Konzernzahlen verwirren die Anleger
AOL Time Warner erregt Misstrauen

Eine Analystin äußert sich verhalten pessimistisch und prompt geht die Aktie des Unternehmens auf Talfahrt. So geschehen im Fall AOL Time Warner: Analystin Holly Becker von der Bank Lehman Brothers hatte ihre Bewertung für die Aktie von "Kauf" auf "Market Perform" gesenkt, für die AOL-Aktie also nur noch eine durchschnittliche Wertentwicklung prognostiziert.

NEW YORK. Zur Begründung schrieb sie, das Gewinnwachstum des Konzerns werde in den kommenden Jahren leiden, insbesondere bei AOL. Mittlerweile hat sich die Aktie von ihrem Dreijahrestiefststand von rund 22 Dollar auf knapp 26 Dollar erholt.

Eine derart heftige Reaktion auf eine Herabstufung ist eher ungewöhnlich. "Medienunternehmen sind komplexe und schwer durchschaubare Gebilde", meint Katherine Styponias, Analystin bei Prudential Securities. Derartige Unternehmen würden derzeit abgestraft.

Was nicht heißt, das die Kursverluste grundlos wären. Die jüngsten Konzernzahlen verwirren die Anleger. Zwischen Bruttoumsatz und dem Ergebnis nach Steuern und Abschreibungen klafft eine große Lücke. Im vierten Quartal 2001 und im gesamten Geschäftsjahr steigerte AOL Time Warner das Vorsteuerergebnis und seinen Umsatz - zugleich stieg auch der Nettoverlust. Für das Jahr 2002 rechne man nicht mit einer Erholung der Wirtschaft, hieß es zudem.

Daneben sorgen sich die Analysten um die Online-Sparte. Noch immer kränkelt der US-Werbemarkt. Zwar gingen die Gewinne im Online-Bereich mit einem Minus von 7 % im vierten Quartal 2001 nicht so stark zurück wie bei der Konkurrenz. Doch das lag auch daran, dass andere Time Warner-Unternehmen bei der Schwesterfirma kräftig Anzeigen schalteten.

Andere Experten sehen die Lage von AOL nicht ganz so düster. Von 35 Anlageurteilen, die die Nachrichtenagentur Bloomberg verzeichnet, raten 30 zum Kauf und keines zum Verkauf. "Wir sollten nicht vergessen, dass die AOL-Sparte im vergangenen Jahr 2,3 Mrd. Dollar Gewinn erzielt hat", kommentiert Paul Kim, Analyst bei Kaufman Brothers. Zudem eröffnet ein Gerichtsurteil zur Liberalisierung der US-Fernsehlandschaft AOL Time Warner neue Möglichkeiten. Die Reichweitenbegrenzung für TV-Anbieter soll fallen. Dadurch könnte der Medienriese sein Geschäft in Zukunft auch auf den klassischen Fernsehbereich ausweiten. Philip Benyola vom Bankhaus Raymond James erwartet, dass AOL davon stark profitiert: "Anbieter, die verkaufen wollen, werden als erstes an AOL denken." Viele Analysten sind sich allerdings einig, dass vor allem Kabelanbieter ganz oben auf der Einkaufsliste des stehen.

Die Unterhaltungssparte sollte sich ebenfalls gut entwickeln, erwarten die Experten. Allein die beiden Kinofilme "Harry Potter" und "Der Herr der Ringe" spielten mehr als 1,5 Mrd. Dollar ein - und beide Streifen werden in den nächsten Jahren fortgesetzt.

Auf längere Sicht werde sich die Aktie auf jeden Fall wieder erholen, heißt es. "AOL bleibt eines der besten Marketingunternehmen", sagt Becker. Für Kim ist die Aktie "die zurzeit attraktivste Kaufgelegenheit im Mediensektor." Auch Peter Mirsky sieht sie positiv: "Der niedrige Preis steigert den Anreiz nur noch, bei AOL einzusteigen."

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