Kooperationen sind wichtig
Radio aus dem Internet?

Nicht nur zum Surfen, Shoppen, Online-Banking, Chatten, Informieren, MP3-Files Herunterladen, Videos Schauen etc. soll das Internet gut sein. Auch Radio hören kann damit. Das Webportal Yahoo ist Anfang Dezember mit Yahoo FM gestartet und bietet nun ein eigenes 24 Stunden-Radioprogramm über das Web an. Ist das gute alte Radio - egal ob Kofferradio, Weltempfänger, Gettoblaster oder der High-End-Reciever - aus der Mode gekommen?

Von Ute Latzke Handelsblatt.com Das Radioprogramm wurde gemeinsam von Yahoo Deutschland und der Webcast Media Group entwickelt, wobei das Berliner Medienunternehmen das Programm herstellt und vermarktet. Kernzielgruppe sind die 18 bis 39-Jährigen, die in den Genuss einer bunten Mischung aus aktuellen Chartiteln sowie Titeln aus den 80ern, 90ern und Classic Rock kommen sollen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf schnellen Musikstücken. Das Programm wird zur vollen Stunde durch einen Nachrichten- und Wetterblock unterbrochen. Pro Stunde ergänzen zwei 90 Sekunden lange redaktionelle Beiträge das Angebot. Ein Beitrag beschäftigt sich mit tagesaktuellen, der zweite mit internetbezogenen Themen. Für Yahoo-Geschäftsführer Peter Würtenberger sind die Ausweitung der zeitunabhängigen Nutzungsgebühren (Flatrate) und schnellere Internetverbindungen wichtige Bedingungen für die Einführung des neuen Services. "Das Internet wird in Zukunft noch bunter, bewegter und lauter werden."

Den Saft abgedreht

Die Internetradio-Pläne von Olaf Kriewald, Vorstand der Cyberradio AG mit Sitz in Hamburg, sind hingegen mittlerweile geplatzt. Auf der Abschiedsseite des Internet-Radiosenders steht der Nachruf: "Wir danken allen Freunden und Fans von Cyberradio TV für das uns entgegengebrachte Interesse. Leider mussten wir den Sendebetrieb am 27. Oktober einstellen. Trotz intensiver Bemühungen hat sich in der Medienszene sowie in der Telekommunikationsbranche kein Unternehmen gefunden, das an einer Übernahme und Fortführung von Cyberradio TV interessiert war." Kriewald und Co-Vorstand Stefan Lecher wollten noch Anfang Oktober 50 % plus eine Aktie des Unternehmens via E-Bay versteigern. Das Angebot fand jedoch keine Interessenten. Gegen die Cyberradio AG läuft mittlerweile ein Ermittlungsverfahren, u. a. wegen Insolvenzverschleppung.

Internetradio ohne eine etablierte Marke funktioniert nicht

Ein Internet-Radiosender lässt sich nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der Webcast Media Group, Stephan Schwenk, nur unter einer bereits bekannten Marke erfolgreich etablieren. Er sehe keine Chance für ein Geschäftsmodell, das ausschließlich einen Internet-Radiosender betreibe. Einen neuen Radiosender aufzubauen, koste mehr Geld, als sich durch Werbung verdienen lasse. Das Internetradio "das Webradio" seines Unternehmens sei deshalb auch nur ein "Showcase". Ziel sei es, mit Partnern oder für Kunden zu produzieren - so wie die Webcast Media Group dies beispielsweise mit Yahoo umgesetzt hat.

Wettbewerbsvorteile beim Verkauf von Werbung?

Beim Verkauf von Werbung haben Internet-Radiosender laut Schwenk allerdings entscheidende Wettbewerbsvorteile gegenüber traditionellen Radiosendern. UKW-Sender ermittelten ihre Hörerzahlen durch zum Teil sehr ungenaue Umfragen. Im Internet könne dagegen exakt festgestellt werden, wie viele Nutzer einen bestimmten Spot gehört hätten. "Wir verkaufen tatsächliche Kontakte, keine Wahrscheinlichkeiten", schwärmt Schwenk. Außerdem ließen sich die Werbebotschaften personalisieren. "In Zukunft wird es möglich sein, Werbung gezielt auf bestimmte Altersgruppen oder geografische Regionen abzustimmen". Die Werbetreibenden wüssten im Internet genau, wie viele Hörer sie erreicht hätten.

Die Frage ist allerdings, ob sie dies so genau wissen wollen? 1,6 Millionen Surfer hören nach Angaben der Media Group pro Tag in Deutschland Internetradio. Diese Zahl könne bis zum Jahr 2005 auf 14 Millionen steigen. Nicht schlecht? Bei einer durchschnittlichen Nutzung von durchschnittlich 22 Minuten pro Tag kommen da doch eher Zweifel auf. Schwenk glaubt jedoch, dass bis zu 5 % der Werbeumsätze der Radiosender, die der Zentralverband der Werbewirtschaft für 1999 auf 1, 3 Mrd. DM beziffert, in Zukunft auf das Internet-Radio entfallen könnten...

Kosten für Werbespots im Internetradio

Auf der Seite Mediadaten vom Webradio werden die Gebühren für einen Werbespot pro Sekunde aufgelistet. Da kann eine Sekunde zu den Hauptsendezeiten zwischen 12.00-16.00 Uhr, 16.00-20.00 Uhr oder 20.00-24.00 Uhr durchaus 17,60 DM kosten und ein Spot von 30 Sekunden Länge 528,- DM einbringen. Aber was sind schon 1056,- DM pro Minute durch stündliche Werbung angesichts der Personal-, Hardware- und Providerkosten? Um möglichst viele Computer zu erreichen, müssen Internetradio-Anbieter nämlich ein Netz aus leistungsstarken Rechnern knüpfen - das ist teuer. Außerdem ist die Abrechnung der Gema-Gebühren auch noch nicht geklärt. Und pro Spot kann nur ein Anbieter werben - auch die personalisierte Werbebotschaft kann daran nicht wirklich etwas ändern.

Darüber hinaus sind die Providergebühren für das Internet im Vergleich zu den GEZ-Gebühren - sofern sie überhaupt bezahlt werden -, immer noch viel zu teuer. Bei einer durchschnittlichen Nutzung von rund 22 Minuten kann das Radio den Nutzer lediglich bei seiner Surftour begleiten, das macht Sinn und wahrscheinlich auch Spaß. Ersetzen wird das Internetradio herkömmliches Radio im Moment aber kaum. Zumal der Nutzer nicht zwingend zur Werbezeit auf Surftour ist, so dass die Werbeeinblendungen die Zielgruppe zum Teil verfehlen.

Internetradio als Zusatznutzen

Claudia Strixner, Pressestelle Yahoo Deuschland, betont im Gespräch mit Handelsblatt.com, dass Yahoo FM das Radio-Angebot als einen weiteren kostenlosen Service für den Nutzer betrachtet - eine Ergänzung des bunten Angebots von Yahoo. An eine Refinanzierung denke man im Moment keinesfalls. Der Markt sei zwar durchaus interessant, jedoch bestünden noch keinerlei Prognosen oder konkrete Umsatzplanungen. Der Unterhaltungsbereich spiele laut Marktforschung eine immer bedeutendere Rolle. "Wichtig ist es deshalb, sich mit guten, kostenlosen Inhalten - ob in Textform, Video oder Audio bei den Usern zu profilieren", so Strixner. Bei Yahoo hat man gute Erfahrungen mit Kooperationen im Bereich Streamingtechnologie von Audio- und Videoinhalten gemacht. Vom heute-journal sind beispielsweise Video-Clips über das Internet ausgestrahlt worden. Außerdem besteht eine Kooperation mit dpa-afx in Form eines Börsenradios. Weitere Kooperationen sind in Planung.

Was ist Streaming?

Durch "Streaming" können Audio- und Video-Dateien bereits während der Übertragung - z.B. im Internet - angehört bzw. angeschaut werden - vorausgesetzt, die Datenmenge, die pro Sekunde übertragen werden muss, ist nicht höher als die Geschwindigkeit des Internetanschlusses. Beim Streaming muss also nicht abgewartet werden, bis eine Media-Datei komplett übertragen ist, bevor der Inhalt angehört bzw. betrachtet werden kann. Man spricht daher auch von Echtzeitübertragungen, da Daten ohne größere Zeitverschiebung wiedergegeben werden können.

Weitere Links

www.echtradio.de

www.radiowelle.de

www.hitfm.de

www.swr3.de

www.funkhaus.de/n1/webradio.asp

www.tv1.de



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%