Konzerntochter wird Rekordergebnis ausweisen – Für 2002 wird allerdings Umsatzrückgang erwartet
Lufthansa Technik ignoriert die Branchenkrise

Die Lufthansa Technik AG, Hamburg, wird ungeachtet der weltweiten Luftfahrtkrise im April 2002 das beste Ergebnis ihrer jungen Unternehmensgeschichte präsentieren.

HAMBURG. Dies geht aus den vorläufigen Zahlen der 100-prozentigen Lufthansa-Tochter hervor. Das Unternehmen habe das Vorjahresergebnis leicht übertroffen, sagte Vorstandschef August Wilhelm Henningsen Volontären der Georg von Holtzbrinckschule für Wirtschaftsjournalisten.

In 2000 lag das Ergebnis vor Steuern bei 36,4 Mill. Euro. Nach vorläufigen Angaben habe der Umsatz im Krisenjahr 2001 um 20 % zugelegt. Im Vorjahr hatten die Hamburger - im Wartungs- und Reparaturgeschäft von Flugzeugen weltweit die Nummer Eins - 2,25 Mrd. Euro umgesetzt. Das sind 14,9 % des Lufthansa-Konzernumsatzes.

Der Grund für das gute Ergebnis: Die Krise in der Luftfahrtbranche wird die Hamburger mit einem "Jet-Lag" von sechs bis neun Monaten treffen. Vor allem im Wartungsgeschäft, das 26 % des Umsatzes erbringt, wird sich der Einbruch erst verspätet bemerkbar machen. Denn nach dem 11. September brauchte der größte Kunde Lufthansa drei Monate, um 13 % der Flotte aus dem Verkehr zu ziehen. "Solange ein Flugzeug fliegt, werden wir bezahlt, auch wenn der Jet nur zur Hälfte ausgelastet ist", erklärt Henningsen. Die Konzernvorgabe, einen Gewinn auf das eingesetzte Kapital von mindestens 10 % zu erwirtschaften, werde in 2001 erreicht. Damit ist die seit sieben Jahren selbständige Lufthansa Technik wohl eine der wenigen Kranich-Töchter, die bei Vorlage der Jahreszahlen im April schwarze Zahlen präsentieren können. Für 2002 rechnet der Vorstandschef allerdings mit einem Umsatzrückgang von 10 bis 15 %. Das Sparprogramm des Lufthansa-Konzerns macht deshalb vor den Ingenieuren nicht halt. Bei Lufthansa Technik herrscht längst Einstellungsstopp.

Unmittelbar nach den Terroranschlägen haben die Flugzeugtechniker vor ihr Engagement in Asien verstärkt, wo die Luftfahrtkrise schwächer ausfällt. Bereits das Joint Venture AMECO mit Air China in Peking ist für Lufthansa Technik ein relativ krisensicheres Standbein. Außerdem ist man an einem Joint Venture in Manila, Philippinen, und einem weiteren in China beteiligt. Im am stärksten von der Krise betroffenen Markt USA ist das Unternehmen hingegen wenig präsent - was sich heute als Vorteil erweist.

Lufthansa Technik versucht den Auftragseinbruch im Wartungsgeschäft durch andere Bereiche auszugleichen. Gerade im Bereich der Flugzeugüberholung, in dem Jets für VIP-Kunden individuell ausgestattet werden, seien die Auftragsbücher nach wie vor gut gefüllt. "Wir haben bis jetzt keine Absagen", versichert Henningsen. Der Markt wachse weiter. Gerade in den USA würden jetzt aus Sicherheitsgründen viele Konzerne darüber nachdenken, sich einen Business-Jet zu kaufen oder eine "Fractional Ownership" einzugehen, bei der sie sich mit anderen Unternehmen einen Privatjet teilen. Auch die wachsende Unabhängigkeit vom Geschäft mit dem Mutterkonzern wird die Krise abmildern. Zwar ist Lufthansa noch immer größter Kunde der Hamburger Tochter, mehr als die Hälfte der Aufträge erteilen mittlerweile aber andere Airlines.

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