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Kopf-an-Kopf-Rennen im US-Wahlkampf

Das Rennen um die US-Präsidentschaft zwischen dem Republikaner George W. Bush und seinem demokratischem Herausforderer John Kerry bleibt bis zuletzt offen. Die am Tag vor der Wahl veröffentlichten Umfragen signalisieren nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Präsident Bush und Kerry.

dpa WASHINGTON. Das Rennen um die US-Präsidentschaft zwischen dem Republikaner George W. Bush und seinem demokratischem Herausforderer John Kerry bleibt bis zuletzt offen. Die am Tag vor der Wahl veröffentlichten Umfragen signalisieren nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Präsident Bush und Kerry.

Der Senator aus Massachusetts hat aber laut der am Montag veröffentlichten Umfragen den leichten Rückstand zu Bush der vergangenen Wochen aufholen können. Insbesondere in einigen der rund ein Dutzend besonders umkämpften Schlüsselstaaten wie Florida, Ohio, Michigan, Wisconsin oder New Mexico habe Kerry sogar leicht in Führung gehen können.

Da nach dem US-Wahlsystem alle Wahlmännerstimmen der einzelnen Bundesstaaten dem jeweiligen Gewinner zufallen, kämpfen die Kandidaten vor allem um Staaten, in denen sie in der Wählergunst eng beieinander liegen. Die US-Bürger haben laut einer Befragung des renommierten Gallup-Instituts sinkendes Vertrauen in Bushs Fähigkeit, den Irakkrieg und den Kampf gegen den Terrorismus erfolgreich zu führen - bisher galten diese Themen als Stärken des Präsidenten. Nur noch 48 Prozent meinten, Bush mache seinen Job gut.

Bei der Abstimmung am Dienstag wird eine relativ hohe Wahlbeteiligung erwartet. Vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung bei 51 Prozent. Diesmal haben sich vorab deutlich mehr US-Bürger als Wähler registrieren lassen. Ungewöhnlich viele Bürger nutzten auch die Möglichkeiten früher Abstimmungen in einigen Bundesstaaten - zum Teil standen die Menschen in Florida bis zu drei Stunden vor den Wahllokalen, um abstimmen zu können.

Erfahrungsgemäß kommt eine höhere Wahlbeteiligung vor allem dem demokratischen Kandidaten zu Gute, weil dann auch viele Angehörige ethnischer Minderheiten abstimmen, die sonst traditionell eher politisch passiv sind. Für die Demokraten bleibt der unabhängige Kandidat Ralph Nader bedrohlich, der vor allem im linken und liberalen Wählerspektrum Stimmen sammelt und schon 2000 den damaligen demokratischen Kandidaten Al Gore nach Ansicht vieler Demokraten um den Sieg brachte. Nader wird laut der Umfragen von bis zwei Prozent der Wähler unterstützt.

Bis zuletzt dominierten die Themen Terrorismus und Irakkrieg die Wahlkampfauftritte von Bush und Kerry. Beide warben auch am letzten Tag vor der Wahl auf Veranstaltungen in Schlüsselstaaten um Stimmen. Bush hob seine "Führungsstärke und Entschlossenheit im Krieg gegen den internationalen Terrorismus" hervor.

Kerry kritisierte scharf den Irakkrieg und betonte, er werde mit neuen Allianzen und einer intelligenteren Politik im Irak Stabilität schaffen. Der Demokrat prangerte aber auch die hohe Staatsverschuldung, die Steuerlerleichterungen für die reichsten Amerikaner und die Probleme im Gesundheitswesen und auf dem Arbeitsmarkt an. Er forderte "einen Neuanfang für Amerika."

Die am Wochenende veröffentlichte Videobotschaft des Terroristenchefs Osama bin Laden habe nach Einschätzung von Meinungsforschern keine spürbare Wirkung auf die Wähler gehabt, berichtete die Zeitung "USA Today". Republikanische Funktionäre hatten darauf spekuliert, dass die indirekten Terrordrohungen Bin Ladens Bush zu Gute kommen würde.

Am Dienstag werden auch die 435 Abgeordneten im Repräsentantenhaus und 34 der 100 Senatoren neu gewählt. In beiden Häusern des Kongresses haben die Republikaner die Mehrheit. Zumindest im Abgeordnetenhaus scheint diese kaum gefährdet. In elf US-Staaten steht auch die Wahl eines Gouverneurs an.

Angesichts der befürchteten Probleme mit Wahlmaschinen und der Auseinandersetzungen um Wählerregistrierungen werden bei einem knappen Wahlausgang erbitterte juristische Auseinandersetzungen befürchtet. 2000 war Bush nach einem Wahlchaos in Florida und einer hauchdünnen Mehrheit von 537 Stimmen nach einem heftigen Rechtsstreit vom obersten Gericht zum Sieger erklärt worden. Beide Lager haben nun zehntausende von Juristen engagiert, die im Falle strittiger Ergebnisse eingreifen sollen.

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