Kooperation schon seit längerem Thema
Gespräche zwischen Infineon und Toshiba kommen voran

Der Münchener Chipproduzent Infineon Technologies AG und der japanische Konzern Toshiba kommen bei den Gesprächen über einen Zusammenschluss ihrer Speicherchipgeschäfte offenbar gut voran. Die Verhandlungspartner hätten sich in wichtigen Details des Produktsortiments und der Produktionstechnologie geeinigt, hieß es aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen.

Reuters MÜNCHEN. Hauptknackpunkt sei aber immer noch, ob sich Infineon an den Restrukturierungskosten bei Toshiba beteiligen solle. Infineon-Chef Ulrich Schumacher lehnt einen Deal, der die Liquidität des Konzerns verschlechtert, klar ab. Eine Entscheidung erwartet er bis Ende des Jahres.

Infineon und Toshiba verhandeln schon seit einiger Zeit über eine Kooperation bei der Produktion von Speicherchips, den so genannten DRAMs. Die Halbleiter-Hersteller kämpfen mit der schwersten Krise in der Geschichte der Branche. Die Preise für Speicherchips liegen schon seit Wochen unter den Herstellungskosten, so dass die Konzerne in der laufenden Produktion Verluste schreiben.

Die beiden Konzerne seien sich einig, dass vor allem in die Produktion von effizienteren Speicherchips investiert werden sollte, hieß es in den mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Auch bei der Produktionstechnologie seien wichtige Fragen geklärt. "Sie haben Fortschritte gemacht und sind ernsthaft an einer Einigung interessiert", hieß es. Infineon investiert Milliarden-Beträge in den Aufbau eines neuen Werkes in Dresden, das mit der neuen 300-Millimeter-Technologie operiert, die die Kosten der Chipproduktion um 30 % senkt. Die Serienproduktion in Dresden soll im nächsten Jahr starten. Toshiba produziert weiter mit der 200-Millimeter-Technologie.

Streit um Restrukturierungskosten

Hauptstreitpunkt in den Gesprächen ist aber offenbar die Finanzierung der Restrukturierungskosten, die im Speichergeschäft von Toshiba anfallen werden. Während Toshiba-Chef Tadashi Okamura in einem Interview mit dem "Handelsblatt" andeutete, dass sich ein möglicher Partner an den Kosten für den notwendigen Umbau der Sparte beteiligen müsse, sprach sich der Infineon-Chef klar dagegen aus: "Bei allem, was wir machen, wird es nichts geben, was unserere Cash- und Liquiditätssituation verschlechtert", sagte Schumacher der "Financial Times Deutschland". "Egal, wie toll das ist und wie fantastisch das auch strategisch wäre, das wird nicht stattfinden", fügte er hinzu. Seinen Angaben zufolge reichen die Finanzmittel des Konzern noch für rund zwölf Monate.

In Medienberichten war bereits in den vergangenen Wochen spekuliert worden, dass Infineon und Toshiba einer Einigung recht nahe seien. Demnach ist die Gründung von zwei Gemeinschaftsunternehmen im Gespräch - eines für DRAMs und ein zweites für Flash-Memory-Chips, die Infineon bisher noch nicht produziert. Dabei soll der Münchener Konzern die Mehrheit an dem DRAM-Joint-Venture und Toshiba 80 bis 90 % an der Flash-Memory-Firma übernehmen. Diese Konstruktion hat Infineon allerdings nie offiziell bestätigt. Zusammen kommen die beiden Konzerne auf 16 % des weltweiten DRAM-Marktes, hinter der südkoreanischen Samsung und dem US-Konzern Micron Technology mit jeweils 20 %.

Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" erwägt Infineon auch, eine Reihe von taiwanesischen Chipherstellern in die Kooperation miteinzubeziehen. Infineon spreche mit den Unternehmen Mosel Vitelic, Winbond und Nanya über eine Zusammenarbeit, hieß es. Diese Unternehmen produzieren aber schon teilweise im Auftrag von Infineon und Toshiba, sodass eine Zusammenarbeit bereits existiert.

Die Aktien von Infineon, die in den vergangenen Monaten herbe Kursverluste hinnehmen mussten, notierten am Freitag mit über ein Prozent im Plus bei 18,10 ?. Ein Rekordtief hatten die Titel Ende September mit 11,52 ? erreicht. Infineon will am 13. November seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegen.

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