Kopper: „Spektakuläres Gerede ist schädlich“: Wirtschaft spürt einen schärferen Wind

Kopper: „Spektakuläres Gerede ist schädlich“
Wirtschaft spürt einen schärferen Wind

In der deutschen Wirtschaft wogt die Diskussion um die Spannungen zwischen der Bundesregierung und der Bush-Administration hoch. Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), fürchtet gar einen Rückgang des bilateralen Außenhandelsvolumens um 10 %. Dies reduziere das deutsche Wirtschaftswachstum um 0,3 % mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

tom/fmd DÜSSELDORF. "Mit der derzeitigen Position der Bundesregierung gibt es für Deutschland überhaupt nichts zu gewinnen, aber sehr viel zu verlieren", sagte Börner in Berlin. Der Bundesbeauftragte für Auslandsinvestitionen, Hilmar Kopper, sagte dem Handelsblatt dagegen: "Dieses spektakuläre Gerede ist schädlich." Darüber hinaus glaube er nicht, dass es zu einem Umsatzeinbruch komme.

Kopper sieht "keinerlei Indizien, dass sich die politische Verstimmung zwischen den USA und Deutschland auf die Neigung der Unternehmen ausgewirkt hat, im Land zu investieren." Gleichzeitig sei auf der anderen Seite des Atlantiks auch Enttäuschung zu beobachten, als habe man einen verlässlichen Freund verloren.

Hausgemachte Wachstumschwäche verhindert Investitionen

Allerdings würden amerikanische Investoren Deutschland zurzeit zurückhaltend begegnen, sagte der Ex-Chef der Deutschen Bank auf einer Veranstaltung in Berlin. Doch dafür sei die hausgemachte Wachstumsschwäche verantwortlich. Für investitionswillige Unternehmen sei nach Ansicht Koppers aber immer noch die Größe einer Volkswirtschaft einer der wichtigsten Faktoren. Deutschland sei mit 82 Mill. Einwohnern und einem hohen Pro-Kopf-Einkommen nun mal ein wichtiger Markt.

Die Diskussion um das deutsch-amerikanische Verhältnis auf Regierungsebene findet jedoch nicht nur bei den Verbänden statt. Die Verstimmungen schlagen sich auch in den Kontakten zwischen den Unternehmen beider Länder nieder. "Da weht schon ein schärferer Wind", sagt ein Betroffener. Doch der Wind fege allenfalls durch den persönlichen Small Talk.

Beispiel Krauss Wegmann: -Maffei Der Münchener Konzern ist in eine Reihe von Projekten im politisch sensiblen US-Rüstungssektor eingebunden. Negative Auswirkungen auf die Geschäfte habe man bisher nicht feststellen können, sagte ein Sprecher. Die Beteiligung an Großprojekten wie der Entwicklung eines neuen Fahrzeugtyps, dem so genannten Future Combat System, laufe nach Plan. Andere Konzerne wie EADS, Rheinmetall oder Diehl, die sich an transatlantischen Rüstungskooperationen beteiligen, können keine negativen Folgen des schwierigen politischen Klimas erkennen. Klar ist aber auch: Während die USA auf dem europäischen Rüstungsmarkt mit einem Importanteil von 26 % ein "großer Spieler" sind, kommen die Europäer nach wie vor nur auf einen Bruchteil dessen auf der anderen Seite des Atlantiks.

"Politische Faktoren spielen beim Geschäft mit Militärtechnik sicherlich eine Rolle", sagt Joachim Rhode von der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Wenn ein deutsch-französisches Unternehmen wie EADS in den USA nicht den gleichen Status wie die britische BAE Systems genieße, sei aber nicht die Tagespolitik schuld, so Rhode. Da spielen die traditionell "besonderen Beziehungen" zwischen Briten und Amerikanern die größere Rolle. Gerade in der Rüstung haben deutsche Unternehmen noch nie einen großen Fuß in die USA setzen können. "Daran wird sich auch so schnell nichts ändern", meint ein Branchenexperte.

Sicher sei aber auch, dass die aktuelle Politik der Bundesregierung diese Situation nicht verbessere.

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