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Kostendruck auf IT-Abteilungen wächst

Kosten senken! So lautet die Direktive in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Von dieser Aufforderung bleiben auch die IT-Abteilungen nicht verschont. "Rund 25 bis 45 Prozent Kosteneinsparung sind möglich", stimmte Wolfgang Thiel, Geschäftsführer der Kölner Boston Consulting Group, die Teilnehmer auf der Handelsblatt-Jahrestagung "Strategisches IT-Management" auf die zweitägige Veranstaltung in Bonn ein.

BONN. Bei großen Konzernen macht das schnell zweistellige Millionen-Beträge aus. Und es ist in der Tat mehr oder weniger möglich - fasst man die Aussagen der IT-Verantwortlichen von so großen Anwendern wie Heidelberger Druckmaschinen, ZF Friedrichshafen, Basler Versicherung, Deutsche Telekom, WestLB oder der Schweizer Bank UBS zusammen. Zugleich wird die Informatik weiterhin als strategisch wichtig für die Unternehmen verstanden zu verstehen, neue Geschäftsfelder zu erschließen und die Effizienz der Datenverarbeitung zu steigern.

"Effiziensteigerung und Kostensenkung" lautet daher das derzeit alles beherrschende Thema bei kleinen wie großen Anwendern. Kurzfristig, so meinte Thiel, könne allein durch die strikte Auswahl von IT-Vorhaben gespart werden. Aber auch durch eine Überprüfung von Wartungsverträgen oder dem Check, welche Anwendungen, die womöglich noch aus den sechziger und siebziger Jahren stammen, überhaupt noch benötigt werden.

Die Kostensenkung soll nicht zum Selbstzweck werden, sondern als Ergebnis eines intelligenten Prozesses verstanden werden. Thiel: "Die Krise begreifen viele Unternehmer dabei durchaus auch als Chance zur Veränderung." Ein Tipp des Experten am Rande: Noch nie war es so leicht, qualifiziertes Personal zu bekommen.

Ein Kernproblem, mit denen sich die IT-Chefs in großen Unternehmen derzeit "herumschlagen", ist die Verbindung von verschiedenartigsten Systemen, Standards und Protokollen zu einer Einheit - ein riesiges Einsparpotenzial. Hasso Plattner, Vorstandssprecher der Walldorfer SAP, spricht von "digitaler Komplexität". Und das ist keineswegs ein triviales Problem - Plattner kennt Unternehmen, die inzwischen 70 verschiedene ERP- und zehn E-Procurement-Systeme (für die Beschaffung) einsetzen und dazu noch die unterschiedlichste Hardware verwenden. Allein die Verwaltung dieser komplexen IT-Landschaft verursacht horrende Kosten.

Aber es gibt eine Hoffnung: Das Internet - alles wird weltweit vernetzt. Über ein Portal erhält der Anwender die Verbindung zum Internet, zum Lieferanten, zum Kunden, zur Bank oder zur hauseigenen betriebswirtschaftlichen Anwendung (ERP-System, z.B. R/3). Um das wiederum zu ermöglichen, muss eine Software zwischengeschaltet werden, die dies ermöglicht - die Middleware. Hans Ulrich Märki, Chef für Europa, ist davon überzeugt, dass der Kampf um künftige Marktpositionen daher nicht bei den Betriebssystemen entschieden wird, sondern bei der Middleware. Weil die Informationsbeschaffung und die Abwicklung von Geschäften über das Internet beileibe nicht tot ist, wird das E-Business - trotz der geplatzten Seifenblase der Dotcom-Unternehmen und der Turbulenzen im Telekommunikationsmarkt - sich weiterhin durchsetzen, meint Märki.

Die Unternehmen müssen daher, das versuchte der IBM-Mann deutlich zu machen - trotz aller aktuellen Kostensenkungsprogramme - mittel- und langfristig diese Entwicklung beobachten und ihre Strategie entsprechend ausrichten: "Sie können dadurch schließlich Geld sparen, ihren Kunden bessere Unterstützungsleistungen anbieten und ihre eigenen Organisationen besser integrieren."

Clemens Kaiser, beim Chemiekonzern Leiter des Konzernstabs E-Commerce, geht noch einen Schritt weiter: "Erst mit der Anbindung neuer Anwendungen wie CRM-Systeme (Kundenbeziehungsmanagement) an die bestehenden Back-Office-Systeme wie R/3 rechnen sich jetzt erst die hohen Investitionen, die wir in den vergangenen Jahren für die teuren ERP-Systeme von SAP getätigt haben."

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