Kooperation im E-Business
IBM und SAP bauen weltweite Allianz aus

Zwei Riesen der Informationstechnologie, IBM und SAP, rücken enger zusammen. Der deutsche Software-Konzern aus dem badischen Walldorf und der Computer-Gigant aus den USA wollen ihre weltweite Allianz künftig im Internet deutlich ausbauen, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit.

Reuters WALLDORF/NEW YORK. Der größte europäische Softwarekonzern SAP AG erweitert sein globales Partnernetzwerk im Bereich der Internet-Software durch eine deutlich intensivierte Zusammenarbeit mit dem US-Computerkonzern IBM sowie Allianzen mit den Herstellern Palm und Compaq. SAP verkündete am Mittwochabend auf der SAP-Anwenderkonferenz "Sapphire" in Orlando im US-Bundesstaat Florida die Allianzen und kündigte ferner an, diverse Neukunden gewonnen zu haben. Firmenchef Hasso Plattner gab außerdem bekannt, die Zahl der Nutzer für die My-SAP.com-Lösungen im vergangenen Jahr von einer Million auf vier Millionen vervierfacht zu haben. Die IBM-Partnerschaft hat nach Ansicht von Analysten einen großen Stellenwert für SAP.

Bevorzugte Lieferanten

Im Rahmen der weit reichenden Allianz mit IBM ist nach den Angaben vorgesehen, sich gegenseitig als bevorzugte Lieferanten bei Lösungen für den elektronischen Handel zu lizenzieren. IBM empfiehlt somit ihren Kunden die Internetplattform My-SAP.com, während SAP insbesondere die Datenbank-Produkte des US-Konzerns anbietet. IBM wird zudem einer der globalen Dienstleistungspartner von SAP. Plattner erläuterte, mit der erweiterten Kooperation reagierten die Firmen auf den wachsenden Bedarf der Kunden nach integrierten Produktlinien. Die Kunden würden vermehrt nach umfassenden Produkten "aus einer Hand" nachfragen, ergänzte Firmensprecher Markus Berner.

IBM kooperierte im Bereich E-Commerce zuletzt mit den SAP-Konkurrenten Ariba und "i2 Technologies". Die beiden Firmen sind jedoch zuletzt zunehmend zu Konkurrenten geworden. Sie hätten nur bestimmte Segmente angeboten, während SAP alles aus einer Hand bieten könne, sagte Analyst Theo Kitz von Merck Finck. Daher habe sich IBM wohl wieder den Europäern zugewandt. Die Unternehmen arbeiten bereits seit Jahrzehnten bei der SAP-Standardsoftware R/3 zusammen. Im vergangenen Jahr hatte IBM nach den Angaben von Mills zwei Milliarden Dollar Umsatz mit Produkten erzielt, die mit SAP-Software verknüpft waren.

Keine Äußerung über Umsatzerwartungen

Zu den Umsatzerwartungen aus der Allianz mit IBM wollte sich SAP zunächst nicht äußern. Kitz sagte, er rechne mit positiven Effekten, könne sie aber mangels Details noch nicht abschätzen. Friederike Herkommer von der HypoVereinsbank sagte, sie rechne damit, dass SAP mittels der Partnerschaft Marktanteile hinzu gewinnen könne.

Die Gesellschaft gab zudem bekannt, mit den US-Computerfirmen Palm und Compaq Partnerschaften beim mobilen Geräten eingegangen zu sein. Im Rahmen der Allianzen werde SAP seine Software für den mobilen Einsatz von Taschencomputern liefern. Compaq sei darüber hinaus als neuer Kunde für Lösungen für das Management von Produktlebenszyklen gewonnen worden. Außerdem werde die Marktplatztochter SAP-Markets künftig dem Royal Dutch/Shell-Konzern Software für ein konzernweites elektronisches Beschaffungssystem verkaufen.

Die Allianzen markieren für den Walldorfer Konzern offenbar auch einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu einem globalen Partner-Netzwerk im Bereich der neuen Technologien. "Der Kunde erwartet von uns weitere Partnerschaften", sagte Berner. Der Konzern hatte bereits vor einigen Wochen eine Kooperation mit der US-Firma Hewlett Packard im Bereich der Steuerung von Zulieferketten (Supply Chain Management) vereinbart.

"Ansehen viel schlechter als Realität"

Firmenchef Plattner wandte sich auf der "Sapphire" gegen die in der Vergangenheit oft geäußerte Kritik, das Unternehmen habe zu spät auf das Internetzeitalter reagiert. "Unser Ansehen war immer viel schlechter als die Realität", sagte er in Orlando mit Verweis auf die vervierfachten Nutzerzahlen.

Der SAP-Aktienkurs befand sich nach dem von der Nokia-Prognose ausgelösten Kurssturz des Vortages am Mittwoch nach den Veröffentlichungen wieder im Aufwind und stieg bis zum Abend in einem freundlichen Börsenumfeld um 2,94 Prozent auf 171,39 Euro. Kitz sagte, SAP entwickle sich mit der Partnerschaft zu einem Weltmarktführer für Software, was den Aktien weiteren Auftrieb verleihen werde.

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