Kostelic und Götschl zu stark
Ertl holt Bronze in der Kombination

Ausgerechnet "Rebellin" Martina Ertl hat mit einem tollen Comeback dem deutschen alpinen Ski-Team Bronze und damit die heiß ersehnte Olympia-Medaille beschert.

dpa SALT LAKE CITY. Vier Jahre nach dem historischen Dreifach-Triumph zusammen mit Katja Seizinger und Hilde Gerg meldete sich die Weltmeisterin aus Lenggries am Donnerstag in der Kombination nach der tiefsten Formkrise ihrer Laufbahn eindrucksvoll zurück. "Es ist ein Traum. Ich kann es noch gar nicht fassen", jubelte die 28-Jährige. "Ich habe Bronze gewonnen und nicht Gold oder Silber verloren." Ihre Saison sei so schlecht gewesen, "aber wenn man bei Olympia eine Medaille gewinnt, dann war es am Ende doch eine gute Saison."

Der kurzfristige Umstieg auf die "alten" Ski brachte sie beim "vertauschten" Doppel-Wettbewerb der Winterspiele in Salt Lake City wieder in die Erfolgsspur und die insgesamt dritte Olympia-Medaille ihrer Karriere nach zweimal Silber. Hilde Gerg hingegen schied aus. Die Kroatin Janica Kostelic holte bei der erstmals in der Olympia- Geschichte mit dem Slalom begonnenen Alpin-Kombination mit 1,49 Sekunden Vorsprung Gold vor der Österreicherin Renate Götschl, Ertl hatte 1,88 Sekunden Rückstand. Die 20-jährige Kostelic, die mehrere Knie-Operationen hinter sich hat und während der Saison spät wieder in Form kam, bescherte Kroatien die erste Medaille bei Winterspielen. "Es ist der Valentinstag, vielleicht war das mein Glückstag. Ein Traum ist wahr geworden", meinte die Kroatin.

In Nagano 1998 hatten die Deutschen diesen Wettbewerb so dominiert wie nie zuvor: Gold für Seizinger, Silber für Ertl, Bronze für Gerg. Diesmal zeigte sich schon im Slalom in Snowbasin, dass das "Stehaufweibchen" Ertl ihre Krise der letzten Wochen mit dem 64. Platz beim Heimrennen in Berchtesgaden als absolutem Tiefpunkt überwunden hat. Sie war nicht wieder zu erkennen und legte zwei tolle Läufe hin. "Ich bin sehr glücklich über diesen Slalom", sagte sie nach der gelungenen Vorstellung, die das Tief und auch den Konflikt mit den Trainern wegen der Nicht-Nominierung in der Spezialabfahrt vergessen machte: "Das ist erledigt."

Wie schon vor einem Jahr bei der WM in St. Anton raste Martina Ertl praktisch aus dem "Nichts" auf das Treppchen. Damals war sie verletzt zu dem Großereignis gekommen und holte völlig überraschend Gold in der Kombination. Diesmal war sie während der gesamten Saison ihrer Form hinterher gefahren, vor Olympia total aus dem Tritt geraten und Ende Januar sogar zwei Wochen aus dem Weltcup ausgestiegen. Verunsichert testete sie verschiedene Ski und griff am Ende auf das Modell vom Saisonbeginn zurück. Bei den Winterspiele wurde sie im Team zur Unruhestifterin, was den Druck noch erhöhte.

Hilde Gerg, Slalom-Olympiasiegerin von 1998, hatte nach ihrem Beinbruch vor zwei Jahren kaum noch Torläufe trainieren können und sich auf die schnellen Disziplinen konzentriert. Die Lenggrieserin lag schon vor der Abfahrt weit zurück. Dann schied sie wie Petra Haltmayr (Rettenberg) aus. Zwei Tage nach der Verlegung der Spezialabfahrt mussten die Sportlerinnen erneut flexibel sein. Wegen heftigen Windes am Morgen wurden Abfahrt und Slalom "getauscht" - ein Novum bei Olympia.

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