Korbacher verpasst Finaleinzug in Halle
Schüttler holt Selbstvertrauen für Wimbledon

Rainer Schüttler hat zwar den ersten Finaleinzug in diesem Turnier verpasst. Doch trotz der Halbfinal-Niederlage im westfälischen Halle schaut der Tennisprofi optimistisch in Richtung Wimbledon.

Von Jörg Allmeroth, Halle/Westfalen

Am Ende des Tennis-Lotteriespiels auf dem Center Court von Halle ist für Rainer Schüttler nur die Niete übrig geblieben. Mit einem einzigen, verhängnisvollen Doppelfehler im Tiebreak des entscheidenden dritten Satzes und der kurz danach besiegelten 4:6, 6:4, 6:7 (4:7)-Niederlage gegen den Amerikaner Mardy Fish waren jäh alle Träume von Schüttler geplatzt, beim Turnier-Heimspiel nahe seines Geburtsortes Korbach erstmals ins Finale einzuziehen und sogar um den Titel kämpfen zu können. «Das ist bitter, so bitter», sagte Schüttler noch lange nach dem dramatischen Finish ohne Happy-End, «ein paar Zentimeter reichen - und du kannst deine Sachen einpacken.»

Bei dem Doppelfehler zum 4:5 im Tiebreak hatte der Ball die Netzkante gestreift, war dann aber über die Aufschlaglinie aufs Tennisgrün geprallt. Statt des letzten deutschen Mohikaners von ehedem neun ins Hauptfeld gestarteten DTB-Profis durfte sich nun Fish der Endspiel-Herausforderung gegen Titelverteidiger Roger Federer stellen, der im zweiten Halbfinale den Tschechen Jiri Novak souverän mit 6:3, 6:4 bezwang.

Federer ist seit dem Start in die letztjährigen Gerry Weber Open in nunmehr 16 Spielen auf Gras unbesiegt. «Ich habe ein gutes Gefühl, den Pokal wieder holen zu können», sagte der herausragende Eidgenosse, der das Finale ohne Satzverlust erreichte und als haushoher Favorit auf den zwölften in der ostwestfälischen Provinz ausgespielten Titel galt.

Die tragische Figur im Rasenreich von Modezar Weber war ausgerechnet Deutschlands Spitzenmann Schüttler, der seine Anhänger in dem knapp zweistündigen Fight durch ein wahres Wechselbad der Emotionen schickte - mit allen nur vorstellbaren Höhen und Tiefen.

Und der am Ende doch nicht für seine unbeirrbaren Kampfqualitäten und für eine teils riskante Aufholjagd belohnt wurde: «Ich bin enttäuscht. Aber ich gehe auch nicht mit ganz leeren Händen hier raus. Ich habe mich so in Schwung gebracht, dass Wimbledon guten Gewissens kommen kann», sagte Schüttler.

Als der 28-jährige Korbacher mit einem Break zum 6:4 im zweiten Satz sogar zum 1:1 in der Gesamtabrechnung ausgeglichen hatte, schienen alle Vorteile auf seiner Seite zu sein. Doch als ZDF-Experte Charly Steeb gerade Schüttler als kommenden Sieger wähnte, «weil er den aggressiveren, frischeren Eindruck macht und eine viel positivere Körpersprache hat», machte der Weltranglisten-Achte im dauernden Auf und Ab dieser Partie sich selbst einen Strich durch die Rechnung.

Ein schneller Aufschlagverlust zum 0:1 - und schon war Schüttler gezwungen, permanent der Führung des Rivalen Fish nachzulaufen. Doch im achten Spiel des Schlussaktes gelang Schüttler noch einmal das Remis zum 4:4, kurze Zeit später begann das unvermeidliche Tiebreak-Roulette.

Wieder lag Schüttler 1:3 hinten, wieder glich er auf 3:3 und 4:4 aus, ehe sein zweiter Doppelfehler zum 4:5 ihm selbst und 9.000 Zuschauern in der Arena den Erfolg kostete. 192 Punkte waren in diesem Moment gespielt: 96 für Schüttler, 96 für Fish. Aber nur noch 30 Sekunden dauerte es dann, bis Schüttler nach zwei nicht mehr returnierbaren Aufschlägen Fishs ans Netz trotten musste, als geschlagener Mann in einem Tennis-Bühnenstück mit echten Thrillerqualitäten.

«Die Art und Weise dieser Niederlage war niederschmetternd für Rainer», sagte Schüttler-Trainer Dirk Hordorff, «aber er kann hier trotzdem mit erhobenem Haupt das Turnier verlassen.» Auch Turnierchef Ralf Weber lobte den tüchtigsten der einheimischen Tennis-Streiter: «Er hat sich hier erstklassig verkauft. Er wird ganz sicher hier noch einmal in seiner Karriere das Endspiel erreichen.»

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