Kopierschutz soll das tauschen von Liedern verhindern
Napster stellt umstrittenen Kopierschutz vor

Computerexperten bezweifeln die Wirkung des neuen Schutzkonzepts , das Napster am Freitag vorgestellt hat. "Technisch ist das Blödsinn", sagt Andy Müller-Maguhn, da trotz der Sicherheitsmaßnahmen irgentwo im System die Daten unverschlüsselt vorliegen müssen.

Reuters BERLIN. Nach der Vorstellung des neuen Geschäftsmodells für die umstrittene Online-Musiktauschbörse Napster werden unter Computerexperten Zweifel laut, dass sich die Weiterverbreitung von getauschten Liedern wirksam verhindern lässt. "Technisch ist das Blödsinn", sagte der Sprecher der Hacker-Vereinigung Chaos Computer Club (CCC), Andy Müller-Maguhn, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Schließlich habe das Kopieren von Software auch nicht verhindert werden können. Ein Song müsse trotz aller Sicherungsmaßnahmen irgendwo im System unverschlüsselt vorliegen, denn sonst könne man ihn nicht anhören, sagte Müller-Maguhn.

Napster hatte am vergangenen Freitag zusammen mit der Bertelsmann-Tochter Digital World Services (DWS) angekündigt, mit einer neuen Technologie künftig die Nutzung von übertragenen Dateien kontrollieren zu können. Bertelsmann will Napster als strategischen Partner in ein kostenpflichtiges Angebot umwandeln, an dem sich neben der Bertelsmann Music Group (BMG) auch andere Musikunternehmen beteiligen können.

Die großen Konzerne haben sich Napster aber bisher noch nicht angeschlossen und wollen die Tauschbörse weiter per Gerichtsbeschluss schließen lassen. Sie haben in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, dass es bei Napster noch keine überzeugenden Technologien gebe, mit denen die Rechte der Künstler und Plattenfirmen geschützt werden könnten.

Musikdaten werden automatisch verschlüsselt

Nach Angaben von DWS, die das System für Napster entwickeln, werden die Musikdateien in Zukunft automatisch verschlüsselt, wenn sie von einem Napster-Mitglied zu einem anderen übertragen werden. Die Firma benutze dazu gängige Verschlüsselungsverfahren, erklärte DWS-Chef Johann Butting schriftlich auf Anfrage. So könnten die Plattenfirmen zusammen mit Napster bestimmen, was die Napster-Nutzer mit den Musikdateien machen könnten.

Es sei etwa denkbar, dass eine Datei nur angehört und nicht weiter kopiert werden dürfe, teilte das Unternehmen weiter mit. Dann könne sie nur mit der Napster-Software oder mit anderen speziell auf Napster zugeschnittenen MP3-Playern abgespielt werden. Es wäre dann nicht möglich, die Dateien auf CDs zu brennen oder außerhalb von Napster weiter zu verbreiten. Sie könnten jedoch mit Napster weiter getauscht werden. "Welche Restriktionen in Kraft treten, bestimmt Napster", erklärte Butting.

Auf die Frage, wie sicher das Verfahren sei, antwortete Butting: "Software ist immer knackbar. Entscheidend ist jedoch, dass gehackte Software schnell und effizient repariert werden kann, und dass das Knacken einer Einheit nicht gleichzeitig das Knacken aller anderen Einheiten bedeutet. Beide Aspekte sind in unserer Lösung gewährleistet."

Zeitalter der Kontrolle sei vorbei, sagt Müller-Maguhn

Volker Zota, Redakteur der Computer-Fachzeitschrift "c't", hält es ebenfalls für wahrscheinlich, dass das System geknackt werden kann. Andererseits gebe es dafür aber gar keinen zwingenden Grund, sagte Zota. "Es ist ja nicht so, dass die Leute ihre Songs alle über Napster beziehen." Es gebe eine Fülle von anderen Internet-Seiten, die ganze Alben zum Download (Herunterladen) bereithielten. "Napster ist nur die Spitze des Eisbergs." Das Unternehmen sei wegen seines zentralen Servers und den bekannten Betreibern sehr leicht angreifbar gewesen.

CCC-Sprecher Müller-Maguhn glaubt, dass sich die Musikindustrie deshalb auf die Suche nach neuen Geschäftsmodellen machen müsse. "Das Zeitalter der Kontrolle ist vorbei", sagte Müller-Maguhn. "Bits lassen sich nun einmal kopieren. Ein Computer ist eine Datenverarbeitungsmaschine, keine Datengeheimhaltungsmaschine.

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