Kooperation bislang wenig effizient – Datenschutz hemmt Kommunikation zwischen Arbeitsamt und Job-Agenturen
Private Vermittler fordern Zugriff auf Datenbanken

Nach dem Arbeitsamtsskandal rufen alle nach den privaten Jobvermittlern. Ihre konkreten Vorschläge für eine bessere Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Arbeit könnte sich auch für diese auszahlen.

FRANKFURT/M. Um zu einer schnelleren Vermittlung von Arbeitslosen beizutragen, fordern private Personalagenturen den Zugang zu den amtlich erfassten Daten der Arbeitssuchenden. Auf diese Weise könnte nach Einschätzung von Dominik de Daniel, Vorstandsmitglied der Offenbacher DIS Deutscher Industrie Service AG, die Arbeitslosigkeit wirksamer bekämpft werden als durch die im "Job-Aktiv"-Gesetz vorgesehenen Maßnahmen zur besseren Kooperation zwischen privaten und staatlichen Arbeitsvermittlern.

Da private Vermittler nicht die Arbeitsuchenden, sondern in erster Linie die potenziellen Arbeitgeber als ihre Kunden ansehen, ist ihre Arbeit oft effizienter als die der Berater in den Arbeitsämtern. Schließlich zahlen ihnen die Unternehmen für jeden vermittelten Mitarbeiter eine Provision in Höhe von ein bis drei Monatsgehältern. Im Gegensatz zu den staatlichen Stellen, die die Daten aller Arbeitslosen erfassen, ist ihr Bewerber-Pool jedoch auf die selbst rekrutierten Kandidaten beschränkt. "Private Vermittler sollten deshalb auch in den Datensätzen der Arbeitsämter recherchieren können", fordert Sieglinde Schneider, Sprecherin des Bundesverbands Personalvermittlung (BPV). Derzeit funktioniert die Kooperation zwischen Arbeitsamt und Vermittlungsfirma so: Hat der private Vermittler keinen passenden Bewerber für eine offene Stelle, kann er Vorschläge vom Arbeitsamt anfordern.

"Etwa in der Hälfte der Fälle sind die vom Arbeitsamt geschickten Bewerber für die offene Stelle geeignet", sagt Jeanette Krebs, geschäftsführende Gesellschafterin der Agon GmbH Personalvermittlung in Offenbach. Nach Einschätzung der BPV-Sprecherin Schneider könnten die privaten Berater mit eigenständigen Recherchen befriedigendere Vermittlungserfolge erzielen, weil sie durch den direkten Kontakt eine klarere Vorstellung von den Anforderungen der Auftraggeber hätten.

Einer Öffnung der Datenbanken der Bundesanstalt für Arbeit (BA) für kommerzielle Jobvermittler steht allerdings der Datenschutz im Weg. Das Arbeitsamt erfasst nicht nur Informationen über die Qualifikation und die bisherigen Beschäftigungsverhältnisse des Arbeitssuchenden, sondern auch private Angaben, etwa über seinen Gesundheitszustand. Diese Daten unterliegen dem im Sozialgesetzbuch festgeschriebenen Sozialgeheimnis. Es soll Empfänger von Sozialleistungen davor schützen, stärker als andere Bürger staatlichen Eingriffen ausgesetzt zu sein. Juristisch genießt dieses Amtsgeheimnis den selben Stellenwert wie die Schweigepflicht von Ärzten oder Rechtsanwälten. Für eine Öffnung der Datenbanken wäre deshalb eine Gesetzesänderung notwendig, bestätigt eine Sprecherin des Bundesbeauftragten für den Datenschutz.

Wie groß der Effekt einer Datenbanköffnung wäre, vermag allerdings niemand zu beziffern. "Wir haben keine Vorstellung von der Qualität der Datensätze", sagt ein Sprecher der Frankfurter Amadeus AG. Als spezialisierter Anbieter - Amadeus vermittelt in erster Linie hochqualifiziertes Personal für den Finanzbereich - würde das Unternehmen im Fundus der Arbeitsämter möglicherweise nur geringe Sucherfolge erzielen. Auch der Branchenverband wollte sich zu keiner Prognose für den Fall einer Öffnung der Datenbänke hinreißen lassen.

Vielen der nach BPV-Angaben zwischen gut 800, teilweise sehr kleinen Jobvermittlungsagenturen dürfte sich aber auch ein noch viel profaneres Problem stellen. Stellvertretend für viele Agenturen sagt Agon-Chefin Krebs: "Wir könnten die zusätzliche Recherche in den BA-Datenbanken derzeit personell gar nicht stemmen."

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