Kosten belasten Gewinne führender US-Unternehmen
Biotech braucht langen Atem

In der US-Biotechbranche hinkt das Gewinnwachstum hinter dem Umsatzplus her: Grund dafür sind hohe Kosten für Forschung und Marketing. Analysten äußern sich bereits besorgt.

HB FRANKFURT/M. Die führenden Biotechfirmen der USA steuern weiterhin auf Wachstumskurs. Das zeigen die vorliegenden Ergebnisse aus der Branche für das erste Quartal. Allerdings hinkt das Plus beim Gewinn deutlich hinter dem Umsatzzuwachs her. Am Finanzmarkt wächst daher die Sorge, ob die immer noch hohen Bewertungen der Biotechfirmen wegen der zunehmenden Unsicherheit in der gesamten Pharmabranche jetzt stark unter Druck geraten.

Bereits in den vergangenen Wochen haben die Aktienkurse europäischer und amerikanischer Biotech-Werte eingebüßt. Die Furcht der Investoren ist aus den bisher vorliegenden Quartalszahlen allerdings nur bedingt abzuleiten. Die führenden US-Biotechfirmen meldeten bisher für das erste Quartal ein Umsatzwachstum von durchschnittlich etwa 16 %, und expandieren damit wesentlich schneller als die großen Pharmakonzerne. Ein anderes Bild dagegen bietet sich auf der Ertragsebene: "Big Pharma" konnte die Nettogewinne doppelt so stark verbesserten wie die Erlöse. Dagegen fiel das Gewinnplus bei den Biotechs nur halb so stark aus wie die Umsatzsteigerung.

Aufbau von Vertriebsaktivitäten

Damit setzt sich in der Branche ein Trend fort, der bereits die vergangenen Jahre prägte. Viele Biotechfirmen sind dazu gezwungen, ihre Erlöse in die Forschung oder den Aufbau von Vertriebsaktivitäten zu stecken. Noch können sie sich das leisten, schließlich hilft ihnen der starke Kapitalzufluss aus dem Jahr 2000.

Dennoch wächst mancherorts Besorgnis. Die Unruhe im Analystenlager resultiert vor allem aus der Frage, ob das Wachstum noch ausreicht, die hohen Bewertungen zu rechtfertigen. Immerhin zahlte die Börse für die großen US-Biotechfirmen bisher mehr als das Vierzigfache der erwarteten Gewinne. "Sie sind damit die mit Abstand teuersten Werte der Branche", geben die Experten der Commerzbank zu bedenken.

Ähnlich wie im Pharmabereich

Dabei ist die Entwicklung der Biotechs - ähnlich wie im Pharmabereich - widersprüchlich. Die Gewinne im ersten Quartal bewegen sich nach den bisher vorliegenden Zahlen zwischen einem Plus von 45 % bei Idec und einem Rückgang von 25 % bei Genzyme General. Biogen konnte zwar den Umsatz um 22 % steigern. Stark erhöhte Marketingaktivitäten sorgten jedoch für stagnierenden Gewinn. Bei Genentech, der Nummer Zwei der Branche, stieg das vergleichbare Quartalsergebnis um 30 %. Dennoch ist der Kurs unter Druck geraten - denn hier spiegeln sich Zweifel wider, dass der Biotech-Pionier sein angestrebtes Ertragswachstum von 25 % bis 2005 einhalten kann.

Genzyme enttäuschte mit einem schwachen Wachstum im ersten Quartal, hat jedoch das Ziel bekräftigt, den Gewinn im Gesamtjahr um 25 % zu steigern. Und Marktführer Amgen, der sich gerade durch die Übernahme von Immunex verstärkt, hob am vergangenen Freitag die Umsatzprognose für 2002 an. Der Biotech-Riese erwartet nun mehr als 20 % Wachstum. Ebenso stark soll der Gewinn zulegen.

Marktanteile im Arzneimittelgeschäft

Insgesamt dürften damit die führenden US-Biotechunternehmen weitere Marktanteile im Arzneimittelgeschäft gewinnen. Etwa zwei Dutzend Firmen der Branche haben inzwischen eigene Pharmaprodukte auf dem Markt.

Ebenso wie die etablierten Pharmahersteller mussten allerdings auch Biotechfirmen bei der Neuzulassung von Medikamenten jüngst zahlreiche Rückschläge verkraften. Prominente Beispiele sind Verzögerungen beim Krebsmedikament Erbitux von Imclone oder dem von Genentech entwickelten Xanilem gegen Schuppenflechte.

Warten auf Innovationsschub

Zudem leidet auch der Biotech-Sektor darunter, dass sich der erhoffte Innovationsschub durch die Genomforschung länger hinauszögert als erwartet. Manche Beobachter sprechen schon von einer Durststrecke, obwohl die Branche derzeit mehr als 250 Projekte in fortgeschrittener Entwicklung bearbeitet. Genzyme etwa geht von einer fünfjährigen Phase mit geringer Produktivität bei den Neuzulassungen aus. Allerdings werde in diesem Zeitraum die Basis geschaffen für starkes Wachstum in der Folgeperiode.

Zugute kommt der Branche, dass für die bereits zugelassenen Medikamente vorerst kaum Nachahmerkonkurrenz in Folge von Patentabläufen droht. Unter diesem Problem leiden die großen Pharmahersteller derzeit ganz besonders. Vielmehr gilt das Umsatzpotenzial vieler Biotech-Präparate als längst nicht ausgereizt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%