Konzernumbau beschleunigt
Otto kann seinen Umsatz über das Internet verdreifachen

Die Hamburger Versandhandelsgruppe Otto hat sich für den E-Commerce fit gemacht. Dafür ist der weltgrößte Versender Anfang September Mitglied der globalen Einkaufsplattform WorldWide Retail Exchange geworden. In zehn Jahren sollen bereits 20 % des Umsatzes aus dem Internet kommen.

beu HAMBURG. Die mit einem Umsatz von 40 Mrd. DM weltgrößte Versandhandelsgruppe hat sich in den vergangenen zwölf Monaten völlig neu aufgestellt, so der Vorstandsvorsitzende Michael Otto. Sein Unternehmen habe sich damit "für die globale Multichannel-Zukunft" positioniert, sagte der Vorstandschef.

"Multichannel" bedeutet, dass Otto neben dem traditionellen Versandhandels-, dem Stationärgeschäft sowie dem Großhandel auch die Weichen für eine umfassende Teilnahme im E-Commerce gestellt hat. Zu diesem Zweck hat Otto das gesamte vernetzte Handels-, Logistik- und Dienstleistungs Know-how der Gruppe in der eigenen Logistikgesellschaft HGS Hermes General Service gebündelt.

Internationale Einkaufsplattform

Jüngster Schritt auf der Einkaufsseite ist die Mitgliedschaft in der internationalen Einkaufsplattform WorldWide Retail Exchange (WWRE) seit Anfang des Monats. Der Online-Marktplatz, eine Gründung der britischen Tesco-Gruppe und des französischen Einzelhandels-Konzerns Auchan, ist mittlerweile im Business-to-Business (B2B) die größte unabhängige Einkaufsplattform. Mit dem Beitritt von Otto machen 35 Mitglieder bei WWRE mit, darunter die britischen Marks & Spencer und Safeway sowie die US-Einzelhandelskonzerne J.C. Penney, Kmart und GAP. Die 35 Mitglieder verfügen über ein Einkaufsvolumen von 614 Mrd. Euro, das Standardisierungs- und Rationalisierungspotenzial ist erheblich.

Auf der Verkaufsseite haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr allein bei Otto in Deutschland die ausschließlich über Internet abgewickelten Umsätze auf 120 Mill. DM verdreifacht. Weltweit stehen in dem am 28. Februar zu Ende gegangenen Berichtsjahr 1999/2000 bereits 450 Mill. DM zu Buch. Im laufenden Jahr wird nach Ottos Einschätzung der Internet-Gruppenumsatz "die Milliardenschwelle deutlich übersteigen".

Michael Otto blickt noch weiter: Die am schnellsten wachsende Vertriebsform Internet könne in zehn Jahren einen Anteil von 10 % am gesamten Einzelhandel erreichen, meint er. Für die Otto-Gruppe liegt die Messlatte höher: Sie will in dieser Zeit einen Internetanteil von mindestens 20 % erreichen. Auf der Basis der heutigen Otto-Weltumsätze wären dies mindestens acht Mrd DM.

Old und New Economy verknüpfen

Ottos erklärt seine Zuversicht folgendermaßen: Die Welle der Euphorie über junge E-Commerce-Unternehmen am Neuen Markt sei verebbt. Darum seien jetzt etablierte Handelsunternehmen mit Versanderfahrungen und einer verlässlichen Logistik für die Zukunft am besten aufgestellt. Otto: "Wir verknüpfen die Stärken der Old Economy mit den Chancen der New Economy."

Darin hat der im August 1949 von Michael Ottos Vater Werner gegründete Otto Versand Erfahrung. Schon 1978 wurden in einer Weltpremiere Kunden am Telefon von einer Computerstimme durch den Katalog begleitet. Anfang der 80-er Jahre wurde das jetzt eingestellte visuelle Bildschirmtextangebot (BTX) der Post genutzt. 1994 brachte Otto als erster Versender den Katalog auf CD-Rom heraus. Und seit 1995 sind die Angebote direkt ins Internet gestellt.

Zudem baut Otto Start-Up-Unternehmen gemeinsam mit Partnern auf, die in ihrem Markt eine führende Position haben; im Heimwerker- Segment ist das Obi. "Egal was die Konkurrenz macht, die Hamburger sind schon da", kommentiert ein Insider.

US-Markt ist besonders dynamisch

Otto ist heute mit 83 Unternehmen in 23 Ländern operativ tätig. Im Geschäftsjahr 1999/2000 kletterten die Weltumsätze um 21,9 % auf 40,1 Mrd. DM. Auch im laufenden Jahr hält das Wachstum der Gruppe mit einem Plus von 13 % bis Ende August an.

Dabei ist der nordamerikanische Markt besonders dynamisch. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte die nicht im Konzern konsolidierte Spiegel-Gruppe ein Umsatzplus von 9,9 % auf 3,4 Mrd. $ erwirtschaften. Der Otto-Konzern legte um 7,3 % auf 29,5 Mrd. DM Umsatz und 629 (511) Mill. DM Jahresüberschuss zu. Im Inland erhöhte sich der Umsatz der Otto-Unternehmen um 16,4 % auf 19,6 Mrd. DM. Im Ausland stieg der Konzernumsatz um 25,1 % auf 13,4 Mrd. DM.

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