Korea-Konflikt
Bären und Kraniche im Schatten der Weltpolitik

Willkommen an der Grenze der feindlichen Brüder - der letzten Front eines Konflikts, der einmal Kalter Krieg hieß.1953 endete der Korea-Konflikt mit einem Waffenstillstand - rein technisch herrscht zwischen Nord- und Südkorea jedoch noch immer Krieg.

PANMUNJOM. Die schlammbraune Uniform hängt schlaff am knochigen Körper des nordkoreanischen Soldaten. Auf dem Kopf sitzt eine viel zu große Tellermütze. Er nestelt an seiner Pistole, die kleinen dunklen Augen heften sich an die Grenze. Dort drüben liegen die Imperialisten: die Südkoreaner, die US-Amerikaner. Eilig kritzelt der Wachmann ein paar Notizen auf einen Block, dann verschwindet er in seinem Betonturm. Neben dem Ausguck steht ein heruntergekommenes Gebäude. Auf den Wänden mit dem bröselnden Putz prangen Propagandaparolen. Davor liegen drei hellblaue Baracken: Hier endete 1953 der Korea-Konflikt mit einem Waffenstillstand - rein technisch herrscht zwischen Nord- und Südkorea jedoch noch immer Krieg.

Willkommen an der Grenze der feindlichen Brüder - der letzten Front eines Konflikts, der einmal Kalter Krieg hieß. Seit Mitte der Woche, als das Militär des Nordens Raketen testete, richtet die Welt wieder besorgt ihre Augen auf die Trennlinie im Herzen der Halbinsel. In Panmunjom stehen sich die Armee des Diktators Kim Jong-il aus dem Norden und eine Truppe der Vereinten Nationen mit Südkoreanern und US-Amerikanern gegenüber. Und obwohl der vier Kilometer breite Streifen offiziell demilitarisierte Zone heißt, dürften wohl nur wenige Gebiete der Welt derart scharf kontrolliert sein. Die Generäle des Südens orderten jetzt für ihre Streitkräfte eine erhöhte Wachsamkeit an, heißt es in den Medien des freien koreanischen Teils. Auch entlang des 38. Breitengrades, der Grenze, müssen die Soldaten noch mehr auf der Hut sein. Höhere Alarmstufe. Spannungen. Kriegsgefahr? Für die Menschen in der rund eine Stunde Autofahrt entfernten Hauptstadt Seoul ist das fast normal. "Die aus dem Norden testen doch öfter ihre Waffen", berichtet Hwa Kim, -Kyung eine Universitätsdozentin, die in Deutschland in Philosophie promoviert hat. "Wir im Süden sind deshalb nicht so aufgeregt wie die Japaner oder die Amerikaner."

Auch die Soldaten an der Demarkationslinie leben gelassen mit den rätselhaften Nordkoreanern. Die Uno-Truppe hat es sich in ihrem Camp behaglich eingerichtet: Ein schmuckes Casino für die Offiziere, eine Bücherei, ein Swimming Pool und der "gefährlichste Golfplatz der Welt" - alles in Reichweite nordkoreanischer Schusswaffen.

Rund drei Kilometer vom Camp entfernt legten nordkoreanische Bautrupps eine Siedlung an. Die Südkoreaner nennen die Behausungen "Propagandadorf". Von dem Ort aus beschallte der abgehalfterte Norden den wirtschaftlich starken Süden mit Erfolgsmeldungen über das stalinistische Juhe-System: Schöne Grüße vom lieben Führer Kim Jong-il.

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