Kooperation mit Taiwanesen bringt Halbleiter-Hersteller voran
Analyse: Erfolg für Infineon-Chef Schumacher

Die vergangenen Wochen waren nicht leicht für Ulrich Schumacher: Zuerst präsentierte der Vorstandsvorsitzende von Infineon den entsetzten Aktionären einen Milliarden-Verlust für das Geschäftsjahr 2001. Dann scheiterten die praktisch abschlussreifen Verhandlungen über eine Kooperation mit dem japanischen Chip-Produzenten Toshiba.

Auf der Hauptversammlung Anfang des Jahres musste sich der Manager schließlich böse Kritik an seiner Personalpolitik und den Massenentlassungen gefallen lassen. Damit noch nicht genug: Niedrige Chip-Preise verbauten jede Aussicht auf bessere Zahlen.

Seit gestern kann Schumacher nun wieder etwas zuversichtlicher nach vorne blicken. Endlich hat er die dringend benötigten Partner für seinen defizitären Speicherchip-Bereich gefunden. Dabei ist es Schumacher gelungen, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Durch die Kooperation mit Winbond sinken die Entwicklungskosten pro Chip, weil auf Basis der Infineon-Technologie mehr produziert wird.

Darüber hinaus steigt Infineons Marktanteil, da die Deutschen exklusiven Zugriff auf die Winbond-Produktion haben. Zusätzlich bekommt Infineon einen größeren Anteil vom Ausstoß des Gemeinschaftswerks mit Mosel Vitelic. Beide Vereinbarungen sollten dazu beitragen, dass der Speicherchip-Bereich künftig wesentlich profitabler wird.

Doch auch das Marktumfeld macht Schumacher das Leben momentan leichter als zuvor. Analysten gehen davon aus, dass die Auslastung der Chip-Fabriken weltweit in den nächsten Monaten wieder merklich steigen wird. Die Nachfrage klettert und einige ältere Fabriken wurden bereits geschlossen. So stiegen die Preise schon kräftig und nähern sich den Produktionskosten.

Wenn die Münchener die Produktivität wie geplant hochschrauben, werden sie bald beim gegenwärtigen Preisniveau wieder Geld verdienen. Experten sprechen bereits jetzt davon, dass 2002 ein gutes Jahr für die Branche werden könnte.

Doch Schumacher muss sich nicht allein auf die äußeren Umstände verlassen. Der Hobby-Rennfahrer kann womöglich sogar noch einen Gang hochschalten: Schumacher verhandelt noch immer mit einem weiteren taiwanesischen Chiphersteller über eine Kooperation. Sollte es neben Winbond und Mosel Vitelic auch zu einer Einigung mit Nanya Technology kommen, würde dies die Position auf dem Speicherchip-Markt zusätzlich stärken. Die lange angepeilten 20 Prozent Marktanteil scheinen jedenfalls in greifbarer Nähe.

Wenn die Preise auf dem Speicherchip-Markt und in den anderen Geschäftsbereichen von Infineon nicht dramatisch fallen, könnte sich die frühere Siemens-Tochter im laufenden Jahr schneller als erwartet aus den tiefroten Zahlen verabschieden.

Gewiss, auch bei höherem Volumen wird Infineon im Speicherchip-Geschäft immer mit starken Markteinbrüchen leben müssen. Je stärker sich die Firma in diesem Bereich engagiert, umso stärker ist sie sogar von den enormen Ausschlägen betroffen. So wie sich das Unternehmen gegenwärtig aufstellt, sollte es aber gelingen, den nächsten Abschwung wesentlich besser zu meistern als die zu Ende gehende Baisse.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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