Kooperation mit kanadischem Biotechkonzern
Merck erleidet Rückschlag in Krebssparte

Die Krebssparte des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck hat nach dem Scheitern des Brustkrebsmittel Theratope einen Rückschlag erlitten. Das Produkt habe in der zulassungsrelevanten Phase III der klinischen Studie die Überlebensrate für Frauen mit metastasierendem Brustkrebs statistisch gesehen weder verbessert noch die Krankheitsausbreitung verlangsamt, teilte das im MDax gelistete Unternehmen am Dienstag mit.

Reuters FRANKFURT. Bei einigen Patientinnen, die sich zuvor einer Chemotherapie und Hormonbehandlung unterzogen haben, scheine sich jedoch eine positive Tendenz zu einer verbesserten Überlebensdauer abzuzeichnen. Diese Ergebnisse sollen mit den Zulassungsbehörden erörtert werden. "Bis zur endgültigen Auswertung der Daten wollen wir die laufenden klinischen Studien mit Theratope fortsetzen, ehe wir über weitere Schritte entscheiden", hieß es in der Mitteilung.

Besondere Bedeutung für Merck

Für das gemeinsam mit dem kanadischen Biotechnologieunternehmen Biomira entwickelte Produkt sollte ursprünglich nach erfolgreichem Abschluss der klinischen Tests Ende 2003 oder Anfang 2004 die Zulassung beantragt werden. Die Entwicklung von Krebsmedikamenten ist für Merck von besonderer Bedeutung, da sich das Unternehmen in der Arzneimittelforschung auf die Krebstherapie ausgerichtet und andere Entwicklungsprojekte eingestellt hat. Merck kämpft wie andere Pharmaunternehmen mit einem Mangel an innovativen Produkten und der Konkurrenz durch Nachahmerprodukte.

Merck war im vergangenen Jahr eine Kooperation mit Biomira zur Weiterentwicklung und Vermarktung von Theratope eingegangen. Merck und Biomira hatten beschlossen, die klinische Prüfung von Theratope fortzusetzen, nachdem ein unabhängiges Expertengremium keinerlei Bedenken bei der Verträglichkeit des Mittels hatte. Im Falle einer US-Zulassung wollten die beiden das Krebsmittel in den USA gemeinsam vermarkten. Außerhalb Nordamerikas hält Merck die exklusiven Marketing- und Entwicklungsrechte, mit Ausnahme von Israel und Palästina.

Analysten: Zielverfehlung bei Theratope herber Rückschlag

Analysten des Bankhauses Sal Oppenheim stuften Merck nach der Bekanntgabe des Studienergebnisses auf "Underperformer" von zuvor "Outperformer" herunter. Das Scheitern des Impfstoffes sei ein Rückschlag für die Krebssparte von Merck, begründeten die Experten ihre Empfehlung. Bernd Schnarr, Analyst bei der WGZ-Bank, sagte: "Das ist sehr schade für Merck, zumal Brustkrebs so ein großes Erkrankungsgebiet ist." Und Merril Lynch Analyst Andreas Schmidt kommentierte: "Das ist ganz klar negativ." Die Forschung auf dem Gebiet sei immer als risikoreich bewertet worden. "Aber es war ein Joker für Merck, der bei Erfolg Jahresspitzenumsätze bis zu einer Milliarde Dollar hätte erzielen können," sagte Schmidt.

Erbitux weiter hoffnungsvolles Produkt

Gegenwärtig hat Merck kaum Produkte in Vorbereitung für die Marktzulassung. Als hoffnungsvollstes Produkt gilt das Krebsmittel Erbitux. Das Unternehmen hatte am 1. Juni die Daten einer Studie vorgestellt, derzufolge Erbitux zu einer deutlichen Rückbildung von Tumoren bei Darmkrebs führt. Merck rechnet in seinen Lizenzgebieten bei Erbitux mit jährlichen Spitzenumsätzen von 250 bis 500 Millionen Euro. "Ob diese peak sales wirklich erreicht werden können, sei mal dahin gestellt", sagte Schnarr, da auch andere Unternehmen an ähnlichen Produkten arbeiteten.

Merck hatte zuletzt mit dem Herzkreislauf-Medikament Concor 1986 ein innovatives Produkt auf den Markt gebracht. Der einstige Verkaufsschlager der Pharmasparte, das Diabetes-Mittel Glucophage, büßte seit dem Patentablauf auf Grund von Nachahmerkonkurrenz einen Großteil seiner Umsätze ein. Merck hatte zudem jüngst die Entwicklungsprojekte dreier Diabetes-Produkte eingestellt. Auch die Entwicklung eines Anti-Depressivums gemeinsam mit dem britischen Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline sei beendet worden.

Die Merck-Aktie lag am Mittag 5,26 Prozent im Minus bei 27,24 Euro.

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