Konzerngewinn reduzierte sich um mehr als die Hälfte
Gewinneinbruch bei ABB

Bei dem Elektrotechnikkonzern ABB ist im ersten Halbjahr 2002 der Gewinn geschrumpft und die Schulden sind gewachsen.

Reuters ZÜRICH. Die Nettoverschuldung stieg nach Firmenangaben vom Mittwoch auf 5,2 Milliarden Dollar von 4,1 Milliarden Ende 2001. Der Gewinn sank um 62 Prozent auf 101 Millionen Dollar. Der Umsatz ermässigte sich um zwei Prozent auf 10,93 Milliarden Dollar. Nach der unerwarteten Nachricht über die Schulden sackte die Aktie bis Mittag um 17 Prozent ab.

Für die Börse spielte ein Rolle, dass ABB bereits im Frühjahr grosse Anstrengungen zur Lösung von Refinanzierungsproblemen unternehmen musste und die Agenturen damals die Bonitätsbewertung zurückgenommen hatten. Dass ABB früher vorgelegten Prognosen für Umsatz und Ertrag bekräftigte, interessierte die Anleger vorerst nicht.

Der Schulden-Anstieg sei auf nicht realisierte Währungsumrechnungsdifferenzen, die Übernahme eines Portfolios mit Forderungen aus Finanzverträgen sowie auf die Finanzierung von operativen Investitionen zurückzuführen, teilte ABB weiter mit. ABB will die Verschuldung bis zum Jahresende weiterhin um mindestens 1,5 Milliarden Dollar abbauen. Dies soll durch einen verbesserten Cash flow sowie die Veräusserung von Vermögenswerten erreicht werden.

Den angekündigten Verkauf des Geschäftsbereichs Structured Finance stellte ABB weiterhin für das dritte Quartal in Aussicht. Nach Angaben von ABB-Finanzchef Peter Voser befindet sich ABB in Verhandlungen mit mehreren Parteien.

Die frühzyklische Auftragserholung des ersten Quartals habe sich im zweiten Quartal aber fortgesetzt, erklärte ABB. Im Vergleich zu Ende 2001 stieg der Auftragsbestand dank einem im zweiten Quartal anziehenden Auftragseingang um 14 Prozent auf 15,34 Milliarden Dollar. Darin enthalten ist ein Auftrag über 987 Millionen Dollar aus Russland für den Bau einer Erdöl- und Erdgasverarbeitungsanlage.

Das Betriebsergebnis (Ebit) habe sich um 41 Prozent auf 368 Millionen Dollar entsprechend einer Umsatz-Marge von 3,4 (Vorjahr 5,6) Prozent abgeschwächt. Darin sind Restrukturierungskosten, Abschreibungen und Sonderbelastungen von 185 Millionen Dollar enthalten.

Der Markt hatte für das Gesamtjahr Restrukturierungskosten von insgesamt rund 240 Millionen Dollar erwartet, aber nicht gewusst, wie sich die Summe über das Gesamtjahr verteilt. Das zweite Halbjahr dürfte besser ausfallen als das erste, hiess es weiter. ABB erwartet 2002 weiterhin eine Betriebsgewinn-Marge von vier bis fünf Prozent sowie einen im Vergleich zum Vorjahr unveränderten Umsatz. 2001 hatte sich der Umsatz auf 23,7 Milliarden Dollar belaufen. Die unveränderten Ziele bis 2005 postulieren ein durchschnittliches Umsatzwachstum von jährlich sechs Prozent. 2005 soll die Ebit-Marge neun bis zehn Prozent erreichen.

Die Zahl der Asbest-Klagen in den USA gegen ABB habe auf 102.700 zugenommen von 93.500 Ende 2001. In der ersten Jahreshälfte seien 29.500 neue Klagen eingereicht worden. In 20.300 Fällen sei eine Einigung erzielt worden, davon über 40 Prozent ohne Entschädigungszahlung.

ABB teilte weiter mit, dass im Top Management erneut ein Wechsel stattfindet. Gorm Gundersen, Leiter der Division Öl, Gas und Petrochemie verlasse das Unternehmen. Interimistisch übernehme Erik Fougner diese Funktion. Die ABB-Aktien brachen an der schwachen Börse bis am Mittag um 17 Prozent auf 9,05 sfr ein. Das Tages- und zugleich Jahrestief hatte bei 8,70 sfr gelegen.

Von Reuters befragte Analysten hatten für das erste Halbjahr 2002 durchschnittlich bei einem Umsatz von 10.679 Millionen Dollar mit einem Betriebsergebnis von 403 Millionen Dollar und einem Reingewinn von 174 Millionen Dollar gerechnet. Der Anstieg der Nettoverschuldung bereite den Anlegern Sorgen, sagte Michael Hagman von UBS Warburg in London. Umso wichtiger sei es nun, Structured Finance zu verkaufen. "Um das Vertrauen der Anlege wiederzuerlangen, muss ABB die Verschuldung abbauen und Structured Finance verkaufen," sagte er weiter. Markt Diethelm von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) schätzt, dass der Verkauf von Structured Finance die Nettoverschuldung um zwei bis 2,5 Milliarden Dollar senken dürfte. Für das Halbjahr hatte er mit einem leichten Rückgang der Verschuldung gerechnet.

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