Kooperation mit Deutscher Ärzte- und Apothekerbank
Bertelsmann-Springer wächst im Netz

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Bertelsmann-Springer GmbH, Jürgen Richter, poliert kräftig an einer Perle: Die Tochter des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann hat er mit Umsatzrenditen von rund 14 % bei einem Gesamterlös von rund 1,4 Mrd. DM auf Hochglanz gebracht.

HB BERLIN. Heute erwirtschaftet die Firma, die 1999 aus dem Heidelberger Wissenschaftsverlag entstand, die dritthöchste Umsatzrendite im Gütersloher Medienkonzern. Bei Wissenschaft, Technik und Medizin ist Bertelsmann-Springer weltweit die Nummer 3 unter den Fachverlagen.

Damit das in Zukunft so bleibt, will Richter künftig stärker auf das Internet setzen. Bereits heute zählt Bertelsmann-Springer nach eigenen Angaben weltweit zu den größten zehn Anbietern von wissenschaftlichen Diensten im Netz. Jüngster Schritt: Eine strategische Partnerschaft mit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apo-Bank), deren Online-Tochter 23 % an Bertelsmann-Springer Medizin Online übernimmt, einer Tochter der Fachverlagsgruppe. Im Gegenzug hat Bertelsmann-Springer Exklusivrechte an der Online-Tochter erhalten. Damit haben die Berliner die Spitzenposition unter den deutschsprachigen Online-Diensten rund um die Medizin erobert, wie Wettbewerber bestätigen.

Ein großer Rivale ist der Münchner Onlinedienst Netdoctor, der wie die neu formierte Online-Tochter aus Berlin rund 3 Millionen Besucher im Monat registriert. Jedoch verfügen die Berliner via Apo-Bank über einen festen Kundenstamm an Medizin- und Pharmaprofis. Auch haben sie ein reiches Repertoire in petto: Publikationen von der Ärztezeitung bis zu Fachblättern für den Urologen, mit denen sie Profis ansprechen können - über den Internet-Service Multimedica.

Noch sind die Umsätze all dieser Online-Dienste mickrig, und die Gewinne fließen allenfalls spärlich. Das neue Portal von Bertelsmann-Springer liegt mit rund 10 Mill. DM im Markt vorn.

Der Markt ist umkämpft. Denn seit Politiker immer mehr Maßnahmen gegen die steigenden Kosten im Gesundheitswesen ersinnen, gewinnt das Internet an Bedeutung - sei es als Informationsquelle für Kranke, sei es als Datenbank für Röntgenaufnahmen, die Ärzte und Krankenhäuser einmal auf virtuellem Weg austauschen können. Aber auch die Pharmaindustrie liebäugelt mit dem Netz. So erteilte der Pharmkonzern Novartis den Berlinern den Auftrag, eine Plattform für den virtuellen Vertrieb von Medikamenten zu entwickeln.

Als früherer Vorstandsvorsitzender des Axel Springer Verlags gehörte Richter zu den wenigen Chefs von Medienkonzernen, die für einen bedachten Ausbau des Online-Geschäfts plädierten. Für den Bertelsmann-Springer Verlag, der heute gut die Hälfte ihres Umsatzes mit wissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften erwirtschaften, sieht er die Zukunft im Online-Bereich: Er rechnet damit, dass solche Publikationen in 10 bis 15 Jahren zu 80 % elektronisch vermarktet werden. Heute liegt der Online-Umsatz bei rund 3 %.

Doch die Konkurrenz ist lange schon wach. Der holländisch-britische Verlag Reed Elsevier - vom Umsatz her zehn mal so groß - glänzt als Vorbild mit seinem elektronischen Angebot. Gleichzeitig schließen sich Bibliotheken oder Universitäten, zusammen, um mit Sammelbestellungen Geld zu sparen. "Ziel ist es", so Richter, "dass wir international ein Muss für alle Bibliotheken und Universitäten sind". Die Berliner halten deswegen nach wissenschaftlichen Publikationen und Verlagen Ausschau - besonders in den USA.

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