Koordinierte Freigabe strategischer Ölvorräte der Industrieländer nicht in Sicht
Opec will Preise durch Mehrproduktion drücken

Die Staats- und Regierungschefs der Opec versicherten in Caracas bei ihrem ersten Spitzentreffen seit 25 Jahren, dass sie die Ölpreise unter die Schwelle von 28 $ je Barrel (159 Liter) drücken wollten.

jsn/sce/abo/uhl DÜSSELDORF/BRÜSSEL/PARIS. Allerdings sorgte Venezuelas Präsident Victor Chavez für neue Irritation; er kündigte an, dass die Opec bei ihrer nächsten Ministerkonferenz am 12. November die bisher anvisierte Preisspanne von 22 bis 28 $/b heraufsetzen könnte. Opec-Präsident Ali Rodriguez warnte die Regierungen der Industrieländer, weitere strategische Ölvorräte freizugeben und damit die Ölpreise allzu stark unter Druck zu setzen.

Mit dem Anzapfen ihrer strategischen Erdölreserven haben die USA begonnen. Nun drängen die Niederlande, Spanien und Frankreich auf eine koordinierte Aktion in der EU. Deutschland, Großbritannien und Luxemburg haben sich schon dagegen ausgesprochen. Als ausgeschlossen gilt auch, dass die EU-Finanzminister morgen in Brüssel entsprechende Beschlüsse fassen. Die französische Präsidentschaft wolle dazu keine Initiative ergreifen, hieß es.

Die Bundesregierung lehnt nach Angaben des Wirtschaftsministeriums einen Verkauf der strategischen Reserven strikt ab. Denn es bestehe weder eine Notlage noch Versorgungsengpässe, erklärte ein Sprecher. Die strategischen Reserven in Deutschland belaufen sich auf 27 Mill. t Rohöl und Mineralölprodukte. Das entspreche einem Vorrat für 90 Tage. Neben der strategischen Reserve gebe es noch unmittelbar dem Bund gehörende 577 000 t aus der alten Bundesrohölreserve.

Die EU-Kommission schwankt noch in der volkswirtschaftlichen Beurteilung einer Freigabe der Reserven. Der Sprecher von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, Jonathan Faull, ließ auf Anfrage erneut offen, ob die Behörde gegenüber den Mitgliedsländern eine Handlungsempfehlung aussprechen wird.

Die nach der ersten Ölpreiskrise im November 1974 gegründete Internationale Energieagentur (IEA), die das Ölkrisenmanagement der westlichen Industrieländer koordinieren soll, kritisierte Vorschläge, die strategischen Ölreserven anzuzapfen. Dies sei "absolut unnötig", sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt. Für nächsten Mittwoch ist ein Treffen auf Regierungsebene der IEA-Mitglieder angesetzt. Dieses Treffen sei keine Krisensitzung, es sei eines von vier bis sechs regulären Zusammentreffen im Jahr.

"Wir wollen uns bei diesem Meeting eine Meinung über die gegenwärtige Lage an den Ölmärkten bilden und uns darüber austauschen, ob man etwas tun muss", stellte die Sprecherin der Energieagentur weiter heraus. Ihr Resümee: "Die IEA schätzt die Ölmarktlage derzeit jedoch nicht als kritisch ein."

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