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Korrektes Benehmen im Wartezimmer

In der Erkältungs- und Grippezeit füllen sich die Wartezimmer der Ärzte mit Patienten. Doch selbst wer krank ist und entsprechend schlecht gelaunt, sollte auf sein Benehmen achten: Höflichkeit und Rücksichtnahme sind auch beim Arzt gefragt.

dpa/gms BIELEFELD/UNNA. In der Erkältungs- und Grippezeit füllen sich die Wartezimmer der Ärzte mit Patienten. Doch selbst wer krank ist und entsprechend schlecht gelaunt, sollte auf sein Benehmen achten: Höflichkeit und Rücksichtnahme sind auch beim Arzt gefragt.

"Im Wartezimmer verbindet sich das in der Öffentlichkeit übliche Verhalten mit höchster Intimität", erklärt Inge Wolff, Vorsitzende des Arbeitskreises Umgangsformen International in Bielefeld. Da sind Benimm-Fehler schnell gemacht. "Anklopfen ist höflich, das würde ich bei geschlossener Tür des Wartezimmers auf jeden Fall machen." Zwar müsse nicht auf ein "Herein" gewartet werden. "Das Anklopfen ist eine Ankündigung."

Einig aber sind sich die Benimm-Experten in dieser Frage nicht: "Man muss nicht anklopfen, das Wartezimmer ist ja ein öffentlicher Raum", sagt Marianne Montag, Fachfrau für Umgangsformen in Unna. Wenn man im Wartezimmer sitze, könne das höfliche Anklopfen auf Dauer störend sein, gibt die Benimm-Lehrerin Evelin S. Knauß aus Stuttgart zu bedenken. "Es sollte ein Schild an der Tür hängen mit der Aufschrift "Eintreten ohne Klopfen"", lautet ihr Kompromissvorschlag.

Ob nun aber mit Anklopfen oder ohne - wer ein Wartezimmer betritt, sollte auf jeden Fall grüßen. "Das gerät leider mehr und mehr in Vergessenheit", beklagt Inge Wolff. Ein "Guten Tag" sei immer richtig. Wer das Wartezimmer verlässt, sollte aber beim Abschiedsgruß vorsichtig sein. "Ein "Schönen Tag noch" könnte als Ironie aufgefasst werden", erläutert Wolff.

Sind im Wartezimmer alle Sitzplätze belegt, empfiehlt Inge Wolff, sich nicht an die traditionellen Regeln "Alt vor Jung" und "Frau vor Mann" zu klammern. "Da rate ich, dem Mensch-zu-Mensch-Prinzip zu folgen." Wenn etwa ein Jüngerer auf Krücken komme, räume der Ältere, der nur auf eine Spritze warte, den Stuhl für den Jüngeren. "Platz machen für denjenigen, der am gebrechlichsten ist", beschreibt Berufskollegin Evelin S. Knauß das ungeschriebene Gesetz.

"Das Handy auszuschalten ist absolute Pflicht", nennt Marianne Montag eine weitere Regel für das richtige Verhalten beim Arztbesuch. Absolut tabu seien zudem Wartezimmer-Gespräche über Krankheiten. Zur Vorsicht rät sie bei Äußerungen über die Qualität des Arztes. "Da hat jeder eine andere Erfahrung", sagt die Benimm-Expertin aus Unna.

Dass Schweigen Gold ist, gilt auch, wenn ein anderer Patient niest. "Wir empfehlen dringend, auf das "Gesundheit" zu verzichten", betont Inge Wolff vom Arbeitskreis Umgangsformen. Denn Niesen sei - wie Husten oder Magenknurren - ein unfreiwilliges Körpergeräusch, auf das niemand aufmerksam gemacht werden wolle. "Man geht einfach darüber hinweg und sagt gar nichts mehr", bestätigt auch Marianne Montag die Abkehr von Benimmregeln der Vergangenheit.

Verpönt ist ebenfalls, die Sprechstundenhilfen mit "Fräulein" anzureden. Richtig ist "Frau" plus Nachname. "Bei Helferinnen, die kein Namensschild tragen, frage ich einfach nach", sagt Marianne Montag. Promovierte Ärztinnen und Ärzte sollten korrekt mit Frau oder Herr Doktor plus Name angesprochen werden. "Ein "Hallo Doc", wie es sich viele aus US-Spielfilmen abgeschaut haben, passt nicht immer", warnt die Fachfrau für Umgangsformen.

Ins Fettnäpfchen tritt der Patient, der den Arzthelferinnen beim Abschied ein "Trinkgeld" geben will. "Das Wort darf man auf keinen Fall benutzen, wenn man Geld in die Kaffeekasse wirft", betont Inge Wolff. Zufriedene Stammpatienten könnten sich mit einem Blumenstrauß oder mit einer Tüte selbst gebackener Weihnachtsplätzchen bedanken.

Wer sich aber wegen scheinbarer Bevorzugung anderer Patienten beschweren will, sollte zum einen bedenken, dass Dauerpatienten für eine Spritze oder einen Verbandswechsel meist nur kurz im Wartezimmer Platz nehmen, erklärt Marianne Montag. Bei Zweifeln helfe eine freundliche Nachfrage mit der Einleitung "Ich denke, es gibt einen Grund dafür, dass der andere Patient vor mir drangekommen ist, aber..." Und nicht nur dabei gelte die Regel: "Der Ton macht die Musik."

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