Kooperation mit IBM soll Kaliforniern neuen Schub bringen
Die Luft für Palm wird allmählich dünn

Die Konkurrenz macht dem Marktführer Palm schwer zu schaffen. Seit dem Krisenjahr 2001 hat Palm Marktanteile verloren. Die Aktie des einstigen Börsenlieblings ist zum Pennystock verkommen.

HB MÜNCHEN. Vor zwei Jahren war die Welt für die Palm Inc. noch in Ordnung. Wenige Konkurrenten bedrohten den Marktführer für Taschencomputer, und die Aktie notierte bei rund 40 $. In der vergangenen Woche nun hat Standard & Poor?s das an der Nasdaq gelistete Papier aus dem S&P 500 gestrichen und durch Monsanto ersetzt. Palm-Aktien kosten derzeit nur noch rund 70 Cent.

Seit dem Krisenjahr 2001 ist die Luft für Palm dünner geworden. Noch ist das Unternehmen aus Santa Clara allerdings trotz wachsender Konkurrenz und zahlreicher Managementfehler Marktführer bei "Persönlichen Digitalen Assistenten" (PDA) wie die Taschencomputer im Fachjargon heißen. Nach jüngsten Angaben der Marktforscher von IDC hält Palm weltweit 39 % Marktanteil, in den USA sind es gar 47 %.

Doch der Umsatz ist im Geschäftsjahr 2002, das am 30. Juni endete, um 34 % eingebrochen. Bei einem Jahresumsatz von 1,03 Mrd. $ betrug der Verlust 82 Mill. $. Im Vorjahr hatte Palm allerdings noch 356 Mill. $ Verlust eingefahren.

Konkurrenzprodukte machen dem Marktführer zu schaffen

Während eine Gruppe der Wettbewerber das Betriebssystem Palm OS an Bord ihrer Geräte hat, arbeitet die zweite mit der Systemsoftware Pocket PC von Microsoft. Diese wiederum basiert auf Windows CE (Consumer Electronics).

Seit 2001 haben vor allem die Modelle "Clie" von Sony und "Treo" von Handspring, beide mit Palm OS ausgerüstet, sowie Compaqs "iPaq" und der "Journada" von Hewlett-Packard den wenig innovativen Modellen von Palm Inc. Marktanteile abgejagt. Künftig setzt die vereinigte HP-Compaq Truppe auf den besonders erfolgreichen "iPaq" der Texaner. Zusätzlich haben die Palm-Geräte von einigen mit Organizer Funktionen ausgestatteten Mobilfunk-Handys wie etwa dem Nokia 9290 Communicator Konkurrenz bekommen. Damit nicht genug, auch Dell plant laut ernst zu nehmender Marktgerüchte den Einstieg in das Geschäft mit PDA - voraussichtlich mit Windows CE ausgerüstet. Toshiba hat Dell mit dem erfolreichen e570 gezeigt, wie schnell man in diesem Markt wachsen kann.

Wenig wirklich Neues entwickelt

Marktbeobachter werfen Palm vor, in den vergangenen zwei Jahren wenig wirklich Neues entwickelt zu haben. "Die haben seit ihrem Erfolg mit dem Palm V nichts wirklich Innovatives auf den Markt gebracht", kritisiert IDC-Forscher Randy Giusto. Das soll sich in den kommenden Wochen ändern. Für die gerade beginnende Herbst/Wintersaison werden eine Reihe neuer Modelle mit einem deutlich verbesserten Funktionsangebot aus Santa Clara erwartet. Mit einem neuen Chip (ARM-Architektur) sowie dem seit langem erwarteten Betriebsystem Palm OS 5 sollen die Palm-Computer technisch Anschluss zur Konkurrenz halten.

Aufspaltung von Palm in Hard- und Softwarebereiche

Und um seine Software Palm OS besser an Partner lizenzieren zu können, soll das Unternehmen nun tatsächlich in eine Hardware- und eine getrennte Softwarefirma aufgespalten werden. Dies wurde bereits im Sommer vergangenen Jahres beschlossen. Damals musste der wenig glücklich agierende CEO Carl Yankowski den Hut nehmen. Der frühere 3Com-Chef Eric Benhamou führt Palm derzeit als Interims-CEO. Als Chef für die Hardwarefirma ist Todd Bradley, ehemaliger Manager des PC-Herstellers Gateway, vorgesehen. Die Softwarefirma "Palmsource" leitet David Nagel, der bereits bei Apple und im AT&T-Lab in führender Position tätig war.

Aufteilung erntet nicht nur Zustimmung

Die geplante Aufteilung des Unternehmens stößt nicht nur auf Zustimmung. Vor allem die Mitarbeiter der künftigen reinen Hardwarefirma wollen sich nicht von den Vorteilen des eigenen Betriebssystems im Hause trennen, für das sie künftig Lizenznehmer sein werden. Doch künftig soll gleiches Recht für alle Lizenznehmer gelten. Benhamou hat in einer Betriebsversammlung klar gemacht, dass dieser Schritt zwingend notwendig ist. Analyst Yet Eddie Woo von der Investmentbank CIBC in San Francisco ist allerdings der Meinung, dass Gewinnspannen des Hardwareherstellers Palm nach der Abspaltung des Softwarehauses leiden könnten.

Kooperationsvertrag mit IBM gibt Hoffnung

Hoffnung schöpfen die Palm-Manager aber vor allem aus einem neuen Kooperationsvertrag mit IBM. Big Blue war zwar schon seit einigen Jahren Lizenznehmer von Palm, doch nun ist von einer gemeinsamen Entwicklungs- und Vertriebsallianz die Rede. Ziel ist, Taschencomputer strategisch in die Unternehmenskonzepte der Computernutzung einzubinden. Dazu wollen Palm und IBM gemeinsam eine Reihe von Softwarelösungen für die Mitarbeiter von Unternehmen entwickeln.

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