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Korruptionsaffäre: Wildmoser bittet um Verzeihung

Unruhig lässt Karl-Heinz Wildmoser junior das Blitzlichtgewitter über sich ergehen. Der Hauptangeklagte im Korruptionsprozess um das neue Münchner Fußballstadion „Allianz Arena„ wirkt nervös.

dpa MÜNCHEN. Unruhig lässt Karl-Heinz Wildmoser junior das Blitzlichtgewitter über sich ergehen. Der Hauptangeklagte im Korruptionsprozess um das neue Münchner Fußballstadion "Allianz Arena" wirkt nervös.

Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht München I räumt der Sohn des früheren Präsidenten des TSV 1 860 München, Karl- Heinz Wildmoser senior, ausdrücklich Fehler ein. Und entschuldigt sich bei seiner Familie, beim TSV 1 860 München, den Fans und allen Verantwortlichen für den Stadionbau.

Zu entschuldigen habe er sich insbesondere bei seinem Vater, "dessen Reputation durch das Ermittlungsverfahren erheblich in Frage gestellt wurde", sagt der Sohn mit leiser Stimme. Wildmoser weist die strafrechtlichen Vorwürfe aber entschieden zurück. Bei den Zahlungen der Baufirma an ihn habe es sich um eine zulässige Provision und nicht um Bestechungsgelder gehandelt. Auch seine Verteidiger Peter Gauweiler und Wolf-Rüdiger Bub verneinen eine Schuld ihres Mandanten. "Wir sehen keine Tat", sagte Bub. "Es ist auch alles versteuert worden." Die Anklage dagegen wirft Wildmoser Untreue im besonders schweren Fall, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vor.

Bei der Auftragsvergabe für den Stadionbau an den österreichischen Baukonzern Alpine sollen rund 2,8 Mill. Euro Schmiergeld geflossen sein, der Großteil davon an Wildmoser junior, der seit fast neun Monaten in Untersuchungshaft sitzt. Er soll Alpine mit Geheim-Informationen gefüttert haben, unter anderem über Konkurrenzangebote. Mitangeklagt wegen Beihilfe ist ein Schulfreund des 40-Jährigen. Der Immobilienkaufmann soll als Strohmann fungiert und dafür einen Teil des Geldes erhalten haben. Gegen die Alpine-Manager wird ermittelt. In dem neuen Stadion findet 2006 das WM-Eröffnungsspiel statt.

"Heute bin ich zum ersten Mal in der Lage, zu den Vorwürfen öffentlich Stellung zu nehmen", sagt Wildmoser vor Gericht. Und das tut er ausgiebig. In einer gut zweistündigen Erklärung berichtet er haarklein über jedes Treffen mit dem Schulfreund und der Alpine, jede Wendung bei der Entscheidung über die Auftragsvergabe. Seine Stimme wird fester, als er über die baulichen Details, Probleme bei der Gestaltung des Fußballrasens und die Provisionsverhandlungen mit der Alpine spricht. Dabei habe er den Freund in der Höhe noch gebremst.

Letztlich sei es nur um einen Tipp an die Alpine schon im Juli 2001 gegangen, sich mit dem Architektenbüro Herzog/De Meuron zusammen zu tun und gemeinsam um den Großauftrag zu bewerben - womit sich die Alpine letztlich den Auftrag habe sichern können. Es sei ein "schwerer Fehler" gewesen, bei seiner Bestellung zum Geschäftsführer der Allianz Arena München Stadion Gmbh Ende 2001 seine Beziehungen zur Alpine nicht zu offenbaren. Wildmoser: "Ich hatte nicht den Mut dazu. Ich weiß, dass das eine fürchterliche Schwäche war."

Aus der hintersten Reihe des Gerichtssaales verfolgt Wildmosers Frau den Prozess, Vater Karl-Heinz Wildmoser senior erschien nicht. Er war in der Affäre als 1 860-Präsident zurückgetreten, obwohl das Verfahren gegen ihn später eingestellt wurde. Seinem Sohn droht bei einem Schuldspruch eine mehrjährige Haftstrafe. Auch die Stadion-Gesellschaft hat Forderungen an Wildmoser junior gestellt. Sie will von ihm jene 2,8 Mill. Euro, die sie als Schmiergeld auf den Kaufpreis aufgeschlagen sieht - und so könnte auf Wildmoser nach dem Strafprozess ein weiteres Verfahren um Schadenersatz zukommen.

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