Kosten im Gesundheitswesen sollen gesenkt werden
EU gegen Werbung für rezeptpflichtige Medikamente

Das Europäische Parlament hat sich gegen eine Ausweitung der Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente ausgesprochen. Mehr als drei Viertel der Abgeordneten stimmten am Mittwoch in Straßburg gegen einen Vorschlag der Kommission, für Aids, Asthma und Diabetes direkte Pharmawerbung etwa im Internet zu zulassen.

HB STRAßBURG. Bislang ist Werbung für rezeptpflichtige Medikament nur bei Ärzten erlaubt. Dem Parlament lag in erster Lesung eine Novelle des europäischen Arzneimittelrechts vor.

In den meisten anderen Punkten folgte das Parlament dagegen dem Vorschlag der Kommission. So sollen die Zulassungsfristen für Arzneimittel verkürzt und harmonisiert sowie das Verfahren transparenter werden. Die Vorlage geht nun zurück an den Ministerrat. Nach Einschätzung eines Parlamentssprechers werden sich die EU- Abgeordneten frühestens in einem Jahr in zweiter Lesung wieder mit der Novelle befassen.

Pharmaunternehmen dürfen demnach künftig zehn Jahre lang ein neu entwickeltes Medikament exklusiv vermarkten, ohne dass andere Firmen chemisch identische Arzneikopien, so genannte Generika, herstellen. Bei diesem so genannten "Unterlagenschutz" gab es bisher in der EU große Unterschiede. In Deutschland und Großbritannien etwa liegt die Schutzfrist bei zehn Jahren, in Österreich, Irland und Portugal beträgt sie sechs Jahre. Einige Beitrittsländer gewähren sogar nur zwischen drei und fünf Jahren.

Marktanteil der Generika liegt bei 40 Prozent

Generika-Hersteller können künftig nach acht Jahren mit der Entwicklung beginnen, die Generika dürfen aber erst zwei Jahre später auf den Markt kommen.

EU-Abgeordnete wie der Arzt Peter Liese (CDU) versprechen sich von der Regelung eine Kostenreduzierung im Gesundheitswesen. So liege der Marktanteil der Generika an den verschriebenen Medikamenten in Deutschland und den Niederlanden bei rund 40 Prozent, während in Frankreich fast keine Generika verschrieben würden.

Neue Medikamente sollen zentral zugelassen werden

EU-Parlament und Kommission wollen mit der Novelle außerdem die Europäische Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln (EMEA) in London stärken. Neu entwickelte Medikamente sollen künftig von der EMEA zentral für die gesamte Europäische Union zugelassen werden. Innerhalb der Londoner Behörde soll zudem ein Ausschuss für pflanzliche Medikamente geschaffen werden. Die EMEA hat seit ihrer Einrichtung 1995 bisher mehr als 400 Medikamente EU-weit zugelassen.

Die Abgeordneten billigten ferner den Vorschlag, das gesamte Zulassungsverfahren für Medikamente durchsichtiger zu machen. Ärzte sollen über eine öffentliche Datenbank jederzeit Zugriff auf nicht schützenswerte Informationen über den Stand der Zulassung, klinische Tests, Nebenwirkungen und Preise der Arzneimittel haben. In diesem Zusammenhang pochten die Parlamentarier besonders auf eine spezielle Verträglichkeitsprüfung von Medikamenten bei Kindern.

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