Kooperation mit der HVB soll deutliche Ergebnisimpulse bringen – Aktie legt zu
Münchener Rück plant Zukäufe in Europa

Nach der Neuordnung der deutschen Finanzbranche will der Münchener-Rück-Konzern jetzt mit der Erstversicherungstochter Ergo in Europa auf Einkaufstour gehen.

cbu MÜNCHEN. "Wir werden nach guten Objekten für Ergo Ausschau halten", sagte der Münchener-Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler in München. Insbesondere in Ost- und Südeuropa liege man "auf der Lauer". Leider sei der Markt schon relativ "abgegrast". Auch im Bereich Vermögensverwaltung seien Zukäufe denkbar, berichtete Schinzler.

Damit tritt die Münchener Rück noch stärker als bisher in Konkurrenz zur Allianz. Beide Schwester-Konzerne verfolgen jetzt eine eigene Allfinanz-Strategie. Die Allianz, einer der größten Erst-Versicherer in Europa, hat in den vergangenen Jahren bereits milliardenschwere Akquisitionen, unter anderem in Italien (RAS) und Frankreich (AGF), getätigt. Wie gestern deutlich wurde, will die Münchener Rück jetzt eine ähnliche Strategie verfolgen. In Deutschland ist die Münchener-Rück-Tochter Ergo mit den Marken Victoria, DKV, Hamburg-Mannheimer und DAS bereits hinter der Allianz die Nummer Zwei. Die Bedeutung der Erstversicherung, die derzeit schon rund 50 % des Geschäftes ausmacht, werde deutlich steigen, sagte Schinzler. Noch macht Ergo aber erst 18 % des Geschäftes im Ausland.



Die Kasse der Münchener Rück ist für die Zukäufe gut gefüllt. Zudem erwartet der Konzern beim Beteiligungstausch mit der Allianz noch einen finanziellen Barausgleich. Finanzvorstand Heiner Hasford erklärte, dieser werde unter einer Mrd. Euro liegen. Allianz und Münchener Rück haben sich Anfang April auf eine Neuordnung ihrere Beteiligungen geeinigt. So wird die Allianz die Dresdner Bank übernehmen. Die Münchener Rück erhält eine Sperrminorität von 25,7 % an der Hypo-Vereinsbank (HVB). Dadurch würden der Münchener Rück weitere "erhebliche Mittel" zufließen, sagte Schinzler. Insgesamt würden Kursreserven zwischen 2 und 4 Mrd. Euro realisiert, fügte Hasford an. Damit will der Konzern unter anderem die Beteiligung an der Ergo auf 95 % aufstocken (5 % gehen an die HVB). Ein Abfindungsangebot an die freien Aktionäre wurde vorgelegt. Schinzler geht davon aus, dass es angenommen wird.



Das Verhältnis zwischen Allianz und Münchener Rück werde sich trotzdem nicht grundlegend ändern, meinte Schinzler. Die beiden Konzerne, die ihre gegenseitige Beteiligung von 25 % bis 2003 auf 20 % abbauen, seien weiter "freundschaftlich verbunden". Zudem sei die Münchener Rück der wichtigste Rückversicherer der Allianz.



Vehement verteidigte Schinzler den im Vergleich zur Allianz anderen Weg der Münchener Rück. Eine vollständige Übernahme der HVB mache keinen Sinn, da dadurch erhebliche Mittel gebunden würden. Das Kapital solle vielmehr in Zukäufe fließen. "Für uns ist das gefundene Modell das einzig wahre", meinte Schinzler. Deshalb sei auch eine Aufstockung der Beteiligung an der HVB nicht vorgesehen.



Analysten hatten zuletzt die Münchener Rück als heimlichen Gewinner des Umbaus der Finanzbranche gesehen. Mit geringerem Aufwand habe die Münchener Rück mit der Allianz gleichgezogen, heißt es. Es wird darauf verwiesen, dass der Allianz mit der Übernahme und Eingliederung der Dresdner Bank eine Herkulesaufgabe bevor stehe. Es gibt aber auch kritische Stimmen an der Strategie Schinzlers. "Mit einer 25,7 %-Beteiligung kann man nicht effektiv gestalten", meint etwa Konrad Becker von Merck Finck. Allfinanz sei mehr als nur eine Vertriebskooperation.



Schinzler betonte, er setzte große Hoffnungen auf die Zusammenarbeit mit der HVB. Dadurch werde es einen "nachhaltig positiven Ergebnisbeitrag" geben. Das Kundenpotenzial der HVB soll konsequent für Versicherungsprodukte ausgenutzt werden. Derzeit seien erst 6 % der HVB-Klientel Kunden bei der Victoria. Der Außendienst des Versicherers soll zudem Geschäft für die HVB, etwa Baufinanzierungen, vermitteln. Eine Kooperation in der Vermögensverwaltung werde geprüft.



Schinzler legte gestern zudem erstmals Quartalszahlen vor. Danach lagen die Beitragseinnahmen bei 8,9 Mrd. Euro, der Jahresüberschuss bei 805 Mill. Euro. Darin enthalten ist allerdings ein Sondereffekt von 550 Mill. Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern ein Beitragsplus von knapp 6 % auf 33 Mrd. Euro. Der Jahresüberschuss (2000: 1,75 Mrd. Euro) soll zweistellig steigen. Insbesondere in der Rückversicherungen sei eine operative Besserung in Sicht. Analysten hatten teilweise für 2001 mit einem Gewinnrückgang gerechnet und waren vom Ausblick positiv überrascht. Die Münchener-Rück-Aktie gehörte gestern in einem schwachen Markt mit einem Plus von über 2 % zu den Gewinnern.

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