Korruption in China
Mutiges Interview mit Folgen

Der Bau des weltweit größten Staudamms am chinesischen Jangtse-Fluss machte die Umsiedlung von mehr als einer Million Menschen erforderlich - die meisten davon ohne rechtmäßige Entschädigung. Wer sich in China aber für seine Rechte einsetzt, der muss oft mit Drohungen und Schlägen rechnen.

PEKING. Fu Xiancai hat nie Schreiben gelernt. Doch der chinesische Bauer kann rechnen. Und darum hat Fu Xiancai schon bald bemerkt, dass etwas nicht stimmen konnte mit der Entschädigung, die ihm die Männer der nahen Behörde auszahlten. Es war ein Achtel des Betrages, den man ihm versprochen hatte.

Seit fast zehn Jahren kämpft Fu nun schon um sein Recht und um sein Geld. Schließlich hat er alles verloren: seine Heimat, sein Einkommen, seine Zukunft. Denn der schlichte Mann aus der Provinz Hubei musste dem Willen der Partei weichen: Für Chinas Traum, den riesigen Staudamm am Jangtse, der so viel Strom wie 15 Kernkraftwerke liefern soll.

Fu Xincai gehört zu Tausenden von Chinesen, die täglich Opfer der ausufernden Korruption im Land werden. Immer mehr wehren sich, wollen das Unrecht einfach nicht mehr hinnehmen. Und viele zahlen einen hohen Preis: Die Bewohner von Shengyou, die ihr Land nicht für eine Fabrik abgeben wollten, erlebten, wie ein Schlägertrupp sechs von ihnen tötete.

87 000 Proteste hat es im vergangenen Jahr in China gegeben - gegen Umweltschäden, Enteignung, Machtmissbrauch. Fast immer spielt Korruption eine Rolle. Auch wenn die Regierung auf die Gesetze verweist: Die Bürger haben kaum Chancen in einem Staat, in dem die Partei immer Recht hat. "Ich war fünfzehnmal in Peking, um mich bei der Zentralregierung zu beschweren", hat auch Fu Xiancai vor wenigen Wochen einem ARD-Fernsehteam in die Kamera gesagt. "Nie wurde mir geholfen. Im Gegenteil, ich wurde bedroht und geschlagen."

Ein Interview mit Folgen: Fu Xiancai liegt seit einer Woche schwer verletzt im Krankenhaus von Yichang. Nach Angaben seiner Familie hat er eine angebrochene Wirbelsäule im Halsbereich; er wird gelähmt bleiben. Das Krankenhaus droht, die Behandlung zu stoppen, wenn seine Familie nicht die Kosten von rund 8 000 Euro übernimmt. Für die Bauern ist dies eine unerschwingliche Summe.

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