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Kopf-an-Kopf-Rennen in der Ukraine

Bei der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine zeichnet sich eine äußerst knappe Entscheidung ab.

dpa KIEW. Bei der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine zeichnet sich eine äußerst knappe Entscheidung ab. Nach Auszählung von 71 Prozent der Stimmen lag der amtierende Regierungschef Viktor Janukowitsch um 1,4 Prozentpunkte vor dem Oppositionsführer Viktor Juschtschenko.

Die Wahlleitung in Kiew teilte für Janukowitsch ein Zwischenergebnis von 48,89 Prozent der Stimmen mit. Juschtschenko liege bei 47,46 Prozent. Der liberale Oppositionsführer rief seine Anhänger für Montagmorgen ab 9.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr MEZ) zu einer Demonstration auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew zusammen. Nach einem unerwarteten Besuch in der Wahlleitung in der Nacht warf er den Auszählern Fälschungen vor.

Die Staatsmacht habe im Wahlverlauf die drohende Gefahr einer Niederlage erkannt und "damit begonnen, massenhaft zusätzliche Stimmzettel einzuwerfen", sagte Juschtschenko. Nur so sei die "märchenhafte Wahlbeteiligung" in den ostukrainischen Gebieten Donezk (96 Prozent) und Lugansk (88 Prozent) zu erklären.

Alle Wählerbefragungen nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend hatten Juschtschenko in Führung gesehen. Bei der Auszählung in der Nacht schrumpfte der zunächst mitgeteilte Vorsprung für Ministerpräsident Janukowitsch immer weiter. Wie erwartet zeichnete sich eine deutliche geographische Spaltung bei der Stimmvergabe ab. Während der Westen und die Mitte der Ukraine für Juschtschenko votierten, erzielte Janukowitsch seine besten Ergebnisse in den an Russland orientierten östlichen und südlichen Landesteilen.

Die Stichwahl war von zahlreichen Fälschungsvorwürfen überschattet worden. Beide Lager beklagten, die andere Seite habe mehrfache Stimmabgaben einzelner Wähler ermöglicht. Im Wahlkampf hatte sich der Staatsapparat eindeutig zugunsten von Janukowitsch eingemischt.

Die Präsidentenwahl gilt als Richtungswahl für die Ukraine zwischen erweiterter Europäischer Union und Russland. Während der Reformer Juschtschenko sein Land an EU und Nato annähern will, pflegt sein Kontrahent Janukowitsch sehr enge Kontakte zu Russland.

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