Kooperationspartner gesucht
Net AG profitiert vom Internethunger der Unternehmen

Nach dem Technologietitel - Crash werden die Empfehlungen der Analysten vorsichtiger. Der Titel des Softwarehauses Net AG findet allerdings eine positive Bewertung. Der Grund: Das Unternehmen kann sein know-how über die Geschäftsprozesse von Unternehmen und das technologische Wissen im Bereich Netzwerke in das neue Geschäftsfeld Mobile Dienste gut einbringen.

HB KÖLN. Mit Internetunternehmen wird Stefan Immes, Vorstandsvorsitzender der Net AG äußerst ungern verglichen. Und das nicht nur, weil die derzeitigen Nachrichten von gefälschten Bilanzen und Cash-Burn-Rates die Anleger schocken. "Wir sind ein internetnahes Unternehmen, aber wir haben nicht die hohen Risiken eines reinen Internetunternehmens wie zum Beispiel Letsbuyitcom. Diese Unternehmen müssen wesentlich mehr Marketing betreiben, um ihre Marke zu etablieren.", meint der Unternehmer im Gespräch mit Handelsblatt.com. Die Net AG brauche dieses Markenimage - zumindestens bei den Endverbrauchern - nicht.

Die seit März am Neuen Markt notierte AG ist auf 3 Geschäftsfeldern tätig. Sie entwickelt Software für Geschäftsprozesse von Unternehmen, installiert Netzwerke und plant nun den Einsteig in mobile Mehrwertdienste. Mobile Internet- oder Mehrwertdienste heißt: Ein Unternehmen kommuniziert mit seinem Kunden per "Mobilem Endgerät". Dies sind derzeit noch überwiegend Handys, in Zukunft aber verbesserte Geräte mit mehr Funktionen und lesefreundlicherer Aufmachung. Inhalte der Dienste sind Fragen der Kunden oder etwa Marketingsmaßnahmen wie Gewinnspiele. Eingesetzt werden solche Dienste zur Kundenbindung in Bereich CRM (Customer Relationsship). Die Net AG bietet den Unternehmen die nötige Plattform dafür. Sie soll dafür sorgen, dass Anfragen richtig ankommen und die verschiedenen Netze und Geräte auch miteinander kommunizieren können. Dies ist eine teure Investitionen: 70 Mill. DM veranschlagt das Unternehmen für das nächste Jahr. Schwarze Zahlen sollen erst im dritten Jahr geschrieben werden. Finanziert wird das neue Geschäftsfeld aus dem derzeitigen Cash-Überschuß des operativen Geschäftes in Höhe von 70, 742 Mill. DM.

Mit mobilem CRM wird in Zukunft Geld verdient

Positiv werden sich die Erfahrungen des Unternehmen als Softwareentwickler auswirken, meinte der Analyst Markus Golinski von Sal.Oppenheim gegenüber Handelsblatt.com. Die Net AG hat für große, international tätige Unternehmen die Geschäftsprozesse EDV-technisch optimiert. Die Software der meisten Unternehmen ist produktorientiert und "weiß" zu wenig von den nachfolgenden Produktionsschritten. So implementiert die Net AG eine Software die den ganzen Prozess abbildet. So wird beispielsweise die Lagerhaltung optimiert. Die Kundenliste reicht von A wie Adidas über den Flughafen München, Otto, Obi, Ford, Miele, ProSieben,Sony bis zu Z wie Zott.

An den Lizenzen dieser Software verdiente das Unternehmen in der Vergangenheit gut. Trotzdem suchte die Net AG ein neues Geschäftsfeld, da das Wachstum nur proportional war. Mit einem neuen Softwareauftrag mußten auch zusätzliche Programmierer bezahlt werden, so dass gleichzeitg auch immer ein Kostenfaktor wuchs.

Schwächen liegen im Vertrieb

Für aussichtsreich halten die Analysten von Sal.Oppenheim, HSBC Trinkaus und "Wirtschaftswoche heute" daher das Angebot mobiler Mehrwertdienste. Hier verdient die Net AG automatisch an einer höheren Nachfrage mit, ohne dass die Kosten steigen. Markus Golinski von Sal Oppenheim empfiehlt die Aktie zum Kauf und setzt ein Kursziel von 14 Euro. Der Analyst sieht aber auch Risiken. Der Kapitalbedarf sei hoch und der Aufbau von mobilen Diensten erfordere hoch qualifizierte Kräfte - Manpower die jetzt schon auf dem hart umkämpften IT-Personalmarkt schwer zu finden ist. Als Stärken sieht er das erfahrene Management des Unternehmens und die Profitabilität der anderen Bereiche (Softwareentwicklung und Netzwerkaufbau). So lasse sich das Wachstum solide finanzieren.

Ob der Anleger dies genauso sieht, ist die Frage. Bisher haben die Ankündigungen dem Kurs nicht sehr geholfen. Den Anlegern fehlt hier vielleicht doch die große Marke.

Die Net AG selbst hat auch eine Schwäche ausgemacht: Den Vertrieb. Einen eigenen Vertrieb aufzubauen, würde 3-4 Jahre dauern - zu lange für ein Start-Up der New Economy. Daher kündigte der Vorstandschef heute die Kooperation mit einem neuen Partner an. Einen Namen wollte er nicht nennen. Nur soviel: Das Unternehmen hat einen bekanntem Markennamen und bietet daher den Zugang zu einem größeren Kundenkreis. Spekuliert wird über ein Unternehmen der Telekommunikationsbranche.

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