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Kopf-an-Kopf-Rennen um die Fußball-WM 2010

Zürich (dpa) - Der Endspurt um die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wird zum Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Südafrika und Marokko.

Wenige Stunden vor der Entscheidung durch den Weltverband FIFA gingen die beiden aussichtsreichsten Kandidaten in Zürich auf völlig unterschiedliche Weise auf den letzten Stimmenfang. Südafrika bot eine Reihe von einheimischen Prominenten mit Nelson Mandela an der Spitze auf, um so die Emotionen der 24 Exekutivmitglieder zu wecken. Dagegen präsentierte Marokko vornehmlich ausländische Förderer und gab mit einer Millionen-Bürgschaft die Garantie ab, dass die FIFA im Falle des Zuschlages keinerlei finanzielle Risiken zu befürchten hat.

«Es wird zum Zweikampf kommen», prophezeite DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, dessen Stimme Südafrika gehören wird. Während im Lager der Europäer das Stimmenverhältnis mit 6:3 offensichtlich deutlich zu Gunsten des Kap-Staates ist und sich unter Afrikas Delegierten eine 2:2-Situation abzeichnet, ist die Lage in Asien sowie Süd- und Nordamerika offen. Für den Sieg ist die absolute Mehrheit notwendig, bei Gleichstand (12:12) entscheidet der Südafrika zugeneigte FIFA-Präsident Joseph Blatter. Während Tunesien seine Bewerbung offiziell zurückzog, stellen sich auch Ägypten und Libyen zur Wahl.

«Wir sind bereit, fähig und willens, diese historische Weltmeisterschaft auszurichten. Ihr, meine Freunde, habt es in der Hand», rief der 82-jährige Mandela den 24 FIFA-Funktionären in seiner leidenschaftlichen Rede zu. Die hauchdünne Niederlage gegen Deutschland vor vier Jahren, als im Rennen um die WM 2006 eine Stimme fehlte, erwähnte die von Präsident Thabo Mbeki angeführte und mit gleich drei Friedensnobelpreisträgern bestückte Delegation mit keiner Silbe. Und doch ließen die Südafrikaner durchblicken, dass sie sich an der Reihe wähnen.

Als erster aller Kandidaten hatte sich Marokko den FIFA - Exekutivmitgliedern gestellt. Der routinierteste aller Bewerber gab im vierten Anlauf aber eine enttäuschend nüchterne und hölzerne Vorstellung ab, bot mit Senegals Staatschef Abdoulaya Wade und dem früheren spanischen Ministerpräsidenten Felipe Gonzales wenig prickelnde Fürsprecher auf. «Sympathien kann man mit der Präsentation nicht gewinnen», kritisierte Franz Beckenbauer, ein Fürsprecher Südafrikas, die Nordafrikaner.

Ob allein die dargestellten Fakten die FIFA-Exekutive überzeugt, ist zweifelhaft, wenngleich diese Argumente stichhaltig sind. Marokko preist seine Infrastruktur, seine geographische Nähe zu Europa, sein Gesundheitssystem, seine geringe Kriminalitätsrate und vor allem seine finanzielle Unabhängigkeit. Von allen Kandidaten kalkuliert das Königreich mit den geringsten Eintrittspreisen und will trotzdem keinen FIFA-Zuschuss haben.

Zur Deckung des kalkulierten Defizits hat die Regierung bei einer Schweizer Bank 140 Millionen Euro hinterlegt. Die im Fall des Zuschlags üblichen FIFA-Zuwendungen will Marokko in einem Fond «Fußball ohne Grenzen» bündeln, aus dem Entwicklungsprogramme auf dem gesamten Kontinent finanziert werden sollen. «Wir sind der Schlüssel für eine erfolgreiche WM für ganz Afrika», meinte Bewerbungschef Sead Kettani.

40 Minuten erhielt jeder Kandidat, um letztmals seine Vorzüge zu präsentieren. Tunesiens Verbandschef Hamouda Ben Amman benötigte keine zwei Minuten, um einen Schlussstrich seines Landes unter das Thema WM zu ziehen. Weil die FIFA nach der leidvollen Erfahrung mit Japan und Südkorea vor zwei Jahren keine gemeinsame Kandidatur mit Libyen zulässt, stellen sich die Tunesier nicht zur Wahl. Ohnehin hätten sie wie auch der nordafrikanische Nachbar nach dem Bericht der FIFA-Inspektoren, die große Zweifel an der Durchführbarkeit in beiden Ländern geäußert hatten, keine Chance gehabt.

Dagegen wahrte Ägypten seine Außenseiterchance mit der originellsten Vorstellung. Doch auch die charmanten Worte von «Dr. Schiwago» Omar Sharif dürften kaum ausreichen, um die Wahl zu gewinnen.

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