Kooperationen und neue Handelssysteme sollen dem Eindringling aus Europa Paroli bieten
US-Börsen rüsten sich gegen Eurex

Die weltgrößte Terminbörse Eurex muss sich auf einen harten Wettbewerb einstellen, wenn sie zu Beginn des kommenden Jahres ihre Kooperation mit dem Chicago Board of Trade (CBOT) beendet und dann in den USA mit einer eigenen Terminbörse an den Start gehen wird.

FRANKFURT/M. Mit moderneren Strukturen und neuen Produkten sowie mit einer Konzentration der Kräfte versuchen die US-Terminbörsen ihre einst dominierende Stellung in der Welt zurückzugewinnen.

Die bis noch vor wenigen Jahren auf den als verstaubt geltenden Parketthandel schwörenden Börsen eifern inzwischen der europäischen Konkurrenz beim Einsatz vollelektronischer Handelssysteme nach. Eurex und Euronext hatten den Wettbewerbern in den USA nicht zuletzt auch deshalb den Rang abgelaufen, weil ihre als zeitgerecht und kostengünstig geltenden Computerbörsen-Modelle dem Bestreben der Banken nach Kosteneffizienz entgegenkamen. Zuvor hatten über beinahe 150 Jahre hinweg die US-Terminbörsen das Geschäft mit Finanz- und Rohstoff-Derivaten dominiert. Ende der vergangenen Dekade verloren sie ihre Stellung jedoch an die innovativeren Konkurrenten aus Europa. Zweifellos hat dies am Selbstbewusstsein genagt. Jetzt bereiten die Derivatemärkte in Chicago und New York eine Gegenoffensive vor.

"US-Börsen haben den technologischen Rückstand inzwischen aufgeholt", sagt David Krell, Vorstandschef der International Securities Exchange (ISE), der größten Optionsbörse in den USA. Der Modernisierungsprozess wird auch in neuen Eigentümerstrukturen der Börsen ersichtlich. Das verstaubte Modell der Mitgliederbörsen wurde weitgehend aufgegeben. Die Börsen haben sich zu gewinnorientierten Aktiengesellschaften gewandelt. Dass die neuen Konzepte akzeptiert werden, belegt der Erfolg der Chicago Mercantile Exchange (CME). Inmitten der schlimmsten Börsenbaisse seit vielen Jahrzehnten feierte die inzwischen größte Terminbörse der USA an der New York Stock Exchange vor einigen Monaten ein gelungenes Börsendebüt als Aktiengesellschaft.

Der harte Konkurrenzkampf zwischen Europa und den USA ist auch daran zu erkennen, dass einst bittere Rivalen wie die Chicago Mercantile Exchange und das Chicago Board of Trade beim Clearing (der Abrechnung und Abwicklung derivativer Finanzinstrumente) kooperieren. Nachdem der Versuch des CBOT zur Übernahme des Clearinghauses Board of Trade Clearing Corporation (BOTCC) scheiterte, entschloss sich die "Mutter aller Terminbörsen" zu einer Kooperation mit dem Rivalen CME. Die zunächst für fünf Jahre geltende Vereinbarung sieht vor, dass das Clearing von Kontrakten der beiden Derivate-Supergewichte ab Anfang 2004 über die gemeinsame Plattform mit der Bezeichnung CME-CBOT Common Clearing Link abgewickelt wird. "Dieser Zusammenschluss bringt den Maktteilnehmern erhebliche Kosteneinsparungen", begründet CBOT-Chairman Charles Carey diesen Schritt.

In Frankfurt und in Chicago ist jetzt die Rede davon, dass die BOTCC das Übernahmeangebot des CBOT nur deshalb zurückweisen konnte, weil man mit der Eurex bereits in weit fortgeschrittenen Verhandlungen sei. Immerhin entfielen bislang rund 90 % des Clearing- Volumens der BOTCC auf CBOT - Kontrakte. "Man lehnt ein lukrativ erscheinendes Übernahmeangebot nur dann ab, wenn man einen möglicherweise stärker erscheinenden Partner in der Hinterhand hat", sagte der Derivate-Chef einer führenden US-Investmentbank. Immerhin hätten CBOT und BOTCC seit mehr als 77 Jahren zusammengearbeitet. Die Eurex nahm zu den allgemeinen Spekulationen keine Stellung.

Quelle: Handelsblatt

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