Kooperation von SAP und MySQL
SAP steigt aus Datenbank-Geschäft aus

Der deutsche Software-Konzern SAP will sich aus seinem Datenbank-Business schrittweise ausloggen. Wie das Handelsblatt erfuhr, wird das Walldorfer Unternehmen am Montag eine Partnerschaft mit dem schwedischen Datenbank-Entwickler MySQL AB in Uppsala bekanntgeben. Demnach wird SAP die kommerziellen Rechte an seinem Datenbank-Produkt SAPDB an MySQL veräußern. Finanzielle Details wollten die Unternehmen nicht nennen. "Das Abkommen hat aber für beide Seiten große Vorteile", sagte MySQL-Chef Mårten Mickos dem Handelsblatt.

STOCKHOLM. Das Geschäft mit reiner Datenbank-Software ist für SAP seit längerem nur noch ein Randbereich, obwohl diese Programme die Grundlage der meisten betriebswirtschaftlichen Produkte des Unternehmens ausmachen. Der Konzern hat nach Schätzung von Experten nur "einige Tausend" Anwender von SAPDB. Das in Finnland gegründete, aber mittlerweile in Schweden ansässige Unternehmen MySQL ist dagegen einer der größten Open Source-Anbieter der Welt.

Open Source beinhaltet, dass der Nutzer kostenlosen Zugang zum Quellcode der Software hat und somit das Programm weiterentwickeln kann. Bekanntestes Beispiel einer Open Souce-Software ist das Computer-Betriebssystem Linux. Open Source-Software wird allerdings ohne Garantie oder Support vertrieben. Will der Kunde diese Sicherheit, muss er eine kostenpflichtige Lizenzversion wählen. "Wir haben etwa 4 Millionen Anwender unserer MySQL-Software", so Mickos. Rund Zweidrittel des Vorjahresumsatzes von 5 Mill. Euro stammten aus Lizenzeinnahmen der etwa 4000 zahlenden Anwender. "Im laufenden Jahr rechnen wir mit einer Verdoppelung des Umsatzes", sagte Mickos. Zu den Kunden des schwedischen Unternehmens zählen Yahoo, Google, aber auch BMW, Daimler Chrysler und die Lufthansa.

Die Kooperation von SAP und MySQL sieht vor, dass die Schweden SAPDB übernehmen und die Datenbank-Software unter dem Namen MySQL ab dem vierten Quartal dieses Jahres weltweit vertreiben werden. Der Kundensupport wird von beiden Unternehmen angeboten, wie MySQL-Chef Mickos bestätigt. Das ist besonders wichtig für viele mittelständische Unternehmen, die SAPDB in Deutschland anwenden.

SAP und MySQL wollen außerdem unter Federführung der Schweden die Datenbank-Software der nächsten Generation entwickeln. MySQL will SAPDB künftig sowohl in einer kostenlosen Version anbieten, aber auch kommerzielle Lizenzen verkaufen. Die Lizenz-Version ermöglicht es Unternehmen, eigene Produkte zu entwickeln und kommerziell zu vertreiben, die auf Grundlage von SAPDB entstanden sind.

Die Entscheidung von SAP, sich schrittweise aus dem Datenbank-Geschäft zurückzuziehen und mit dem weltweit führend Open Souce-Datenbanken-Entwickler MySQL zusammenzuarbeiten, ist auch ein Seitenhieb auf die Konkurrenten Microsoft, Oracle und IBM, die ihre Datenbank-Software noch immer zu hohen Preisen verkaufen.

Quelle: Handelsblatt

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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