Archiv
Koshari im Internet

Für seine Gourmetfreuden ist Ägypten nicht berühmt. Die raffinierteste arabische Küche findet man in Libanon und Syrien.


Für seine Gourmetfreuden ist Ägypten nicht berühmt. Die raffinierteste arabische Küche findet man in Libanon und Syrien. Das Land am Nil mit einer mehrheitlich armen Bevölkerung hat eine Arme-Leute-Küche hervorgebracht: Den Bohnenbrei Foul, den die Ägypter zum Frühstück essen, die Taameyya-Bällchen - bei uns auch als Falafel bekannt - sind frittierte Gemüsebällchen, die in einem Brotfladen mit Salat serviert werden. Und dann gibt es Koshari, die beste Art, sich schnell und andauernd zu sätttigen. Dieses populäre Gericht findet man vor allem in Armenvierteln, die Zahl der Koshari-Imbisse ist geradezu ein Indikator für das soziale Niveau des Viertels: In Schubra al-Khaima, dem riesigen Armenviertel nördlich von Kairo, reihen sie sich aneinander. Doch auch in der Innenstadt von Kairo, nur wenige Minuten zu Fuß vom berühmten Cafe Groppi und Cafe Riche am Talaat al-Harb-Platz wird Koshari angeboten. Nicht zufällig in de r Champollion-Straße, wo sich eine Autowerkstatt an die andere reiht.
Hier werden glänzende Mercedese repariert, aber auch die verostete und verbeulte Karosserie eines Wagens ohne Motor, dessen Baumarke nicht mehr zu erkennen ist, wird wieder in einem fahrbaren Unterstatz verwandelt. Und mittendrin sitzt Abu Tarek, der König des Koshari. In seinem zweistöckigen, sauberen Restaurant gibt es nur Koshari, angeblich den besten der Stadt, die Auswahl besteht zwischen normal oder super. Normal bedeutet: kleine Makaroni, Reis, braune Linsen, garniert mit gerösteten Zwiebeln und einigen Kichererbsen. Alles was satt macht. Darüber eine Tomantesoße. Beim super gibt es mehr Kichererbsen, Limonensaft zum Drüberträufeln und die Tomatensoße extra. Serviert wird in silbernen Metallnäpfen, die Portionen sind unmöglich aufzuessen, weil schon nach wenigen Löffeln auch das größte Hungergefühl verschwunden ist. Der Restaurantinhaber steht selber nicht mehr in der Küche, er ist an der Wand mit einem riesigen Photo p räsent und erinnert an einen Filmstar aus den 50er
Jahren. Er scheint sich mittlerweile mehr für High-Tech zu interessieren. Über der Essensausgabe flimmern abwechselnd Angaben zum Rauchverbot und eine Begrüßung der Gäste übers Leuchtband, ein anderes zeigt die Internetadresse an: aboutarek.com. Auf der Website bewegt sich alles, ein Satellit peilt auf der Erdkugel das Restaurant an, das hier in der Shamplion-Straße liegt, an den französischen Entzifferer der Hieroglyphen Champollion scheint sich niemand mehr zu erinnern. Auch wenn die meisten Gäste kaum per Internet auf die Institution aufmerksam wurden: Es ist immer rappelvoll. Kein Wunder: eine normale Portion Koshari kostet drei Pfund (etwa 40 Cent) , die Superausgabe fünf Pfund (75 Cent). Und man kann die nächsten zwei Mahlzeiten am Tage getrost auslassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%