Konzerntochter auf den Cayman Islands in Turbulenzen
Hypo-Vereinsbank zieht die Notbremse

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) hat Ärger: Eine Tochter auf den Cayman Islands steckt in Problemen. Anleger aus Argentinien sind sauer. Das Engagement hat die Bank aber bereits abgeschrieben.

ang/cbu BUENOS AIRES. Eine sichere Sache, dachte sich Nicole Moenaert: Als die seit 1977 in Argentinien lebende Belgierin 1995 eine größere Geldsumme von ihren Eltern in Belgien geschenkt bekam, legte sie diese auf Anraten der in Buenos Aires ansässigen "Banco B.I. Creditanstalt" - heute zu 50 % kontrolliert von der HVB-Tochter Bank Austria (BA) - in deren Offshore-Institut auf den Cayman Inseln an. "Für die argentinische Gesetzgebung ist die Offshore-Tochter eine ausländische Bank, was mir große Beruhigung verschaffte", erinnert sich Moenaert. Noch beruhigter war sie, als die Bank Austria und damit deren Beteiligungen in Argentinien und auf den Cayman Islands Mitte 2000 von der HVB übernommen wurde.

Moenaerts Einlage wurde mit 8 % verzinst. Doch als die 52-Jährige im April dieses Jahres 60 000 $ von ihrem Konto abheben wollte, wurde ihr mitgeteilt, dass dies nicht möglich sei. Der Ableger hatte vor dem Obersten Gericht von Gran Cayman einen Antrag auf Liquidation gestellt. "Die Aktiva der Bank in Argentinien haben sich als schwer einbringlich erwiesen", hieß es in einem Brief an die Kunden.

Nicht nur die Anleger kamen zu etwa 80 % aus Argentinien. Auch das Kapital wurde größtenteils in argentinische Staatsanleihen und Unternehmenskrediten angelegt. Doch die Zahlungsunfähigkeit des argentinischen Staates, die zahlreichen Firmen-Konkurse und die Unmöglichkeit von Auslandsüberweisungen im Zuge der Kapitalkontrollen hinterlassen deutliche Spuren.

Die Titelseite der Hochglanzbroschüre der "BII Creditanstalt International, Bank Ltd. Cayman Islands, B.W.I.", zeigt eine Landkarte Mittelamerikas. Dort, wo auf der Karte das Offshore-Paradies Cayman Islands liegt, ist ein Foto des österreichischen Hauptquartiers der Bank Austria (BA), heute eine Tochter der Hypo-Vereinsbank, eingeblendet, die zu 50 % an der BII Creditanstalt International beteiligt ist. "Der Rückhalt von BA, der größten Finanzinstitution Österreichs, sind zusammen mit unserer Expertise in den Märkten, in welchen wir operieren, und unserer engen Beziehung zur Klientenbasis einige der Stärken von BII", verspricht die Broschüre.

Das gesamte Einlagevolumen der BII macht etwa 400 Mill. $ aus, die Privatanlagen liegen durchschnittlich bei 180 000 $. Betroffen sind etwa 400 Anleger in Argentinien, einige Investoren in den USA sowie eine Reihe von Banken, die Kredite an die BII vergaben.

Vergleichsangebot vorgelegt

Die HVB zog jetzt die Notbremse und legte den Anlegern ein inoffizielles Vergleichsangebot vor. Der vorläufige Konkursverwalter, die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers, bieten den Gläubigern einen 40%-Kapitalabschlag und eine Rückzahlung über fünf Jahre an.

"Jeder Anleger wusste genau, welches Risiko mit seinen Hochzinsanlagen verbunden ist", betont ein HVB-Sprecher. Offenbar galt das Angebot der Cayman-Firma mit der hohen Rendite insbesondere vermögenden Argentiniern. Ob und in welchem Umfang dabei Kunden Schwarzgelder auf die Caymans transferierten, ist nicht nachvollziehbar. Die Inselgruppe gilt als Steuerparadies.

Doch die Anleger in Argentinien sind nicht zufrieden. Eine von den Anlegern gegründete Interessengemeinschaft beauftragte den argentinischen Anwalt Juan Popken. Dieser prüft nun, inwieweit eine Klagemöglichkeit in Europa besteht, gegen die BA oder die HVB.

Die Hauptvorwürfe: Die Bank habe keine ausreichende Risikostreuung vorgenommen und damit gegen Bestimmungen der Aufsichtsbehörde der Cayman Islands verstoßen, welche den Basel-Richtlinien folgt. Außerdem habe die Muttergesellschaft - BA oder HVB - auf Grund der im Prospekt gemachten Versprechungen eine Haftungsverpflichtung. Eine offizielle Patronatserklärung des HVB-Konzerns bzw. der BA, die eine Haftung für die Einlagen nach sich zieht, gibt es aber offenbar nicht.

Ohnehin hat die HVB bereits einen Schlussstrich unter den Ausflug der neuen Tochter BA nach Argentinien gezogen. Bereits in der Bilanz für 2001 wurden Abschreibungen von 150 Mill. Euro vorgenommen. Die sind im vierten Quartal 2001 angefallen und haben die ohnehin schon hohe Risikovorsorge der HVB (für 2001 rund 2 Mrd. Euro) noch weiter belastet.

Damit sei das Engagement aus heutiger Sicht ausreichend wertberichtigt, heißt es. Neben der Tochter auf den Cayman Islands war die BA auch im Lokalgeschäft mit einer eigenen Bank aktiv. Die HVB ist derzeit in Verhandlungen um einen Ausstieg oder einen Verkauf der Argentinien-Aktivitäten.

Quelle: Handelsblatt

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