen Jahres war eines der schlechtesten überhaupt am deutschen Aktienmarkt," sagt Jochen Mathee, Fondsmanager bei Invesco. Relativ gesehen sei eine kurzfristig positive Reaktion der Kurse auf gute Ergebnisse durchaus festzustellen, aber absolut haben alle diese Titel Verluste verbuchen müssen.

Das bedeutet aber nicht, dass eine Investition in Titel, die gute Ergebnisse liefern, mittel- und langfristig nicht lohnend wäre. Denn grundsätzlich gilt, dass Unternehmen, deren Geschäfte sich im Konjunkturtal überdurchschnittlich gut entwickeln, in einer Aufschwungphase besser als der Markt performen. "Das gilt vor allem für zyklische Werte wie BASF und Thyssen, die von einem Aufwärtstrend überproportional profitieren," sagt Patrick Lang, Fondsmanager bei Pictet Funds.

Absatzzahlen in der Automobilbranche künstlich nach oben getrieben


Einen aktuellen Sonderfall stellt jedoch die Automobilbranche dar. Durch besondere Marketinganreize in den USA werden die Absatzzahlen dort künstlich nach oben getrieben. Die derzeit zu beobachtenden Wachstumsraten werden in Zukunft abflachen. "Weniger konjunkturabhängige Werte wie BMW oder Porsche, werden aber auch noch in einer schwächeren Branchenkonjunktur attraktiv sein", meint Pictet-Anlageexperte Lang.

Im Moment schafft es die BMW-Aktie aber nicht, dass sich die guten Unternehmenszahlen im Kurs bemerkbar machen: "Absolut gesehen hat der Kurs davon nicht profitiert. Aber relativ konnte sich das Papier im Vergleich zum Markt gut halten", analysiert Daniel Kerbach, Fondsmanager bei Activest. Der Kurs des Titels fiel "nur" 10 % - im Vergleich zur Münchener Rück und Epcos, die 37 beziehungsweise 55 % abgaben - eine immer noch gute Performance. "Dennoch sind gute Unternehmensnachrichten momentan nicht stark genug, um sich gegen den allgemein negativen Trend zu stemmen", bewertet Activest-Manager Kerbach die Situation.

Dieser Ansicht ist auch Manager Mathee von Invesco: "Zurzeit spielen Fundamentaldaten keine große Rolle. Andere Marktkräfte sind da stärker." Er rechnet aber damit, dass auf Zwölf-Monats-Sicht Konzernergebnisse wieder an Bedeutung gewinnen werden. Von einer Abkopplung der Aktienkurse vom angemessenen Firmenwert könne man aber nicht sprechen. "Wenn die Aktienmärkte weltweit fallen und die Kurse von erfolgreichen Konzernen nur unterproportional abgeben, dann handelt es sich ja nicht um eine Abkopplung", meint Mathee. Da sich zurzeit die durchschnittliche Bewertung der Märkte allgemein verändert, sei eine relative Betrachtung der Kursentwicklungen nötig, fügt der Invesco-Mann hinzu.

Fundamentale Daten weniger wichtig


DIT-Experte Heinrichs ist dagegen nicht der Ansicht, dass fundamentale Daten generell weniger wichtig geworden sind: "Kurzfristig starke Bewegungen können aber die Fundamentaldaten überwiegen wie das zum Beispiel bei der übertriebenen Kursgewinnen der Technologie- und Telekommunikationswerten zu beobachten", erinnert sich Heinrichs.

Das Strickmuster dabei ist stets gleich: Nach Bekanntgabe von Unternehmensergebnissen reagieren als erstes Aktienhändler, die einen kurzfristigen Anlagehorizont haben. "Solche Short-Term-Trader kaufen kurz nach Bekanntgabe. Aber in vielen Fällen verkaufen sie die Titel noch am selben Tag", weiß Mathee. Starke Kursbewegungen überdauern daher oft nur ein bis zwei Tage. "Wenn die Zahlen aber zu einer generellen Neubewertung des Unternehmens führen, kann dadurch eine nachhaltige Bewegung ausgelöst werden. Ein Beispiel ist Daimler Chrysler, deren gute Halbjahreszahlen auf das erfolgreiche Sparprogramm bei Chrysler zurückzuführen waren. Diese Zahlen haben bei den Investoren ein Umdenken bewirkt", sagt Heinrichs.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%