Kosten für den Aufbau und Betrieb eines WLAN sind relativ gering
Mobile Broadband in Hot Spots ist in den Startlöchern

Der bereits bestehende Bedarf nach mobilem, breitbandigem Datentransfer wird in Zukunft noch stark zunehmen. Der Nachfrage könnte mit der Installation von WLAN an hochfrequentierten Plätzen zumindest teilweise entsprochen werden.

Anything, Anytime, Anywhere - dies soll in zunehmendem Maße für mobile Mitarbeiter im Hinblick auf die Vernetzung mit dem eigenen Unternehmen gelten. Der mögliche Zugriff auf unternehmensinterne Datensätze jeglicher Art und Größe (Anything), zu jeder Zeit (Anytime) und an jedem Ort (Anywhere). Die Realität heute sieht noch anders aus. Entweder Anything und Anytime aber nicht Anywhere (die Übertragung von Daten über einen breitbandigen Festnetzanschluss) oder Anywhere, Anytime aber nicht Anything (die Übertragung von Daten via GSM/GPRS).

Dennoch, die technische Realisierung dieser Maxime ist heute bis zu einem gewissen Grad möglich. Die Bereitstellung von einem Wireless Local Area Network (WLAN) in Kombination mit einem breitbandigen Internet-Uplink an sogenannten "Hot Spots" wie zum Beispiel Flughäfen, Messezentren, Hotellobbys oder Bahnhöfen ist ein Realisierungsansatz.

Im allgemeinen handelt es sich bei Hot Spots um Orte, die einerseits durch eine nur temporäre Aufenthaltsdauer sehr vieler Personen und anderseits durch sehr limitierte Zugangsmöglichkeiten zu einem breitbandigen Internetzugang für die verweilenden Personen gekennzeichnet sind. Grundsätzlich bietet die WLAN Lösung dem Kunden einen echten Mehrwert. So kann sich zum Beispiel ein Kunde, während er auf seinen Abflug wartet, mit seinem mobilen Endgerät (Laptop, PDA) bequem über das WLAN in das firmeninterne Netzwerk einloggen. Das Market Research Unternehmen Analysys rechnet mit 90 000 WLAN Hot Spots und mehr als 20 Millionen Nutzern für Westeuropa im Jahr 2006.

Nettobrandbeite überzeugt

Vorwiegend werden die WLANs über den IEEE Standard 802.11b realisiert, der im 2,4 GHz Band operiert und mit dem sich eine Bruttodatenübertragungsrate von 11 Mbps erzielen lässt. Die für einen Kunden verfügbare Bandbreite wird u.a. von Faktoren wie der Anzahl der aktiven Nutzer pro WLAN-Funkzelle und der Bandbreite des Internet-Uplinks beeinflusst. Insgesamt lässt sich jedoch feststellen, dass die erzielbare Netto-Bandbreite deutlich über der anderer mobiler Lösungen (GSM, GPRS, UMTS) liegt. Die für die Installation eines WLAN erforderlichen Geräte werden von verschiedenen Herstellern wie zum Beispiel Cisco, Proxim oder Artem angeboten. Die Kosten für den Aufbau und Betrieb eines WLAN sind relativ gering. Technische Voraussetzung für den Kunden ist der Erwerb einer einsprechenden PC-Karte und ein User Account bei dem WLAN Betreiber.

Wie ist der aktuelle Status Quo in bezug auf die Realisierung des oben beschriebenen Geschäftsmodells und welche Art von Marktteilnehmern realisieren diese Lösung?

International werden WLANs an Hot Spots insbesondere in den USA und den skandinavischen Ländern angeboten. In Schweden sind bereits mehr als 300 Hot Spots mit einem WLAN ausgestattet. Deutschland befindet sich in dieser Hinsicht noch in der Start-Up-Phase. Ausgewählte Beispiele für eine Hot Spot Abdeckung mit WLAN sind:

  • Hotel Estrel Berlin (Cisco, Deteline)
  • Hotel Vier Jahreszeiten München (Iobox)
  • Frankfurter Flughafen - Airport Club (Elsa)
  • Aachener Innenstadt (Elsa)

Marktteilnehmer, die entweder versuchen, sich als übergreifender WLAN/Hot Spot Betreiber zu etablieren oder Unternehmen, für die es aus Kunden- und/oder Produktportfoliosicht grundsätzlich Sinn machen könnte, sich in diesem Bereich zu positionieren, sind: Start-Up-Unternehmen, Mobilfunkbetreiber, Equipment Provider, Internet Service Provider und Solution Provider. In Deutschland sind die Mobilfunkbetreiber in bezug auf das WLAN Geschäftsmodell noch sehr zurückhaltend und der Markt wird bisher anderen Teilnehmern überlassen.

Kunde hat diverse Ansprüche

Inwieweit sich ein Markterfolg des WLAN/Hot Spot Geschäftsmodells einstellen und wer letztendlich den Markt dominieren wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass aus potenzieller Kundensicht verschiedene Kriterien erfüllt sein müssen, um die Attraktivität des Dienstes zu gewährleisten und somit die kritische Marktmasse zu erreichen. Diese sind u.a.:

  • Technische Kompatibilität vom Kundenendgerät zu den jeweiligen WLANs.


    Diese ist nicht automatisch gewährleistet, da einem potentiellen WLAN-Betreiber in Zukunft verschiedene Standards zur Verfügung stehen werden, über die er seine WLAN Dienste realisieren kann. Inwieweit sich ein einheitlicher Standard durchsetzt, ist noch offen.
  • Ausreichende Abdeckung von Hot Spots mit WLAN.


    Unabhängig davon, wie viele Hot Spots vom Markt insgesamt abgedeckt werden, stellt sich die Frage, inwieweit ein einzelner WLAN-Betreiber sämtliche, für seine Zielgruppe relevanten, Hot Spots abdeckt.
  • Mögliche Nutzung von WLAN Diensten fremder Betreiber.


    Unter der Annahme, dass ein WLAN-Betreiber nicht alle für seine Zielgruppen relevanten Hot Spots abdecken kann, ist die Roaming Frage von essentieller Bedeutung. Etabliert sich kein Roaming Übereinkommen, so ist die Gefahr eines zersplitterten Marktes mit entsprechenden Insellösungen groß, was sich negativ auf die Attraktivität des Dienstes und somit die Entwicklung des Gesamtmarktes auswirken kann. In Deutschland sind zum jetzigen Zeitpunkt noch keine entsprechenden Roaming Abkommen bekannt.
  • Sicherheit der transferierten Daten.


    Sicherheitslücken in bezug auf WLAN werden kontrovers diskutiert. Allerdings ist bereits mittelfristig damit zu rechnen, dass allen Sicherheitsaspekten entsprechend Rechnung getragen werden kann.

Für die weitere potentielle Markentwicklung lassen sich verschiedene Szenarien aufstellen. In dem ersten Szenario würde ein Roaming Übereinkommen zwischen den einzelnen WLAN-Betreibern nicht zustande kommen und die Mobilfunkbetreiber würden weiterhin keine aktive Rolle einnehmen. In diesem Fall wäre es wahrscheinlich, dass der Markt nicht die erforderliche kritische Größe erreicht und weit hinter den bisherigen Markterwartungen zurück bleibt.

Das zweite Szenario sieht eine funktionierende Roaming Funktionalität, vollständige technische Kompatibilität, zahlreiche WLAN-Betreiber verbunden mit einer hohen Hot Spot Abdeckung und eine geringe bis mittlere Aktivität der Mobilfunkbetreiber in diesem Geschäftsfeld vor. Unter diesen Umständen wäre mit einer sehr positiven Marktentwicklung zu rechnen.

Im dritten Szenario forcieren die Mobilfunkbetreiber den Ausbau von WLAN an Hot Spots als Komplementär zu ihrem UMTS Netzwerk. Eine hohe Hot Spot Abdeckung gepaart mit funktionierendem Roaming prägen die Situation. Die Marktentwicklung würde der im zweiten Szenario entsprechen - allerdings mit dem Unterschied, dass wahrscheinlich einige kleinere WLAN Anbieter aus dem Markt gedrängt werden würden.

Schreiben Sie dem Autor: boelingerb@logica.com

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