Kopfzerbrechen in Madrid über die Versorgung der Landbevölkerung
Die Spanier gewöhnen sich bereits an den Euro

Anders als in Deutschland beginnt in Spanien die Euro- Zeit mit mehr Gemütlichkeit: Eine schlagartige Umstellung der Geldautomaten zum 1.Januar gibt es nicht. Die Pesete werden nur wenige vermissen.

22.5.2001 sk MADRID. Die Spanier sind mehrheitlich Anhänger der neuen Gemeinschaftswährung. Trotz des Streits um Fortsetzung der EU-Hilfen: Der Euro wird mit Spannung erwartet. Eine vergleichbare Situation wie in Deutschland, wo viele Menschen der D-Mark nachtrauern, ist auf der Iberischen Halbinsel nicht zu erleben. Nur wenige werden die Pesete vermissen, die während Francos Diktatur die Aufschrift "Caudillo dank Gottes Gnaden" trug. Die Mehrheit der Spanier sei, wie Nuria Horcajada aus dem Presseteam der spanischen Zentralbank sagt, allein auf Grund "ihres Charakters" nicht sonderlich besorgt, was die Umstellung der Pesete auf den Euro angeht. Sicherlich befreit die mediterrane Lebenseinstellung die Spanier nicht von allen Zweifeln, "aber das Interesse an der Gemeinschaftswährung", sagt Horcajada, "überwiegt."

Tatsächlich haben sich im Vergleich der großen Euro-Länder die Spanier mit einem zu 69 % positiven Euro-Bild an die Spitze vor Italien (66 %) und Frankreich (63 %) gesetzt. Der Gewöhnungsprozess an die künftige Währung läuft auf vollen Touren: In den in Spanien weit verbreiteten Tapas-Bars kann man beobachten, wie an die Wand geschlagene Preistafeln eifrig mit den neuen Euro-Preisen bestückt werden. Der Einzelhandel schreibt seine Preise in den meisten Fällen bereits seit einiger Zeit doppelt aus.

Auch die Mehrheit der großen spanischen Unternehmen verschickt Rechnungen, die beide Währungen enthalten. Noch steht allerdings die Pesete an erster Stelle. Ab 15. September, informiert die Zentralbank, soll sich das ändern, dann rückt die neue Währung in den Vordergrund.

Doch der Eifer hat seine Grenzen. Während in Deutschland der Euro-Alltag pflichtbewusst am Stichtag 1. Januar beginnt, startet in Spanien das neue Zeitalter mit etwas mehr Gemütlichkeit - jedenfalls was die Bestückung der Geldautomaten angeht. Auch hier wird es eine schlagartige Umrüstung nicht geben: Zwar wird ein Teil der 44 000 Geldautomaten im Land bereits am 1. Januar das neue Geld ausspucken. Bis zum Morgen des nächsten Tages soll es allerdings erst knapp die Hälfte sein. Erst am 15. Januar, so sieht die Zeitplanung der Zentralbank bislang vor, sollen dann alle Automaten umgerüstet sein.

Dass es bei der Umstellung zu größeren Störungen kommt, erwartet der Banco de España nicht. Ein Großteil der 1,9 Milliarden Euro-Scheine und 7,8 Milliarden Euro-Münzen ist bereits gefertigt. Am 1. September beginnt deren Verteilung an Banken und Sparkassen. Diese wiederum können dann bereits damit beginnen, das Geld an große Einzelhändler auszugeben. Kleine Einzelhändler werden erst ab 1. Dezember mit dem neuen Geld versorgt. Die Bevölkerung kann sich ab 15. Dezember mit dem berühmten Grundpaket, bestehend aus Münzen im Wert von 12,02 Euro, mit der neuen Währung vertraut machen. Bezahlt werden darf mit dem Euro aber auch in Spanien noch nicht.

Eines der größeren logistischen Probleme wird sein, die auf dem Land lebende Bevölkerung mit dem neuen Geld zu versorgen. In Spanien leben nach Auskunft des Banco de España zwei Millionen Menschen in 3 000 Dörfern, in denen es keine Zweigstellen von Banken oder Sparkassen gibt. In vielen von ihnen gibt es so genannte "mobile Büros", in denen die Bevölkerung ihre Geldgeschäfte erledigen kann. Dieser Service soll nach bisherigen, allerdings noch nicht abgeschlossenen Überlegungen der Zentralbank ausgebaut werden.

Kosten für den Umtausch entstehen den Spaniern nicht. Die Kreditinstitute haben sich verpflichtet, Bargeld kostenlos umzutauschen. Bis zu einem Betrag von einer halben Million Peseten können Spanier Geld umtauschen, ohne sich ausweisen zu müssen. Die Herkunft des Geldes muss erst ab 2,5 Million Peseten nachgewiesen werden. Offiziell wird der Grund nicht zugegeben: Dass die Bestimmungen auf den problemlosen Umtausch von Schwarzgeld zurückzuführen sind, das in Spanien in großen Mengen kursieren soll.

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