Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Rot-Grün
Hamburger SPD wittert Siegchancen

Der Hamburger Wahlkampf geht in die Zielgerade. Gut eine Woche vor der Wahl am 29. Februar festigt sich in der SPD die Überzeugung, dass es eine reale Chance gibt, nach zwei Jahren Opposition künftig wieder den Bürgermeister zu stellen - und das, obwohl Spitzenkandidat Thomas Mirow im direkten Duell gegen den CDU-Amtsinhaber Ole von Beust nach wie vor schlecht abschneidet.

DÜSSELDORF. Auf die Frage, wen sich die Hamburger als Bürgermeister wünschen, nennen nach einer neuen Infratest-Umfrage 59 Prozent von Beust und nur 24 Prozent den oft als dröge und unnahbar gescholtenen Mirow. Gewählt wird aber nicht der Spitzenkandidat, sondern die Parteiliste - und hier sagen die Prognosen ein äußerst knappes Rennen voraus: Infratest sieht derzeit 43 Prozent für Rot-Grün, Forsa sogar 44 Prozent - die CDU liegt beiden Meinungsforschungsinstituten zufolge bei 45 Prozent. Der Vorsprung der Union vom Beginn des Wahlkampfs ist damit nahezu abgeschmolzen.

An der SPD-Spitze beteuert man zwar, die Siegeszuversicht sei von Anfang an groß gewesen - an der Basis hört man aber andere Töne: Die Motivation der SPD-Anhängerschaft sei erst in den letzten Tagen spürbar gestiegen, heißt es etwa bei der SPD Altona. Wichtig sei vor allem der Wechsel an der SPD-Spitze von Gerhard Schröder zu Franz Müntefering gewesen: "Das war schon ein Befreiungsschlag." Und die steigenden Umfrageergebnisse beflügelten die Motivation zusätzlich: "Man weiß, es gibt was zu gewinnen."

Beim potenziellen Koalitionspartner, der Grün-Alternativen Liste (GAL), betrachtet man diese Entwicklung mit Wohlgefallen: "Jetzt kommt neue Spannung rein in die Endphase", sagt die Landesvorsitzende Anja Hajduk. Von der Mobilisierung des SPD-Wählerpotenzials hänge alles ab für Rot-Grün: "Die CDU hat ihr Potenzial schon weitgehend ausgeschöpft, die SPD mit Sicherheit noch nicht." Die Grünen sind auch deshalb guten Mutes, weil sie den Umfragen zufolge mit 14 Prozent rechnen können. "Es sieht so aus, als könnten wir die Verluste der SPD kompensieren", sagt Parteivize Jens Kerstan.

Auch die SPD ist sich allerdings bewusst, dass es eine große Unbekannte gibt bei allen gegenwärtigen Wahlprognosen - und das ist das Abschneiden des skandalumwitterten Ex-Innensenators Ronald Schill und seiner neuen Truppe Pro-DM. In den Umfragen liegt er bei 4 Prozent und damit knapp unter der Fünf-Prozent- Hürde. 1999 hatte noch jeder fünfte Hamburger Schill gewählt - und wie diese Wählerschicht sich in der Kabine entscheidet, weiß kein Mensch zu sagen. In Mirows Team macht man sich keine Illusionen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Schill es noch einmal schafft, sei "relativ hoch", sagt Mirows Schatten-Sozialsenator Mathias Petersen.

Dann wäre die absolute Mehrheit für die CDU rechnerisch ebenso dahin wie die rot-grüne Regierungsbildung. Für die Union bliebe die Hoffnung, dass die FDP den Wiedereinzug in die Bürgerschaft schafft, sie liegt ebenfalls bei 4 Prozent - diese Hoffnung schätzt aber niemand als sehr groß ein. Die Konsequenz wäre eine große Koalition: Die SPD sei bereit, den Juniorpart zu übernehmen, hat Mirow bereits erklärt.

Rechnerisch gäbe es aber noch eine andere Option, die für erhebliche Unruhe durch alle Parteien sorgt: Ein Bündnis zwischen CDU und Grünen. Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag und frühere Hamburger Spitzen-Grüne Krista Sager hatte kürzlich erklärt, sie schließe ein solches schwarz-grünes Modell nicht aus. In Hamburg wiegelt man aber ab: Man halte sich zwar "offen, Gespräche zu führen", sagt Hajduk. "Aber ob und wie die zu Stande kommen, liegt nicht nur an uns." Die Sympathien zwischen der CDU und der im linken Spektrum angesiedelten GAL sind jedenfalls gering. "Wir machen mit den Differenzen zur CDU Wahlkampf - nicht mit den Gemeinsamkeiten."

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