Kooperation mit Inspekteuren nur formal
USA werfen Iran Täuschungsmanöver vor

Die USA lassen nicht locker. Der Iran befinde sich trotz aller Bekenntnisse zur Transparenz und friedlichen Nutzung der Atomenergie "auf dem selben Weg der Verweigerung und Täuschung", der die Uno-Inspektionen im Irak behindert habe. Das sagte John Wolf, Beauftragter des US-Außenministeriums, am Montagabend in Genf. Nach dem Irak steht neben Syrien und Nordkorea jetzt Iran im Visier der USA - aber auch Wissenschaftler und Geheimdienstler sorgen sich um Teherans Atompläne.

GENF/DÜSSELDORF. Für westliche Geheimdienste ist es nur eine Frage der Zeit: "Irans Nuklear- Programm zielt auf die Beherrschung des Brennstoffkreislaufes ab, einschließlich Urananreicherung und Brennstoffwiederaufarbeitung. Dies ist ein Alarmsignal," warnt der BND. Spätestens Ende dieses Jahrzehnts werde es so weit sein, sagt Vizeadmiral Lowell Jacoby von der US- "Defense Intelligence Agency".

Spätestens im nächsten Jahr will Teheran in Buschehr das erste KKW in Betrieb nehmen. In zwanzig Jahren sollen fünf Reaktoren mit einer Leistung von 6 000 Megawatt hinzukommen. Daher fragen Abrüstungsexperten, weshalb der zweitgrößte Erdölexporteur der Opec Atomreaktoren braucht, wenn er keine militärischen Absichten verfolgt. Dagegen sagt Präsident Mohammed Chatami immer wieder, die Nukleartechnik diene nur der zivilen Nutzung, der Abstützung der Energieversorgung und der Wirtschaftsentwicklung.

Um das zu beweisen, arbeitet Iran mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zusammen, zeigte ihr aber bis vor kurzem nur den Reaktor von Buschehr. Andere Nuklearanlagen wurden verheimlicht. Doch schon im August 2002 berichtete eine iranische Widerstandsgruppe, der "National Council of Resistance of Iran" (NCRI) von Geheimprojekten. Eine Urananreicherungsanlage entstehe in Natanz, eine Schwerwasserfabrik bei Arak. Der 100 000 Quadratmeter große Komplex in Natanz umfasse zwei Hallen, Büros und Gaszentrifugen. Was offiziell als "Projekt zur Begrünung" der Wüste gilt, sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Atombombe. Zudem baut der Iran seit 1996 an einer Schwerwasserfabrik in der Nähe von Arak. Die Existenz dieser Anlagen wurden durch Satellitenbilder bestätigt, die CNN zeigte.

Die Anlagen verstoßen zwar nicht gegen den Atomwaffensperrvertrag. Aber "sowohl Größe als auch Art der Anlagen widersprechen der Behauptung Teherans, die Kernenergie für friedliche Zwecke zu nutzen", sagt der israelische Ex-Geheimdienstler Dany Schoham. "Iran ist auf dem Weg zur Atombombe", urteilt David Albright vom Washingtoner Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit.

Teheran konterte mit einer Informationsoffensive. Im September meldete sie der IAEA die Urananreicherungsanlage. Chatami vertraute der IAEA zudem an, der Iran würde bei Jasd Uran abbauen, das in zwei Atomanlagen (Isfahan und Kaschan) angereichert werden soll. Zuletzt kündigte er an, sein Land wolle "den kompletten Urankreislauf selber kontrollieren" und lud IAEA-Chef Mohammed el Baradai nach Natanz ein. Doch der entdeckte Beunruhigendes: 164 funktionierende Zentrifugen, sowie Teile einer größeren Anreicherungsanlage. Der Iran sei in der nuklearen Anwendung weiter gekommen als angenommen, sagte el Baradei. Dabei darf die IAEA nur sehen, was der Iran zulässt: Keinen Zutritt hat sie zu den führenden Nuklearinstituten wie Isfahan und zum Nervenzentrum der nuklearen Aufrüstung, die Scharif University of Technology.

Das Streben nach der Atombombe macht für Teheran aus sicherheitspolitischen Gründen Sinn: Seit Amerika den Irak besetzt, stehen US-Soldaten an der Grenze; die Atommächte Russland, Pakistan und Indien liegen nahe. Seit Mitte der 90er Jahre kann die mutmaßliche Atommacht Israel mit ihren Jets Teheran erreichen.

Im Gegensatz zum Irak setzt der Iran aber auf Kooperation. "Der Iran betrügt nicht - und gerade das ist das Problem", sagt Henry D. Sokolski vom "Nonproliferation Policy Education Center". Seit Teheran 1970 den Vertrag zur Nichtverbreitung von Atomwaffen unterschrieb, wurde das Land nicht vertragsbrüchig. Aber die Regierung nutzt Schlupflöcher: Es sei "durchaus möglich, dass Einrichtungen der Kontrolle entgehen, über die nicht berichtet wird", räumt ein IAEA-Sprecher ein. Diese Lücken sollen durch ein Zusatzprotokoll über schärfere internationale Kontrollen gestopft werden - was Teheran ablehnt. "Die Ayatollahs", so ein Geheimdienstler, "unterschreiben eben nichts, das sie zum Lügen zwingen würde".

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