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Korruption: Besserung in Deutschland

Bangladesch und Haiti sind nach einer Studie die korruptesten Länder unter 146 untersuchten Staaten. Deutschland erhielt hingegen im jährlichen Korruptionsbericht der Organisation Transparency International (TI) bessere Noten als im vergangenen Jahr.

dpa BERLIN/LONDON. Bangladesch und Haiti sind nach einer Studie die korruptesten Länder unter 146 untersuchten Staaten. Deutschland erhielt hingegen im jährlichen Korruptionsbericht der Organisation Transparency International (TI) bessere Noten als im vergangenen Jahr.

Trotzdem verursache Korruption in Deutschland einen jährlichen Schaden von 50 Mrd. Euro, sagte der Wirtschaftsprofessor Johann Graf Lambsdorff von der Universität Passau. Für die Studie, die am Mittwoch in Berlin und London vorgestellt wurde, wurden sowohl einheimische als auch ausländische Geschäftsleute, Analytiker und Wissenschaftler befragt.

Dabei wurde Finnland mit 9,7 von maximal zehn Punkten unter 146 Staaten wie schon in den vergangenen Jahren als das Land mit der geringsten Korruption eingeschätzt. Auf den weiteren Plätzen folgen Neuseeland, Dänemark, Island und Singapur. Deutschland verbesserte sich im Vergleich zu 2003 von 7,7 auf 8,2 Punkte und kletterte vom 16. auf den 15. Rang. Im Vergleich der westeuropäischen Staaten sei dies aber nur ein Mittelfeldplatz, betonte der Vorsitzende von TI Deutschland, Hansjörg Elshorst. Vermutlich sei die Außenansicht positiv beeinflusst, weil zuletzt keine größeren Skandale aufgedeckt wurden.

In Deutschland gibt es den Angaben zufolge noch erhebliche Defizite. Die stellvertretende TI-Vorsitzende Anke Martiny verwies auf Schätzungen, wonach in der Bundesrepublik 90 bis 95 Prozent aller Korruptionsdelikte nicht entdeckt werden. Elshorst nannte fehlende Sanktionen gegen korrupte Unternehmen sowie mangelnde Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge. Als Vorbild nannte er die skandinavischen Staaten, die alle unter den ersten Zehn der Rangliste liegen. Es gebe eine große "Transparenz in der öffentlichen Verwaltung". Auch Deutschland brauche rasch ein Informationsfreiheitsgesetz, das den Bürgern ein umfangreiches Recht auf Akteneinsicht einräumt.

Der frühere Weltbank-Direktor Peter Eigen, der Transparency International vor zehn Jahren ins Leben gerufen hatte, warnte in London: "Korruption beraubt Länder ihres Potenzials." Dadurch gingen in großem Umfang öffentliche Gelder verloren, die dringend für Bildung, Gesundheitswesen und Armutsbekämpfung benötigt würden.

Durch Korruption entsteht laut Eigen weltweit ein jährlicher Schaden von 400 Mrd. Dollar. Lambsdorff, der die Studie für TI erstellt hat, sagte der "Passauer Neuen Presse", allein in Deutschland verhindere Bestechung einen möglichen Produktivitätsfortschritt von rund 40 Mrd. Euro. Zudem werde die Investition ausländischer Unternehmer um etwa zehn Mrd. Euro gedrückt.

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