Kosten in den Griff bekommen
Personalabbau bei der Dresdner Bank geht weiter

Angesichts einer schwachen Ertragslage auch 2002 will die Dresdner Bank ihre Kosten weiter reduzieren und prüft dabei weitere Stellenstreichungen im Investmentbanking.

Reuters FRANKFURT. Entscheidungen über eine mögliche Streichung weiterer Stellen seien aber noch nicht getroffen worden, sagte der Dresdner-Vorstandschef Bernd Fahrholz am Freitag bei der letzten öffentlichen Hauptversammlung der inzwischen zum Allianz-Konzern gehörenden Bank in Frankfurt. Der April sei für die Dresdner erneut ein schwacher Monat gewesen. Er erwarte zunächst auch keine Erholung der Märkte, sagte Fahrholz. Die für 2002 geplanten Kosten- und Ertragssynergien aus dem Zusammenschluss mit der Allianz in Höhe von 290 Millionen Euro würden jedoch erreicht. Die Aktionäre stimmten erwartungsgemäß mit großer Mehrheit einer Übertragung der Anteile von Minderheitsaktionären auf die Allianz (Squeeze-out) zu.

Weitere Stellenstreichungen werden geprüft

Die Dresdner Bank, die ohnehin 7 800 Arbeitsplätze bis Ende 2003 abbauen will, prüfe die Streichung weiterer Stellen bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, sagte Fahrholz. "Es gibt wenig Spielraum für Ertragssteigerungen im Investmentbanking." Auch die geplante Kooperation mit der Deutschen Bank bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs könne möglicherweise Arbeitsplätze kosten. Bereits bei der Präsentation der Bilanzzahlen der Allianz waren weitere Stellenstreichungen bei der Bank im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Märkte nicht ausgeschlossen worden.

"Wir müssen die Kosten in den Griff bekommen, sonst bekommen sie uns in den Griff", sagte Fahrholz. Eine Kosten-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio), die sich im vergangenen Jahr wieder bedrohlich der 80-Prozent-Marke angenähert habe, sei nicht akzeptabel. Die Bank müsse sich aus der Situation von steigenden Kosten bei gleichzeitig sinkenden Erträgen so schnell wie möglich befreien.

April war erneut ein harter Monat

Die Entwicklung der Märkte und damit die Ertragsaussichten für die Bank schätzt Fahrholz auch für das laufende Jahr als schwach ein. Möglicherweise werde es nicht einmal im zweiten Halbjahr zu einer zuvor eigentlich erwarteten Erholung kommen. "Der April hat für die Banken nicht zu den besten Monaten gehört, das gilt auch für die Dresdner Bank", sagte Fahrholz. Im ersten Quartal hatte die Bank lediglich auf Grund von Beteiligungsverkäufen ein positives Ergebnis erzielt. Ohne diese Sondereffekte hatte die Bank einen Vorsteuerverlust von 260 Millionen Euro verbucht. Auch die Risikovorsorge im Kreditgeschäft, die 2001 bei 1,9 Milliarden Euro gelegen hatte, bezeichnete Fahrholz als zu hoch. Für das laufende Jahr seien 1,3 bis 1,9 Milliarden Euro eingeplant.

Wehmütige Gefühle

Die Hauptversammlung der Dresdner Bank war die letzte öffentliche in der 130-jährigen Geschichte des Geldhauses. Die verbliebenen Aktionäre billigten mit erwartet großer Mehrheit einen so genannten "Squeeze-out". Damit können die von den Minderheitsaktionären gehaltenen Dresdner-Bank-Aktien auf die Allianz AG als Hauptaktionärin übertragen werden. Da die Allianz aktuell bereits 95,14 Prozent an der Dresdner hält, gab es von vornherein keinen Zweifel am Ausgang dieser Abstimmung. Den restlichen freien Aktionären sollen 51,50 Euro je Dresdner-Bank-Anteilsschein gezahlt werden.

In der Aussprache wurde die Abfindung grundsätzlich nicht in Frage gestellt, es gab lediglich Kritik an ihrer Höhe. Ein Aktionärsvertreter nannte die geplante Zahlung eine "Zumutung" und schloss nicht aus, dass die Höhe des Betrags auf Betreiben der freien Aktionäre in einem so genannten Spruchverfahren gerichtlich überprüft werden könnte. Dresdner-Chef Fahrholz nannte das Angebot erneut fair und angemessen.

Das Verschwinden der Traditionsbank vom Kurszettel der Börse wurde von vielen Aktionären bedauert: "Dass sich die Dresdner Bank von der Börse verabschiedet, ist bitter", sagte ein Vertreter der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Es sei allerdings auch deutlich geworden, dass die Bank derzeit nicht die Ertragskraft habe, um allein am Markt bestehen zu können. Auch sei es für den Großaktionär von Vorteil, 100 Prozent der Bank zu kontrollieren.

Fahrholz sagte, er selbst sei wehmütig, dass die Bank ihr Gründungsjubiläum im November nicht mehr als selbstständiges Institut feiern werde. Doch stehe der Bank als Teil des Allianz-Konzerns eine spannende Zukunft bevor. Fahrholz verwies noch einmal auf die erwarteten Ertrags- und Kostensynergien, die sich beide Häuser von dem Zusammenschluss erwarten.

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