Konzernumsatz gesunken
Lipobay bereitet Bayer weiter Kopfschmerzen

Der im Zusammenhang mit zahlreichen Todesfällen vom Markt genommene Cholesterinsenker Lipobay bereitet dem Chemie- und Pharmakonzern Bayer weiter Kopfschmerzen. Die Zahl der in den USA anhängigen Produkthaftungsklagen sei inzwischen auf über 10 000 gestiegen, berichtete der Konzern in seinem am Mittwoch veröffentlichten Zwischenbericht.

ap LEVERKUSEN. In insgesamt 1 211 Fällen einigte sich der Leverkusener Konzern mit betroffenen Patienten bereits gegen Zahlungen von insgesamt 378 Mill. ? auf einen Vergleich. In mehreren hundert weiteren Fällen laufen noch Verhandlungen. Ausdrücklich warnte der Konzern, es sei möglich, dass auf Bayer auf Grund der Prozesse oder der Vergleichsverhandlungen trotz bestehender guter Verteidigungsargumente Kosten zukämen, die nicht mehr durch die vorhandenen Versicherungen gedeckt seien. Das gleiche gelte für parallele Prozesse um den in Erkältungs- und Diätmitteln bis 2000 eingesetzten Wirkstoff Phenylpropanolamin, der im Verdacht steht, Schlaganfälle verursacht zu haben. Hier liegen bereits 1 100 Klagen gegen Bayer und andere Pharmakonzerne vor.

Dennoch fasst der Leverkusener Konzern nach dem Lipobay-Debakel allmählich wieder Tritt. Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen sein operatives Ergebnis trotz schwieriger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen um 40 % auf 1,5 Mrd. ?. Auch für das Gesamtjahr ist Bayer-Chef Werner Wenning optimistisch. "Sofern sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern, gehen wir davon aus, das operative Ergebnis im fortzuführenden Geschäft - wie geplant - zum Jahresende um einen zweistelligen Prozentsatz steigern zu können.", bekräftigte er frühere Ergebnisprognosen. Große Erwartungen setzt der Konzern vor allem in das Potenzmittel Levitra. Der Viagra-Konkurrent wird bereits in 16 europäischen Ländern vertrieben und soll in diesem Quartal auch seine US-Zulassung erhalten.

Der Konzernumsatz sank allerdings in den ersten sechs Monaten wegen des starken Euros gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 0,8 % auf 14,6 Mrd. ?. Auch der Konzerngewinn fiel mit 714 Mill. ? um 12,5 % niedriger aus. Hier machte sich bemerkbar, das in der ersten Jahreshälfte 2002 steuerfreie Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf der Agfa-Gevaert-Anteile in Höhe von 269 Mill. ? den Bayer-Gewinn aufgebläht hatten. Wenning betonte, der Konzern erwarte vorerst keine Unterstützung von der Konjunkturentwicklung. "Um so intensiver werden wir unsere tief greifenden internen Maßnahmen zu Restrukturierung vorantreiben - mit dem Ziel, die Ertragskraft nachhaltig zu verbessern." In den letzten zwölf Monaten hatte der Konzern durch Umstrukturierungen und den Verkauf von Firmenteilen die Zahl der Mitarbeiter bereits um mehr als 10 000 auf 117 500 verringert. Die Börse reagierte trotz der Verbesserung des operativen Ergebnisses enttäuscht, der Bayer-Kurs brach um mehr als fünf Prozent ein.

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