Korrektur bei vielen Werten
In der Biotech-Branche weicht die Euphorie dem Realismus

Nachdem die Biotechnologietitel am Neuen Markt im vergangenen Jahr zu den Lieblingen der Anleger gehörten und die Kurse einzelner Unternehmen in astronomische Höhen stiegen, ist die Euphorie verflogen. "Die Aktien von Biotech-Unternehmen sind zu schnell und zu hoch gelaufen", erklärte Dirk Schlamp, Biotech-Analyst der DG-Bank.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Erkenntnisse der Genomforschung regten die Fantasie der Anleger an; das Risiko des Investments wurde dabei fast außer Acht gelassen. Schließlich seien noch viele Krankheiten nicht kausal zu behandeln. Immense und schier unbegrenzte Wachstumsmöglichkeiten schienen sich aufzutun. Nach der Korrektur vieler Biotech-Werte im März 2000 erholten sich die Kurse bis Ende des Jahres wieder. Die schlechter werdende Stimmung bei den High-Techs ließ jedoch viele Anleger die Papiergewinne auch in bare Münze umsetzten.

"Der Markt habe mittlerweile gelernt und ist reifer geworden. So gehen Anleger selektiver vor", ist sich Schlamp sicher. Investoren setzten derzeit stärker auf Unternehmen, die entweder bereits schwarze Zahlen schreiben oder die Gewinnzone in naher Zukunft erreichen werden. Bei Biotech-Unternehmen, die selbst Medikamente herstellen, sei zudem wichtig, in welcher Phase sich die Produktentwicklung befinde und welchen potenziellen Umsatz das Medikament in Zukunft generiere.

In den USA hat die Biotechnologie-Branche seit November - ähnlich den anderen Segmenten - deutliche Kursverluste verbucht. Der AMEX - Biotech-Index hat seit November einen Wertverlust von rund 18 % eingestrichen. Auch Papiere bekannter Gentechnikunternehmen wie Millennium Pharmaceuticals, die durch eine moderne Technologie zur Erforschung von Zielmolekülen und Wirkstoffen für eine Vielzahl von Krankheiten und Kooperationen mit namhaften Pharmakonzernen überzeugten, verloren von einem Hoch Anfang November von 86,50 auf 30,44 Euro deutlich an Wert. Während Millennium noch mit Verlust arbeitet, ist Amgen bereits profitabel.

Amgen mit leichtem Kursanstieg



Beim 1980 gegründeten Biotech-Unternehmen Amgen, das seit Börseneinführung über 16 000 % Wertzuwachs aufweist, können sich Anleger im Jahresverlauf immerhin über geringen Kursanstieg freuen. Für das laufende Jahr hat das Unternehmen, das in der Erforschung, Entwicklung und Herstellung von Medikamenten auf gentechnischer Basis tätig ist, drei weitere Produkte angekündigt.

Dass Unternehmensgewinne sich leider nicht immer in steigenden Kursen bemerkbar machen, zeigt das Beispiel Biogen. Der Kurs des 1978 aus der Taufe gehobenen Unternehmens, das unter anderem mit dem Multiple Sklerose-Medikament Avonex Erfolg hat, ist im Jahresvergleich um 40 % abgerutscht.

Diese Wende hin zu einer kritischeren Betrachtung von Biotech- Unternehmen lässt sich auch auf den Neuen Markt übertragen. Ein guter Indikator ist der Biotechnologie-Index, der nach einem Hoch bei 285 Punkten am Freitag mit 120,49 Punkten berechnet wurde. Den Rückgang spürte mit MediGene auch ein reinrassiger Medikamentenhersteller am Neuen Markt, dessen Börsengang im Jahr 2000 einer der erfolgreichsten aus dem Biotech-Segment war.

Bei MorphoSys ist Luft nach oben



Nach einem 52-Wochen-Hoch von 133 Euro, war die Aktie am Freitag für 37,83 Euro zu haben. "Wir haben den Titel mit Outperformer eingestuft", erklärte Juri Jenkner, Pharmaanalyst bei Merck Finck und Co. MediGene habe ein Produkt in Phase III. Zudem wolle das Unternehmen Anfang des dritten Quartals erste Ergebnisse aus der Studie veröffentlichen und 2003 wolle man die Gewinnschwelle erreichen. Auch die Analysten von SES Research erwarten in den kommenden Jahren die Markteinführung weiterer Produkte. Hiervon würden insbesondere die Medikamentenentwickler profitieren.

"Auch von MorphoSys halten wir sehr viel und sehen weiter Luft nach oben", räumte Analyst Jenkner ein. Das auf menschliche Antikörper (HuCAL: Human Combinatorial Antibody Library) spezialisierte Münchener Unternehmen gibt ein Beispiel für die spektakulären Kursgewinne in der Branche. Zur Börseneinführung im Jahr 1999 war die Aktie für 25 Euro ausgegeben worden. Während das Papier im Februar 2000 bis auf fast 400 Euro nach oben schnellte, bezahlten Aktionäre am Freitag 101 Euro.

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