Konzernweiter Einstellungsstopp
Lufthansa schlägt Alarm

Steigende Ölpreise, schwaches Fluggeschäft: Wenn jetzt noch der Irak-Krieg kommen sollte, rutscht Lufthansa in die nächste Krise. Der Konzern stellt sich auf ungemütliche Zeiten ein. Er verschärft massiv seinen Sparkurs und wehrt sich heftig gegen die Steuerpläne der Bundesregierung.

ebe DÜSSELDORF. Bei Europas Linienfluggesellschaften blinken immer mehr Warnlampen auf: Billig- Airlines lassen die Ticketpreise purzeln, der Rohölpreis indes erreicht Höchststände. Zudem ist der Geschäftsreiseverkehr seit Monaten schwach - Tendenz weiter fallend.

Die Deutsche Lufthansa greift deshalb zu neuen massiven Einschnitten. "Dazu gehören eine Kapazitätsreduzierung um weitere zehn Flugzeuge im Deutschland- und Europaverkehr, Kürzungen bei Investitionen um 200 Mill. Euro sowie ein sofortiger konzernweiter Einstellungsstopp", teilte der Konzern gestern Abend mit. Noch in diesem Jahr soll mit einem ergänzenden Sparprogramm namens "Cash 100" ein zusätzlicher Cashflow von mindestens 90 Mill. Euro erzielt werden.

Ursprünglich hatte Lufthansa für 2003 wieder 1 800 Neueinstellungen geplant. Daraus wird jedoch nichts: "Es besteht dringender Handlungsbedarf", sagte Konzernchef Jürgen Weber. Die fortdauernde schlechte Wirtschaftslage und die Krise im Weltluftverkehr hätten die wirtschaftliche Entwicklung "massiv beeinträchtigt". Der Konzern nimmt deshalb weitere Kapazitäten vom Markt: Bereits im Januar hatte der Vorstand beschlossen, mit Beginn des Sommerflugplans 21 Flugzeuge im Konzern und weitere 15 bei Regionalpartnern außer Dienst zu stellen. Mit dem jüngsten Plan werden damit bald 46 Maschinen freigestellt sein.

Die aktuellen Branchenzahlen sind alarmierend: Die Januar-Buchungen bei Deutschlands führendem Reisevertriebssystem Start Amadeus lagen im Linienfluggeschäft um 7,9 % unter dem ohnehin schon schwachen Vorjahresmonat, der noch von den Terrorfolgen des 11. September überschattet war. Für das touristische Fluggeschäft ermittelte Start Amadeus gar ein Januar-Buchungsminus von 12,5 %. Der seit Herbst 2002 zu verzeichnende Rückgang der Geschäftsreisenden habe sich zu Beginn des neuen Jahres weiter verschärft, warnte auch Weber.

Lufthansa selbst flog im Januar 2003 zwar 13,3 % mehr Passagiere als im Vorjahresmonat. Die Auslastung der Flugzeuge ging allerdings um 1,2 % auf 68,4 % zurück. Zudem zieht der harte Wettbewerb mit Billigfluglinien die Durchschnittserlöse in den Keller. Lufthansa operiert zwar eifrig mit niedrigeren Ticketpreisen im Inland und sichert damit seine führende Position gegenüber der schwer angeschlagenen Deutschen BA ab. Analysten erwarten jedoch, dass sich der Preisdruck auch auf das operative Lufthansa-Ergebnis auswirken wird: Chris Avery von JP Morgan senkte gerade seine Gewinnerwartungen im laufenden Jahr deutlich auf 540 Mill. Euro und verwies auf den "besonders heftigen Preiskampf der Billigflieger" in Deutschland.

Auch auf der Kostenseite gibt es derzeit keinerlei Entspannung - im Gegenteil. Die Treibstoffpreise sind allein in den letzten drei Monaten um ein Drittel gestiegen. Heftig wehrt sich Lufthansa zudem gegen geplante Steuererhöhungen. Am Freitag soll im Bundestag entschieden werden, dass künftig internationale Flugtickets für ihren Deutschland-Anteil mit einem Steuersatz von 16 % belastet werden. "In Amsterdam oder London wird man diese Passagiere mit offenen Armen begrüßen. Mit solchen Beschlüssen fördert die Regierung Wettbewerber im europäischen Ausland. Das geht fiskalpolitisch völlig in die falsche Richtung", klagte ein Lufthansa-Sprecher. Im Falle einer Umsetzung rechnet der Konzern mit einer zusätzlichen Ergebnisbelastung von jährlich 250 Mill. Euro. Der Plan der Regierung, auch Bonusmeilen künftig mit 15 % zu besteuern, würde mit weiteren 50 Mill. Euro zu Buche schlagen, heißt es.

Hinzu kommt das Risiko eines Irak-Kriegs, der Lufthansa vollends in die nächste Krise stürzen könnte: "Das macht dann harte und schnell umzusetzende zusätzliche Maßnahmen erforderlich", warnte Weber. Lufthansa hat in der Vergangenheit allerdings selbst in schweren Krisen Entlassungen vermieden.

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