Kopf-an-Kopf-Rennen um Ertragsperle
Heftiges Gerangel um Norisbank

Deutsche Banken haben bei internationalen Investoren einen schlechten Ruf. Doch beim Verkauf der Hypo-Vereinsbank-Tochter Norisbank hoffen gleich mehrere Institute aus dem Ausland auf den Zuschlag. Die kleine, aber feine Filialbank gilt als Ertragsperle und bietet einen guten Einstieg in den deutschen Markt.

HB MÜNCHEN. Kopf-an-Kopf-Rennen um die Ertragsperle der Hypo-Vereinsbank: Nach Informationen aus Münchener Bankkreisen sind die Royal Bank of Scotland (RBOS), der spanische Bankkonzern BBVA, die britische HSBC und die zur niederländischen ING-Gruppe zählende Diba im Bieterkampf um die Norisbank eine Runde weitergekommen. Als einziges rein deutsches Institut ist auch die Postbank noch mit von der Partie. Damit hat sich der Kreis der potenziellen Erwerber auf fünf bis sechs Banken reduziert.

Die Gebote liegen den Informationen zufolge über 400 Mill. Euro. Die Gespräche werden jetzt individuell fortgesetzt, und den verbliebenen Banken wird ein tieferer Einblick in die Geschäftszahlen der Norisbank gewährt. Die Bieter sollen so besser einschätzen können, ob ihre Pläne und Ziele zu realisieren sind. In die entscheidende Verhandlungsrunde sollen ein bis zwei Institute einziehen. Der endgültige Zuschlag wird noch im Sommer erwartet. Hypo-Vereinsbank und Norisbank wollten keine Stellungnahme abgeben.

Zum Ende der Gebotsfrist am vergangenen Freitag hatte es noch mehr als zehn Bewerber gegeben. Ausgeschieden sind die französische BNP Paribas und die Halifax Bank of Scotland (HBOS). Auch die Citibank, die vereinzelt als Interessentin genannt worden war, steht den Informationen zufolge nicht mehr auf der Liste.

Bei der Auswahl des Käufers wird auch die Norisbank ein Wort mitzureden haben. Wichtigstes Kriterium sei natürlich die Höhe des Kaufpreises, hieß es. Ein Unterschied im niedrigen zweistelligen Millionenbereich gelte aber als "überbrückbar", wenn der Bewerber für die Norisbank besondere strategische Vorteile bringe, hieß es in den Bankenkreisen. Für Hypo-Vereinsbank-Chef Dieter Rampl ist die Auktion damit bisher sehr gut verlaufen. "Während die Postbank auf Synergien im Inland setzt, hoffen die Auslandsbanken auf den Marktzutritt in Deutschland. Dafür wollen sie "eine strategische Prämie zahlen", berichtet ein Bankmanager. Deshalb sei es nicht ausgeschlossen, dass der Zuschlag bei deutlich über 400 Mill. Euro erfolgt.

Die Nürnberger Norisbank gehört mit ihren 500 000 Privatkunden zu den ertragskräftigsten deutschen Banken. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern lag im ersten Quartal dieses Jahres bei 35,9 %. Für jeden Euro Ertrag fielen Kosten von 61 Cents an. Das sind deutlich bessere Kennziffern als bei den privaten Großbanken in Deutschland. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre soll die Rendite auf über 50 % steigen und die Kosten-Ertrags-Relation unter die Marke von 50 % sinken, kündigte Noris-Bank-Chef Theophil Graband an. Kernprodukt des Instituts ist der standardisierte Ratenkredit "Easy Credit". Von den gesamten Forderungen an Kunden in Höhe von 2,5 Mrd. Euro entfielen in 2002 rund 2 Mrd. Euro auf diesen "Markenartikel". Über die Hälfte der Ratenkredite zwischen 1000 und 75 000 Euro werden über Filialen vertrieben, der Rest über das Internet und die bislang zwölf Partnerbanken, zu denen auch Institute aus dem genossenschaftlichen Sektor gehören.

Zuletzt hatte die Diskussion um den neuen Eigentümer die Verhandlungen mit neuen Partnern belastet. Die künftige Expansionsstrategie der Norisbank basiert auf einem neuen Filialtyp mit nur einem Arbeitsplatz ohne Kasse in Ballungszentren mit mindestens 100 000 Einwohnern. Graband hofft, dass der neue Eigentümer seine Strategie unterstützt und die Gewinne im Unternehmen lässt, um die Kapitaldecke zu stärken. Die Kernkapitalquote der Norisbank beträgt nur magere 4,6 %. Die bereits 2002 deutlich aufgestockte Risikovorsorge dürfte in den kommenden Jahren verstärkt werden, da die höheren Pfändungsfreigrenzen und die EU-Verbraucherkreditrichtlinie neue Unwägbarkeiten mit sich bringen.

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