Kooperation mit schwedischem Börsenbetreiber OM – OTC-Markt soll neues Wachstum bringen
Londoner Börse setzt auf Derivate

Die LSE will mit dem schwedischen Börsenbetreiber OM ein lukratives Geschäftsfeld erschließen. Sie peilt den Handel von Derivaten ohne Beteiligung der Börse an. Der Markt ist skeptisch.

fs LONDON. Eine Kooperation mit dem schwedischen Börsenbetreiber OM soll der Londoner Börse (LSE) helfen, an europäische Konkurrenten verlorenes Terrain zurück zu erobern. Wie die nach dem Kassavolumen größte europäische Börse gestern ankündigte, schaffen LSE und OM ab dem zweiten Quartal 2003 einen "internationale Markt für Aktien-Derivate".

Geplant ist dreierlei: In einem ersten Schritt übernimmt die zu diesem Zweck gegründete EDX London das Geschäft mit Aktienderivaten, etwa Optionsscheinen, der bisherigen OM London Exchange. -Tochter Zu diesem Geschäftsfeld gehören die von London aus gehandelten skandinavischen Aktienderivate. An der künftigen EDX London wird die LSE 76 % halten, die restlichen 24 % gehen an OM. Die Londoner Börse zahlt für ihren Anteil gut 18 Mill. Pfund an OM.

Als zweiten Schritt will die EDX London für alle ohne Beteiligung der Börse gehandelten Aktienderivate - so genannte Over the Counter (OTC)-Geschäfte - einen Bestätigungs- und Clearing-Service einrichten. Dazu benötigt die künftige Börsen-Tochter jedoch die Hilfe des London Clearing House (LCH), das die Verrechnung gewährleisten soll und eine Garantie abgibt, dass der Handel auch zu Stande kommt (Zentrale Gegenpartei). Angeboten wird der Service zunächst für die 84 Mitglieder-Firmen der bisherigen OM London Exchange. In einem dritten Schritt versucht die Londoner Börse, die Plattform um weitere Teilnehmer und zusätzliche Dienstleistungen erweitern. Die LSE verfügt über 292 Mitgliedsinstitute.

Die Londoner versuchen mit diesem Schritt erneut, in das zukunftsträchtige Geschäft mit Derivaten einzudringen. Die europäischen Konkurrenten Deutsche Börse (mit ihrer Tochter Eurex) und Euronext (mit ihrer Tochter Euronext-Liffe) sind weit entrückt. Während die Eurex ihre Gewinne vor allem aus dem Geschäft im längerfristigen Zinsbereich wie dem Bund Future erwirtschaftet, kommt die Liffe vor allem mit Geldmarktprodukten zu ihren Gewinnen. Beide bieten eine breite Palette von Aktien- und Index-Derivaten an.

Der LSE-Kurs reagierte deutlich negativ, und auch die Analysten waren skeptisch: "Das Ganze ist ein Eingeständnis dessen, dass die LSE bei der Liffe-Übernahme versagt hat", brachte der Analyst einer renommierten Investmentbank seine Kritik auf den Punkt. Statt die Anstrengungen auf eine schwedische Kooperation mit einer "ertragsneutralen Auswirkung" zu konzentrieren, wie die LSE selbst einräumte, hätte sie mit der Liffe nun schon in neue Dimension vorstoßen können. Die Liffe war im Oktober vergangenen Jahres nach einem Übernahmekampf an den Konkurrenten Euronext verkauft worden.

Die LSE weist auf ein riesiges Potenzial des OTC-Marktes hin. Mit einem Volumen von 700 Mrd. erreiche der Handel mit Aktien-Derivaten ungefähr das Doppelte des Volumens der Börse. Bei der jetzigen Kooperation sagte London dennoch so gut wie nichts über ihre Erwartungen oder Prognosen. Auf die mögliche Frage, warum das London Clearing House als eigentlicher Anbieter des Verrechnungs- Service nicht langfristig die EDX London aus ihrer Rolle als Informations-Dienstleister herausdrängen sollte, verwies die Börse auf ihren "technischen Standard", den das LCH nicht leisten könne. Bei ihr klang das freilich etwas anders: "Keine Kooperation besteht für immer."

An der 1989 gegründeten OM London Exchange werden derzeit täglich rund 60 000 Kontrakte gehandelt. Das entspricht etwa 25 % des Volumens der schwedischen Aktienderivate, es gibt auch eine Kooperation mit der norwegischen und dänischen Börse. Im vergangenen Jahr bezifferte OM London Exchange den Umsatz auf 10,6 Mill. Pfund. Die Konkurrenz bei der Liffe kommt nach eigenen Angaben in London bei Aktien-basierten Produkten auf 66 600 Kontrakte pro Tag. Schätzungen von Analysten gehen von einem Einnahmenstrom allein aus diesem Geschäftsfeld von 40 Mill. Pfund aus.

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