Kopfstoß-Affäre: Dortmund schmeißt Oliseh raus

Kopfstoß-Affäre
Dortmund schmeißt Oliseh raus

Borussia Dortmund hat gegen seinen zuletzt an Liga-Konkurrent VfL Bochum ausgeliehenen Spieler Sunday Oliseh eine außerordentliche Kündigung aller vertraglichen Beziehungen ausgesprochen. Dies teilte der Fußball-Bundesligist am Freitag mit.

HB DORTMUND.Zuvor hatten sich bereits Bochum und der 29 Jahre alte Nigerianer auf eine Aufhebung des bis 30. Juni datierten Vertrages geeinigt. Mit dem BVB hat Oliseh, dessen Rechtsanwalt Norbert Nasse juristische Schritte gegen die Dortmunder ankündigte, noch einen Kontrakt bis zum 30. Juni 2005.

"Dies ist grob rechtswidrig. Natürlich werden wir dagegen vorgehen", erklärte Nasse der dpa. Anlass für die Kündigung ist nach einer Mitteilung des BVB - der den Fall juristisch prüfen ließ - die Attacke Olisehs nach der Bundesligapartie gegen Hansa Rostock am 28. Februar, mit der er seinem Mitspieler Vahid Hashemian das Nasenbein gebrochen hatte. Der Kölner Jurist hält den Schritt des Vereins nicht nur rechtlich für anfechtbar, sondern auch moralisch für fragwürdig. "Der BVB zeigte keine Emotionen, als Oliseh ein Tor gegen ihn schoss, reagiert aber auf diesen Vorfall", sagte Nasse. Oliseh hatte am 10. Spieltag das 3:0 beim Heimerfolg des VfL gegen Dortmund erzielt.

Eine Rückkehr zum BVB wäre für den Olympiasieger von 1996, der sich bei den Westfalen zuletzt nicht mehr wohlgefühlt hatte, wahrscheinlich nicht mehr in Frage gekommen. Allerdings wäre nach Ende der Ausleihfrist wohl auch seine Zukunft in Bochum zu Ende gewesen, da sich Oliseh in vier Verhandlungsrunden nicht mit dem Revier-Verein über eine weitere Zusammenarbeit einigen konnte. Der VfL Bochum konnte sich die Leihgabe nur leisten, weil der BVB weiter einen Teil des Gehalts von Oliseh getragen hatte. Für die finanziell angeschlagenen Dortmunder dürfte die Trennung von dem Afrikaner, der jährliche eine Millionen-Gage erhielt, ins Sanierungskonzept passen.

Die drohende arbeitsrechtliche Auseinandersetzung im Fall Oliseh könnte grundsätzliche Probleme des Spieler-Leihgeschäfts in der Fußball-Bundesliga aufzeigen. "Es ist ein Überbleibsel aus der Vor- Bosman-Ära, dass im krassen Gegensatz zum normalen Arbeitsrecht steht", meinte Nasse. "Im Fußball geht es ausschließlich darum, Transferrechte und-summen zu sichern."

Ein langwieriger juristischer Streit könnte zudem die von Oliseh angestrebte Fortsetzung seiner Karriere in der Bundesliga oder anderswo gefährden. Denn erst wenn ein letztinstanzliches Urteil gefällt ist, wäre er für einen anderen Verein spielberechtigt. Bis dahin ist er an den BVB gebunden. "Dies ist ein evidenter Verstoß gegen die garantierte Berufsfreiheit. In der Wirtschaft gibt es so etwas nicht", sagte Nasse. Sollte das Verfahren bis vor das Bundesarbeitsgericht gehen, "würde es bis zwei Jahre und länger dauern".

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