Korrektur der Konjunkturprognosen gibt keinen Anlass zu Wachstumspessimismus
Analyse: Die Lage ist besser als die Stimmung

Wer derzeit die aufgeregte Diskussion um die sich offenbar stündlich verschlechternden Konjunkturaussichten verfolgt, kann leicht in Panik geraten. Deutschland und die gesamte Euro-Zone stehen scheinbar vor einem Wachstumseinbruch. Allenthalben korrigieren die Wirtschaftsforscher ihre Prognosen nach unten. Sämtliche Konjunkturindikatoren deuten angeblich auf eine weitere Talfahrt der Weltwirtschaft hin. Schlimmer kann es kaum mehr werden.

Nicht zuletzt auf Grund des Einbruchs an den Aktienmärkten sind zurzeit offenbar nur noch Hiobsbotschaften gefragt. Dass es auch positive Konjunktursignale gibt, wird da leicht überhört. Zweifellos sind die Wachstumsaussichten für die Euro-Zone bei weitem nicht mehr so gut wie noch vor einem halben Jahr. Vor allem die Exportindustrie hat ihre Rolle als Wachstumsmotor eingebüßt; offenbar hat der Abschwung in den USA stärker durchgeschlagen als noch vor einigen Monaten angenommen. Die gestern veröffentlichten Daten zum EU-Geschäftsklima, das sich weiter abgekühlt hat, passen da ebenso ins Bild wie die Signale, die sich aus den neuesten Arbeitslosenzahlen ergeben: Die Phase der leichten konjunkturbedingten Erholung am deutschen Arbeitsmarkt ist offenbar schon wieder vorbei. Es wäre fahrlässig, all dies zu verharmlosen. Genauso fahrlässig wäre es aber, jetzt einen Abschwung herbeizureden. Denn die konjunkturelle Lage ist eindeutig besser als die Stimmung.

Die Wirtschaftsforschungsinstitute werden in ihrer Gemeinschaftsprognose in der kommenden Woche ihre Wachstumsprognosen für Deutschland im Jahr 2001 auf etwas über zwei Prozent zurücknehmen. Um dies vorauszusagen, braucht man kein Prophet zu sein, schließlich haben fast alle Institute seit vergangenem Herbst ihre Prognosen nach unten korrigiert.

Das ist aber kein Grund zur Panik. Denn erstens ist ein nicht geringer Teil der Prognoseänderungen darauf zurückzuführen, dass das Statistische Bundesamt vor einigen Wochen die Wachstumszahlen für das zweite Halbjahr 2000 nach unten revidiert hat. Somit war klar, dass allein deshalb die deutsche Wirtschaft schwächer in dieses Jahr gestartet ist als ursprünglich angenommen. Zweitens liegt auch eine Wachstumsrate von zwei Prozent immer noch deutlich über dem Durchschnitt der 90er-Jahre von 1,5Prozent. Im Übrigen ist das Hin und Her um Zehntelprozentpunkte schlicht unseriös - niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt das Wachstum für 2001 genau vorhersagen.

Trotz der nicht zu bestreitenden Negativsignale geben manche Konjunkturindikatoren auch Anlass zu Optimismus. So dürften sich die zuletzt stark rückläufigen Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe im Februar wieder stabilisiert haben. Zudem zeigen sich die Verbraucher in der Euro- Zone bislang weitgehend unbeeindruckt von der verschlechterten Stimmung. Das ist angesichts der Talfahrt der Aktienmärkte durchaus bemerkenswert - offensichtlich haben die zu Beginn des Jahres in Kraft getretenen Steuerentlastungen Wirkung gezeigt. Wer also auf den privaten Konsum als Wachstumsstütze der kommenden Monate setzt, ist durchaus kein Gesundbeter.

Unbestreitbare Wachstumsrisiken kommen weiter aus den USA. Manche Beobachter hoffen angesichts des jüngst wieder verbesserten nationalen Einkaufsmanager-Indexes, dass die US- Wirtschaft ihre Talsohle nun erreicht hat. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist freilich, dass sich die Konsumenten vom Sturz der Aktienkurse weiterhin nicht in Panik versetzen lassen. Die jüngste Marktentwicklung zeigt, dass von dieser Front noch keine Entwarnung zu erwarten ist.

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