Kooperation mit dem Lausitzring
Auf Kunstschnee in die Laienkurve

In Skihallen kriegen Anfänger ein Gefühl für die Majestät des Gleitens - ein Erfahrungsbericht aus dem "Snowtropolis" in der Lausitz.

Bring dein Gewicht nach vorn!" ruft der Skilehrer, "du willst immer nach hinten." "Und sei locker, auch im Kopf!" Das ruft sich so leicht und klingt völlig überzeugend, nur wenn es ans Ausführen geht, da stellt sich der gemeine Skischüler gern dämlich an und gibt Gewicht zur Sicherheit dorthin, wo er es seit Jahrzehnten schwerpunktartig verteilt hat, aber wo es heute nichts zu suchen hat: auf den Hintern.

Vermutlich sehe ich aus wie ein Anfängeraffe auf dem Schleifstein, denkt der blutige Skilaie, ruckelt seine Körpermassen in eine Art Vorbeuge, bis die Schienbeine hart an der Schale der Schuhe zu spüren sind. "Gut so!" ruft Skilehrer Jens Kurze - und der Anfänger kriegt zum ersten Mal ein Gespür für die Majestät des Gleitens auf Schnee.

Präziser: auf Kunstschnee. Jens Kurze und sein Skischüler mühen sich an diesem Tag im linken unteren Fünftel der Indoor-Skihalle "Snowtropolis" zu Senftenberg ab, was schick klingt, aber etwas doppelt gemoppelt, weil Hallen ja eigentlich sowieso der Inbegriff des Inwendigen sind. Begrüßenswert hingegen ist es allemal, dass die Anfängerübungen hier unten in einer Art totem Winkel stattfinden, etwas mühsamer einzusehen von der Betrachterloge dort oben, sieben oder acht Meter über uns.

Von dort aus, hinter dicken, isolierten Verglasungen, hat man als Betrachter einen großartigen Blick auf die Abfahrer unten. Teils surfen sie auf Brettern um und über Huckelchen aus Schnee und bringen es zu kunstfertigen Übungen, die sie Jumps, Kicker, Slider und Rails nennen und die den Anfänger in neidische Demutshaltungen versetzen. Teils huschen sie auf schnellen, kurzen Carving-Brettern in Sekunden von der Krone des Skihangs hinunter auf die Ebene seines Sockels. Oder sie krümmen und kurven ihre kurze Abfahrt, was das Zeug hält - vielleicht, um ein wenig mehr von der 100-Meter-Piste zu haben, oder auch nur in der Anfängersorge, zu viel Fahrt zu machen.

Einige plumpsen hin und mühen sich auf, vielleicht mit verschämten Blicken auf die Zuschauerempore, wo die Kumpels wiehern und die Mädels abwinken. Oder umgekehrt. Das Ganze wird natürlich beschallt von gemäßigt wummerndem Disko- und Hip-Hop-Sound. Alpenländische Weisen wären hier etwa so fehl am Platze wie das Verbot, Edelweiß zu pflücken.

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